Übernahmewelle nimmt keinen Abbruch

Derzeit hagelt es fast wöchentlich neue Übernahmemeldungen im US-Gesundheitssektor. Beispielsweise die Offerte des drittgrößten Krankenversicherers Aetna, der den kleineren Wettbewerber Humana schlucken möchte. Oder der Versicherungsanbieter Anthem, der sich bei Cigna einkaufen will.

Jetzt hat sich auch Centene aus der Deckung gewagt und eine Offerte für den Konkurrenten HealthNet abgegeben.

Zukauf stärkt Marktposition

Die Übernahme lässt sich Centene 6,3 Mrd. US Dollar kosten. Dabei sollen HealthNet-Aktionäre 28,25 US Dollar in Cash und 0,622 Centene-Aktien für jeden HealthNet-Anteilsschein erhalten. Die Transaktion muss allerdings erst noch genehmigt werden. Geht der Deal wie geplant bis zum Frühjahr 2016 über die Bühne, dann halten HealthNet Aktionäre nach der Übernahme 29% am Gemeinschaftsunternehmen.

Mit dem Zukauf will Centene seine Position als Vermittler von staatlichen Versicherungsangeboten ausbauen. Das fusionierte Unternehmen wird mehr als zehn Millionen Versicherungsnehmer in den USA betreuen.

Deal auf Augenhöhe

Mit dem Deal schließen sich zwei ebenbürtige Partner zusammen. Beide Konzerne treten als Vermittler von staatlichen Versicherungsangeboten auf. Centene betreut rund 4,4 Mio. Kunden und brachte es zuletzt mit 14.800 Mitarbeitern auf 15,7 Mrd. US Dollar Umsatz.

HealthNet bewegt sich mit 14 Mrd. Umsatz und 6 Mio. Kunden in einer ähnlichen Größenordnung. Während Centene allerdings in 23 Staaten aktiv ist, konzentriert sich HealthNet primär auf die Bundestaaten Arizona, Kalifornien, Oregon und Washington.

Der Deal soll gleich im ersten Jahr den Gewinn je Aktie um 10% nach oben treiben. Zudem erwartet die Konzernspitze Kosteneinsparungen von 150 Mio. US Dollar auf Sicht von 24 Monaten – die Hälfte davon soll bereits im ersten Jahr erreicht werden.

„Obamacare“ treibt Übernahmewelle voran

Erst vor einer Woche hatte der Oberste Gerichtshof in Washington die Gesundheitsreform unverändert aufrechterhalten.

Damit hat das für Obama wichtigste Gesetz seiner Präsidentschaft auch einen zweiten großen rechtlichen Angriff überstanden. „Obamacare“ gewährt Millionen bedürftigen US-Bürgern staatliche Zuschüsse zur Krankenversicherung. Diese Beihilfen müssen nicht abgeschafft werden.

Unter „Obamacare“ ist die Zahl der Krankenversicherten in den USA deutlich gestiegen. Vor Inkrafttreten des Gesetzes waren rund 48 Millionen Menschen oder fast 15% der US-Bevölkerung ohne Versicherungsschutz. Seither haben laut Obama 16 Millionen US-Bürger neue Krankenversicherungen abgeschlossen.

Gleichzeitig stieg aber auch der Kostendruck in der Branche, sodass es bereits zu diversen Fusionen und Übernahmen gekommen ist. Da das Gesetz jetzt quasi juristisch sicher ist, sollte auch die letzte Hürde für die ganz großen Übernahmen unter den Krankenversicherern aus dem Weg geräumt.

7. Juli 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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