Übernahmewelle rollt durch Chinas Tech-Landschaft: Baidu greift nach Livestreaming-Plattform YY Live

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Baidu schluckt chinesischen Livestreaming-Spezialisten YY Live für 3,6 Milliarden Dollar: Übernahme soll Abhängigkeit von Werbeeinnahmen reduzieren (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Durch die Pandemie hat sich das Konsum- und Medienverhalten drastisch geändert. Vor allem Livestreaming-Angebote haben massiv an Bedeutung gewonnen. Das dürfte den chinesischen Google-Konkurrent Baidu dazu bewogen haben, seine Positionierung in diesem Segment mit einer milliardenschweren Übernahme deutlich auszubauen. Für 3,6 Milliarden Dollar will sich der Technologieriese an der chinesischen Livestreaming-Plattform YY Live beteiligen und damit ein neues Standbein schaffen.

Baidu schielt auf Unterhaltungsplattform

Mit dem Kauf der Streaming-Plattform YY Live baut Baidu seine Geschäftsaktivitäten bei Internetdiensten spürbar aus. YY Live ist das Hauptprodukt des chinesischen Internetanbieters Joyy Inc., der eine Reihe von anderen Video- und Streaming-Plattformen für Nutzer außerhalb Chinas weiterbetreiben wird. Ziel ist es, neue Umsatzquellen zu erschließen. Das lässt sich Baidu einiges kosten: In Summe legt der Google-Rivale für YY Live 3,6 Milliarden Dollar in bar auf den Tisch.

Diversifikation der Einnahmequellen

Bislang ist Baidu vor allem für seine Suchmaschinenfunktion bekannt. Mit dem Zukauf dürfte sich das Baidu-Imperium mehr zum Anbieter von digitalen Inhalten entwickeln. Dabei geht es für Baidu vor allem darum, mit dem Konkurrenten Tencent und dessen Social-Media-Plattform Wechat besser mitzuhalten und neue Ansatzpunkte für Werbeaufkommen zu finden. Der Vorteil für Baidu: Live-Streaming-Plattformen wie YY erhalten die Einnahmen direkt von den Nutzern, die für die Streams an die Performer zahlen, wobei die Plattform einen Anteil erhält.

Damit wird der Konzern unabhängiger von den Werbeerlösen. Zudem soll die Livestreaming-Plattform weiter ausgebaut werden und sich künftig nicht nur auf den Unterhaltungssektor konzentrieren. Denkbar sind Video-Meetings mit Rechtsanwälten oder die virtuelle Konsultation von Ärzten.

Corona-Pandemie sorgt für rückläufige Werbeerlöse

Zuletzt waren die Werbeerlöse in der Pandemie zunächst deutlich eingebrochen, weil die Kunden ihre Werbeausgaben auf der Suchmaschine drastisch gekürzt hatten. Während beispielsweise der Wettbewerber Tencent die Krise Dank des Kerngeschäfts mit Onlinespielen gut umschiffen konnte, waren die Auswirkungen bei Baidu stärker zu spüren.

Rückkehr auf Wachstumspfad im dritten Quartal

Allerdings konnten man in den gerade präsentierten Geschäftszahlen bereits wieder eine leichte Stabilisierung ausmachen. War der Umsatz im zweiten Quartal noch leicht rückläufig (-1%), konnte im dritten Quartal wieder ein leichtes Wachstum von 1% auf 4,2 Milliarden Dollar erzielt werden. Bereinigt um die Umsätze aus der Streaming-Plattform iQIYI erzielte Baidu Core Umsätze von 3,1 Milliarden Dollar.

Das ist ein Wachstum von 2% gegenüber dem Vorjahresquartal und ein deutlicher Fortschritt, nachdem Baidu Core in den letzten beiden Quartalen noch um 13% bzw. 3% geschrumpft war. Große Herausforderungen gibt es nach wie vor bei der Videostreaming-Tochter iQIYI (“Netflix von China”). Denn diese musste auch im Q3 zweistellige Einbußen bei den Werbeeinnahmen hinnehmen.

Operativer Gewinn schießt in die Höhe

Unter dem Strich konnte der operative Gewinn dennoch um 161% auf 907 Millionen Dollar gesteigert werden. Die operative Marge betrug somit 22% vs. 14% im Vorquartal. Am Ende blieb ein Nettoergebnis 1,98 Dollar je Aktie hängen. Der Free Cash-Flow von Baidu lag unterdessen bei rund 1,2 Milliarden Dollar. Der Bargeldbestand betrug am Quartalsende 20,4 Milliarden Dollar.

Konzernführung blickt optimistisch ins Schlussquartal

Für das laufende Schlussquartal zeigt sich die Konzernführung zuversichtlich. Beim Umsatz könnte am Ende ein Plus von bis zu 10% in den Büchern stehen. Sollte der positive Trend anhalten könnte der Konzern im kommenden Jahr zum ersten Mal seit 2018 wieder ein zweistelliges Umsatzwachstum erzielen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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