Übernahmewettstreit um die Madrider Börse entbrannt

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Um die Madrider Börse ist ein Bieterwettstreit entbrannt. Mit den Betreibern der Schweizer Börse und der Mehrländerbörse Euronext haben gleich zwei Kandidaten ihr Interesse an einer Übernahme bekannt gegeben. (Foto: LudwigChrist / Shutterstock.com)

Die Übernahewelle auf dem Finanzmarkt hat jetzt auch Spanien erreicht: Gestern haben gleich zwei europäische Börsen ihr Übernahmeinteresse an dem Betreiber der Madrider Börse, Bolsas y Mercados Españoles (BME), publikgemacht.

Die SIX Group, Betreiberin der Schweizer Börse, hat am Montag ein konkretes Übernahmeangebot veröffentlicht. Parallel dazu hat auch der Betreiber der Mehrländerbörse Euronext laufende Gespräche mit der spanischen BME über eine mögliche Übernahme bestätigt.

Schweizer Angebot mit solider Übernahmeprämie

SIX bietet den Aktionären für jede BME-Aktie stolze 34 EUR in bar an. Damit beinhaltet das Angebot eine satte Übernahmeprämie von knapp +34% im Vergleich zum freitäglichen Schlusskurs. Bezogen auf den durchschnittlichen Aktienkurs von BME in den letzten 6 Monaten beträgt die Prämie sogar gute +47.6%.

Insgesamt sind die Schweizer bereit, satte 2,843 Mrd. EUR für BME zu berappen. Mit dem Kauf will Six nach der Londoner und der Deutschen Börse zum drittgrößten Börsenbetreiber Europas aufsteigen.

Auch Euronext bestätigt Übernahmeverhandlungen

Kurz vor der Veröffentlichung der SIX-Offerte hatte auch Euronext in einer kurzen Pressemitteilung bestätigt, dass es mit BME Gespräche über eine mögliche Übernahme führt. Ob diese Verhandlungen zu einem konkreten Übernahmeangebot führen werden, sei allerdings noch offen.

Kursexplosion bei BME

Bezogen auf den freitäglichen Schlusskurs von 25,40 EUR ging der Kurs der BME-Aktie am gestrigen Montag durch die Decke und stieg um +38% auf 35,06 EUR. Damit lag der BME-Schlusskurs deutlich über der SIX-Offerte von 34 Euro.

Markt spekuliert auf Bieterwettkampf

Als Leser des Übernahme-Sensors wissen Sie: Wenn der Kurs eines Übernahmekandidaten über den angebotenen Preis hinausschießt, rechnen Investoren in der Regel mit einem Bieterwettstreit, der den Kaufpreis in die Höhe treiben wird. Im vorliegenden Fall ist ein Wettbieten auch offenkundig, denn schließlich haben ja bereits zwei Kandidaten ihre Hüte in den Ring geworfen.

Schweizer wollen EU-Standbein

Aufgrund von Streitigkeiten zwischen der EU und der Schweiz wurde EU-Bürgern der Aktienhandel an den Schweizer Börsen untersagt. Vor diesem Hintergrund kann das SIX-Angebot als Umgehung dieses Streites gesehen werden. Durch die Übernahme der Madrider Börse wollen sich die Schweizer einen Börsenplatz in der EU sichern.

Rege Übernahmeaktivitäten auf dem Börsenparkett

In den letzten Jahren schwappt unter den europäischen Börsenbetreibern eine regelrechte Fusions- und Übernahmewelle. Bereits im September machte die Hongkonger Börse der Londoner Börse (LSE) ein spektakuläres Übernahmeangebot, zog dieses jedoch im Oktober zurück.

Ebenfalls im September gewann die LSE einen Bieterwettkampf mit der Deutschen Börse um den britischen Finanzdienstleister Refinitv. Gleiches gelang Euronext: Die niederländische Mehrplatzbörse setzte sich Mitte des Jahres in einem spektakulären Übernahmekampf mit der Nasdaq um die Osloer Börse durch. Zwei Jahre zuvor hatte die Deutsche Börse Interesse an einer Übernahme der LSE gezeigt, war aber letztendlich nicht erfolgreich.

Wie es weitergeht

Es bleibt abzuwarten, ob die Gespräche zwischen Euronext und BME positiv verlaufen und ein zweites Übernahmeangebot auf den Tisch kommt. Auch eine Offerte aus Kreisen, die bisher nicht als mögliche Übernahmekandidaten gehandelt werden, ist auf diesem heißen Markt denkbar.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.