Übernahmewettstreit um Suez mit überraschender Wende

Stone Chimera and Eiffel Tower at sunset in Paris, France

In den festgefahrenen Übernahmestreitigkeiten zwischen den französischen Umweltkonzernen Veolia und Suez ist Bewegung gekommen. Zwei Beteiligungsgesellschaften haben Suez ein alternatives, freundliches Übernahmeangebot unterbreitet. (Foto: Givaga / Adobe Stock)

Anfang September 2020 hatte ich Ihnen bereits über den feindlichen Übernahmeversuch zwischen den beiden großen französischen Umweltkonzernen Veolia und Suez berichtet. Veolia hatte für den Mitbewerber Suez ein Übernahmeangebot unterbreitet, das Suez jedoch vehement abgelehnt hat. Seitdem ist der Übernahmestreit zu einer Hängepartie geworden.

Jetzt hat sich ein neuer Bieter in den Übernahmewettkampf eingemischt: Am Sonntag gab Suez bekannt, dass die Beteiligungsgesellschaften Ardian SAS (SAS, französisch für Vereinfachte Aktiengesellschaft) und Global Infrastructure Partners (GIP) dem Unternehmen ein freundliches Übernahmeangebot unterbreitet hätten.

Zweites Übernahmeangebot durch weißen Ritter

Damit könnten die beiden Beteiligungsgesellschaften zu einem „weißen Ritter“ werden. Als weiße Ritter werden Investoren bezeichnet, die einem im Übernahme-Abwehrkampf befindlichen Unternehmen zur Seite stehen, indem sie ein eigenes (freundliches) Übernahmeangebot unterbreiten.

Konkret wollen die französische Ardian und die US-amerikanische GIP den Suez-Anteilseignern 18 Euro pro Aktie zahlen. Das entspricht genau der Summe, die Veolia den Suez-Aktionären in ihrem feindlichen Angebot unterbreitet hatte. Insgesamt wird Suez in beiden Angeboten mit der riesigen Summe von 11,3 Mrd. Euro bewertet.

Suez begrüßt das Alternativangebot

Der kurzfristig zusammengetretene Verwaltungsrat von Suez hat das Alternativangebot noch am Sonntagabend begrüßt. Der Verwaltungsrats-Vorsitzende, Philippe Varin, teilte mit: „Der Verwaltungsrat unterstützt einstimmig die angestrebte Lösung mit der Beteiligung verantwortungsbewusster, langfristiger und erstklassiger Investoren.

Der Verwaltungsrat hat den Vorstandsvorsitzenden des Konzerns beauftragt, weiter an der Umsetzung zu arbeiten, einschließlich der Aufnahme von Gesprächen mit Veolia, um eine Lösung zu erreichen, die im Einklang mit den Unternehmensinteressen von Suez steht.“

Veolia stellt sich stur

Auf die neuen Entwicklungen im Übernahmewettstreit reagierte auch der ebenfalls in Paris beheimatete Wasserver- und Abfallentsorger Veolia umgehend. Der Konzern gab noch am Sonntagabend bekannt, dass seine bereits erworbenen 29,9% Suez-Anteile nicht zum Verkauf stehen.

„Jedes Projekt, das direkt oder indirekt den Verkauf der Beteiligung von Veolia am Kapital von Suez oder andere Veräußerungen, die das von der Gruppe verfolgte Industrieprojekt beeinträchtigen würden, beinhaltet, wird von Veolia als feindlich betrachtet“, so Veolia in einer kurzen Pressemitteilung.

Börsen reagieren verhalten

Am Montagmorgen reagierten die Investoren verhalten auf die neue Lage im Übernahmewettstreit. Der Kurs der Suez-Aktie legte im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag zwar um gut 3% zu, blieb aber mit 17,47 Euro noch deutlich unter dem Übernahmeangebot.

Die Anleger glauben offensichtlich nicht daran, dass das neue Angebot zu einer Lösung führen wird. Möglicherweise spekulieren auch viele Suez-Anteilseigner darauf, dass sich im Rahmen eines möglichen Bieterwettstreits die bisherige Offerte noch verbessern kann.

Ob das neue Angebot der Beteiligungsgesellschaften wirklich zu einer Lösung in dem verfahrenen Übernahmekampf führen wird, muss sich zeigen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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