Überraschender Vorstoß: KWS kontert BASF-Offerte aus

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Die Übernahme des Bayer-Gemüsegeschäfts durch BASF wackelt. KWS will den Zuschlag und bietet einen attraktiven Preis (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Das Übernahme-Geschäft hat am Dienstag viele spannende Stories aus dem deutschsprachigen Raum zu bieten. Im SDAX freuen sich die Grammer-Aktionäre über eine Offerte des Großaktionärs Ningbo, der mit sattem Aufschlag auf den Aktienkurs einen Deal in Aussicht stellt.

Das Grammer-Management hat zwar noch nicht eingewilligt, doch der Markt ist zuversichtlich, dass sich die beiden Seiten einigen. Die Aktie steigt zwischenzeitlich sogar über den Angebotspreis.

Angebotspreis könnte bei 1,4 Mrd. Euro liegen

Weniger erfreut reagierten heute die KWS-Aktionäre auf eine Übernahme-Ankündigung. Der Saatguthersteller kündigte an, dass man die BASF-Offerte für das Bayer-Gemüsegeschäft auskontern wolle.

Das Gemüsegeschäft steht aufgrund von Kartellauflagen für die Genehmigung der Monsanto-Übernahme zum Verkauf. Bislang war davon auszugehen, dass BASF den Zuschlag erhält, eine Übernahme wurde bereits zwischen den beiden DAX-Konzernen vereinbart.

Für ein Bündel an Geschäftsbereichen inklusive des Gemüsesaatgutgeschäfts erhielt BASF den Zuschlag. Als Kaufpreis wurden 1,7 Mrd. Euro ausgehandelt. Wieviel KWS jetzt für das unter dem Namen „Nunhems“ firmierdenden Gemüsegeschäft bietet, wurde nicht bekannt.

Der Unternehmenschef Hagen Duenbostel teilte lediglich mit, dass man als Referenz für den Preis einen operativen Gewinnmultiplikator von knapp 17 genommen habe. Dies entspreche dem, was Bayer für Monsanto zahlt.

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Basierend auf Schätzungen könnte der Preis bei 1,4 Mrd. Euro liegen.

Wettbewerbsbehörden sind KWS-Hoffnungsträger auf Übernahme-Zuschlag

KWS teilte mit, dass eine erste unverbindliche Offerte bereits Mitte Januar abgegeben wurde. Bayer erteilte dem Interessenten jedoch eine Abfuhr und handelte mit BASF den Paketverkauf aus.

Der Deal mit BASF ist jedoch noch nicht an den europäischen Wettbewerbsbehörden vorbei und die Hoffnung von KWS, doch noch zum Zug zu kommen, beruht darauf, dass Bayer an KWS verkaufen muss.

Übernahme erscheint strategisch richtig – doch die jahrelange solide Bilanzstruktur ist dann futsch

Sollte KWS den Zuschlag bekommen, wäre das eine faustdicke Überraschung, die nicht jedem KWS-Aktionär schmeckt. Der Saatguthersteller ist zwar solide durchfinanziert, doch 1,4 Mrd. Euro sind für das an der Börse mit 2 Mrd. Euro bewertete Unternehmen ein richtig großer Brocken. Gut möglich, dass KWS mit den Großaktionären über den Schritt gesprochen hat und den Kapitalmarkt anzapft, um einen Teil des Preises zu bezahlen.

Strategisch betrachtet, erscheint die Übernahme für KWS sehr vernünftig. Das Bayer-Gemüsegeschäft ist hochmargig und würde den Umsatz um über 1/3 ansteigen lassen. Auf Konzernebene würde die Gewinnspanne voraussichtlich zulegen – selbst wenn Synergieeffekte noch nicht eingerechnet werden. Für das KWS-Management gibt es nach schwierigen 9 Monaten im Geschäftsjahr 2017/2018 viele Argumente, warum der Deal gut ist.

Die Aktionäre sind heute jedoch noch nicht vom Mehrwert der Transaktion überzeugt – oder wollen vielleicht nicht die danach hohe Verschuldung hinnehmen. In einem schwachen Marktumfeld verliert die Aktie über 2%.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.