Überraschung: DAX generiert plötzlich Kaufsignal

Der MACD-Indikator generiert ein Kaufsignal. Doch die nächsten Hindernisse warten schon auf den DAX. Noch sind wir nicht auf der sicheren Seite. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Wer hätte das gedacht, kaum tritt der britische Außenminister Boris Johnson zurück, schon steigt der DAX. Natürlich hat das eine nahezu nichts mit dem anderen zu tun. Aber manchmal wird bei einer Analyse die aktuelle Nachrichtenlage auf die Kurse gelenkt und schon muss es passen. Auch wenn es nicht passt. Doch darum geht es heute nicht.

Wir müssen den DAX loben

Aus dem Trauerspiel Anfang Juli Richtung 12.000 Punkte – die zum Glück nicht erreicht wurden – hat der DAX etwas Ansehnliches gebastelt. Viele grüne Kerzen hintereinander sind durchaus ein starkes Signal. Dass die Kerzen vor Unsicherheit nur so getrieft haben, lassen wir jetzt einmal außen vor. Die Dochte der Kerzen waren nämlich oftmals lang und der Körper hat fast nicht existiert.

Ein derartiger Verlauf war also eher unerwartet. Denn all diese Indizien, die für ein erneutes Fallen des DAX gesprochen hatten, konnten einfach nicht fruchten. Heute laufen wir weiter stabil Richtung 12.600. Wenn auch in sehr kleinen Schritten.

Kaufsignal im MACD

Der Tageschart frohlockt! Insbesondere der MACD-Indikator. Der zeigt bekanntlich Trends an und hier haben wir eine deutliche Trendumkehr. Schauen wir uns gleich den Chart an, damit Sie wissen, wovon ich schreibe.

Oben sehen Sie den DAX mit blauer 50-Tagelinie und grüner 200-Tagelinie. Die Bollinger Bänder habe ich zur Feier des Tages auch einmal eingezeichnet, denn hier ist die mittlere Linie die SMA-20. Und kurz, vor der stehen wir inzwischen schon wieder. SMA-50 und SMA-200 laufen ausnahmsweise fast parallel bei rund 12.745.

DAX: Kommen nun endlich wieder bessere Zeiten?Der DAX zeigte sich im bisherigen Wochenverlauf von seiner Schokoladenseite: Gibt es be-reits ein Kaufsignal? › mehr lesen

Jetzt zum MACD: Der zeigt heute im Tageschart an, dass es ein Kaufsignal gibt – seiner Meinung nach. Kaum steigt der DAX sieben Tage in Folge, springt auch dieser Indikator auf den Zug mit auf.  Wie Sie sehen: Nicht jedes Kaufsignal kommt zur richtigen Zeit. Wenngleich es durchaus die aktuellen Kurse bestätigt. Der RSI darüber in Schwarz war etwas schneller. Er hat bereits vor einer Woche seine untere 30 %-Linie nach oben durchbrochen.

Kaufsignal mit Vorbehalt

Grundsätzlich zeigt also alles nach Norden im DAX. Warum kommt jetzt wieder ein Aber? Nun ja, die Börse ist nicht nur Schwarz oder Weiß. Viele Anzeichen sprechen dafür, dass wir weiter steigende Kurse sehen und diese Woche auch die 12.600 im Chart begrüßen dürfen. Doch was passiert dann? Bei 12.556 verläuft zunächst die 20-Tagelinie. Dort könnte der DAX kurz pausieren.

Spätestens bei 12.600 und allerspätestens bei der Kombination aus SMA-50 und SMA-200 wird er eingebremst werden. Und das sind nur noch wenige Punkte Abstand. Warum sollten Sie also jetzt auf den MACD hören, wenn so viel dafür spricht, dass wir uns mit Widerständen herumschlagen müssen?

Der Trend mag weiterhin bergauf gehen. Vielleicht gibt es auch nur kurze Rücksetzer an den genannten Widerständen, doch erst wenn diese nachhaltig überwunden sind, kann die DAX-Party richtig losgehen. Für kurzfristige Trader macht es deshalb aktuell sicherlich mehr Spaß auf Gegenbewegungen zu warten.

Unter Strich gilt also: Der DAX zeigt Muskeln. Doch bevor er das Gewicht komplett über den Kopf gestemmt bekommt, geben wir ihm noch ein paar Tage Zeit. Die 12.600 Punkte und die darüberliegenden Durchschnitte stellen zu viele Hürden dar, als dass wir blind dem MACD-Kaufsignal folgen sollten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.