Überwachung droht: Autoversicherer wollen auf Autodaten zugreifen

Moderne Autos sammeln viele Daten – auf die wollen jetzt die Versicherer zugreifen. Hier können einfach Bewegungsprofile erstellt werden. (Foto: JPStock / Shutterstock.com)

Die Meldungen zu immer neuen Datenschutz-Skandalen reißen nicht ab. Jetzt geht es um Planungen von Autoversicherern – die uns alle als Autofahrer angehen und die uns auch zeigen, zu was die Industrie schon heute fähig ist.

Wie bekannt wurde, hat die Allianz-Versicherung jetzt gefordert, dass Daten, die durch die aktuellen Automodelle an die Hersteller übermittelt werden, nicht allein in deren Händen bleiben sollten. Stattdessen sollen sie bei einem Treuhänder gesammelt werden, um damit auch den Versicherern und anderen Stellen über eine einfache Schnittstelle zur Verfügung zu stehen.

Nach Meinung der Allianz sollten diese Daten dazu verwendet werden, Unfälle aufzuklären. Deshalb würde es keinen Sinn machen, wenn diese Informationen nur im Fahrzeug oder beim Hersteller abrufbar wären. Doch was hier oberflächlich betrachtet sinnvoll erscheint, ist meiner Ansicht nach ein Skandal.

Ständige Vernetzung moderner Autos sorgt für viele Probleme

Das eigentliche Problem liegt darin, dass neue Autos heute ständig mit dem Hersteller vernetzt sind und damit alle möglichen Daten und Bewegungsprofile gesammelt werden, ohne dass der Nutzer dem zugestimmt hätte. Mit diesen Daten lassen sich weitgehende Personenprofile entwickeln. Das wäre ein weiterer Schritt hin zum „gläsernen Bürger“, über den nahezu alles bekannt ist.

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Hinzu kommt, dass bei neuen Fahrzeugen nicht nur Daten gesammelt werden, sondern diese Fahrzeuge auch von außen kontrolliert werden können. So ist es möglich, sie aus der Ferne zu deaktivieren oder die Elektronik zu manipulieren, ohne dass der Nutzer darauf Einfluss hätte. In einem Krisenfall könnte damit ein Großteil des neueren Fahrzeugbestandes „auf Knopfdruck“ lahmgelegt werden.

Mit alten Autos bleiben Sie auch im Krisenfall mobil

Da das eigene Auto in einer Krise ein wichtiges Instrument zur Mobilität ist, empfehle ich Ihnen, heute schon auf Autos zu verzichten, die mit dem Hersteller vernetzt sind. Alternative dazu ist ein älterer Zweitwagen ohne kontrollierbare Elektronik – am besten ein Wagen ohne Wegfahrsperre, wie sie seit Mitte der 1990er Jahre Standard wurde.

Solche Fahrzeuge lassen sich nicht von außen manipulieren und sammeln auch keine Daten über Sie, sondern erfüllen ihren einfachen Zweck, Sie von einem Ort zum anderen zu bringen. In einem Krisenfall mit stillgelegten Fahrzeugen kann so ein alter Wagen mit seiner noch vorhandenen Mobilität und den damit verbundenen Möglichkeiten „Gold“ wert sein.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.