Umfeld für Immobilien bleibt gut

Das Umfeld für Immobilien ist angesichts der Wirtschaftslage und der weiter steigenden Mieten positiv. (Foto: kurhan / Shutterstock.com)

Investoren sollten bei der Auswahl von Indikatoren für die zukünftige Entwicklung von Gewerbeimmobilien besonders ein Auge auf die Liquidität haben.

Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle europäische Gewerbeimmobilien- Marktbericht der Immobiliengesellschaft PATRIZIA Immobilien. „Auch wenn zahlreiche Investoren sich verständlicherweise weiterhin auf die Zinsentwicklung und die Renditen fokussieren, gehen wir davon aus, dass die kommenden Quartale vor allem durch die Marktliquidität bestimmt sein werden“, so Dr. Marcus Cieleback, Leiter der Research-Abteilung der PATRIZIA Immobilien AG.

Umleitung der Kapitalströme erwartet

Hintergrund ist die Tendenz der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Die EZB hat ihre Netto-Anleihekäufe seit Januar 2018 von 60 Mrd. auf 30 Mrd. € pro Monat reduziert. Experten gehen davon aus, dass die Anleihekäufe ab Oktober auf Null heruntergefahren werden, also dass pro Jahr schätzungsweise rund 450 Mrd. € an Investitionen entfallen. Dies wird zunehmende Kapitalströme in den Anleihemarkt durch institutionelle Investoren nach sich ziehen, was zu Lasten anderer sicherer Kapitalanlagen wie Immobilien gehen könnte.

Angesichts der Tatsache, dass das Transaktionsvolumen an den Immobilienmärkten aufgrund der begrenzten Anlagemöglichkeiten deutlich unter der Nachfrage von institutionellen Investoren liegt, ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich die veränderten Kapitalströme 1:1 auf die Immobilienmärkte auswirken werden. Rückwirkungen auf das Transaktionsvolumen und somit auf die Preise in den Immobilienmärkten sind jedoch nicht auszuschließen.

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Insgesamt positives Marktumfeld

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Zinspolitik der EZB. Wir rechnen auch diesbezüglich derzeit nicht mit Verwerfungen an den Immobilienmärkten. Die Inflationsraten bewegen sich weiterhin im Zielkorridor der EZB, sodass weiterhin kein Druck für nennenswerte Zinserhöhungen besteht. Zudem dürfte die Zentralbank kein Interesse haben, die Wirtschaft durch deutlich höhere Zinsen unnötig abzuwürgen. Vor diesem Hintergrund gehen wir aktuell nicht davon aus, dass die Zinsen stark steigen werden. Eine ausbleibende oder kleine Zinssteigerung würde dagegen im Einklang mit der Niedrigzinspolitik bleiben und erscheint das wahrscheinlichere Szenario.

Zudem stellt sich das Umfeld für Immobilien angesichts der guten Wirtschaftslage und der weiter steigenden Mieten positiv dar. So dürfte die Nachfrage nach Immobilien weiterhin auf hohem Niveau bleiben. Die Preisentwicklung im Immobilienmarkt könnte zwar einen Dämpfer erhalten. Insgesamt betrachtet gehen wir jedoch von einem anhaltend positiven Branchenumfeld und weiter steigenden Preisen aus.

Einzelhandelsimmobilien verlieren an Attraktivität

Zurückhaltender sind wir für Einzelhandelsimmobilien gestimmt. Die zunehmende Digitalisierung und der Online- Handel wirken sich zunehmend auf die Entwicklung der Spitzenmieten aus. Selbst Toplagen in Innenstädten bleiben von den aktuellen Umwälzungen nicht verschont. So verzeichnete der Markt für Einzelhandelsimmobilien bereits das 2. Jahr in Folge rückläufige Investitionsvolumina. Das kriegen auch unsere Aktien zu spüren, die überwiegend in Einzelhandelsimmobilien investieren. Das senkt zwar die Kursaussichten, bietet aber auch Chancen für Dividendenjäger. Die Dividenden sehen wir derzeit nicht gefährdet.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.