Umlaufrendite Chart: Trendwende vorerst gescheitert

Vor 1 Woche hatte ich in meinem Beitrag „Charttechnik Umlaufrendite: Mittelfristige Trendwende in Sicht“ gute Chancen für eine Trendwende an den Zinsmärkten ausgemacht. Eine solche Trendwende hätte dem Aktienmarkt zusätzlich Impulse geben können. Dies hätte geschehen können,  wenn sich ein Teil der immensen Liquidität, die im letzten Halbjahr in den Rentenmarkt geflossen ist, attraktivere Renditechancen suchen würde und das beispielsweise am Aktienmarkt.

Nach der Entwicklung der letzten Tage zu urteilen, werden wir zumindest auf diese Unterstützung für den Aktienmarkt verzichten müssen. Denn die Trendwende am Rentenmarkt ist wohl für einige weitere Wochen auf Eis gelegt.  Die Umlaufrendite könnte historische Tiefpunkte erreichen.

Mickrige Renditen für Ihr Geld

Dazu schauen wir gleich gemeinsam auf den Chart der Umlaufrendite. Zur Erinnerung: Hinter dem Begriff Umlaufrendite verbirgt sich die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, deutschen festverzinslichen Anleihen erster Bonität, also vor allem Staatsanleihen. Die Laufzeiten der für die Berechnung herangezogenen Anleihen reichen von 3 bis 30 Jahren.

Um Ihnen einmal einen Eindruck zu vermitteln, in welchen Größenordnungen sich die Renditen innerhalb dieser Laufzeitenskala bewegen, hier ein paar Beispiele: So brachten Ihnen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 3 bis 5 Jahren gestern eine Rendite von jährlich 1,14%.Bei einer Laufzeit von 9 bis 10 Jahren erhalten Sie pro Jahr 2,40% Zinsen für Ihr Geld.

Wenn Sie Ihr in Anleihen investiertes Geld 15 bis 30 Jahre entbehren können / wollen, wird Ihnen dies mit einer sagenhaften Jahresrendite von 3,13% „versüßt“.

Der Zinstreiber: Sicherheit

Sie werden mir sicherlich Recht geben, wenn ich behaupte, dass dies nicht gerade attraktive Renditen sind. Also muss es noch einen anderen Grund dafür geben, warum sich Investoren mit derart mickrigen Renditen zufrieden geben. Und dieser Grund ist der Sicherheitsaspekt.

Viele Investoren fürchte(te)n sich angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise vor einem Zusammenbruch der Aktien- und teilweise der Anleihenmärkte, ja sogar der Devisenmärkte.

Als die Verschuldungskrise vieler Euro-Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien zu eskalieren drohte, flüchteten Anleger aus Anleihen dieser Staaten.  Sie waren besorgt, dass sie ihr eingesetztes Kapital nur noch zu einem Teil oder gar nicht zurückbekommen werden .

Stattdessen investierten sie ihr Kapital lieber in Anleihen von Staaten, bei denen sie sich „sicher“ fühlen – beispielsweise in deutsche Staatsanleihen. Dieser Schritt hatte katastophale Folgen.

Die Rendite für deutsche Anleihen sank nämlich aufgrund der extremen Nachfrage auf historische Tiefstände. Exakt dieses Schema hat sich in dieser Woche wiederholt: Die US-Notenbank äußerte sich sehr skeptisch über die Lage der US-Wirtschaft.

Daraufhin stürzten sich die Anleger erneut auf Anleihen und trieben die Renditen in den Keller. Die Rendite für 10-jährige deutsche Anleihen sank bereits auf ein neues Rekordtief von 2,38%.

Exkurs: 10-jährige Bundesanleihen

Als alter „Investmenthase“ können Sie den folgenden Abschnitt auch überspringen. Andernfalls möchte ich Ihnen einmal kurz aufzeigen, warum ich immer gerne von „vermeintlicher Sicherheit“ spreche, die Anleger mit einem Anleihe-Investment an einem historischen Rendite-Tiefpunkt erreichen.

Dazu ein Beispiel: Wenn Sie heute Geld in eine 10-jährige Bundesanleihe investieren, die Ihnen exakt pro Jahr 2,38% Verzinsung erbringt, dann kaufen Sie diese Anleihe heute zu einem Kurs von 100% und bekommen nach 10 Jahren 100% Ihres Kapitaleinsatzes zurück. Soweit, so gut. Problematisch wird es nur, wenn Sie zwischenzeitlich einmal Ihr Geld benötigen.

Dann verändert sich nämlich der Kurs der Anleihe entsprechend der aktuellen Renditeentwicklung. Klettert die Rendite beispielsweise auf 3,67% (so hoch war sie beim letzten Hoch im Juni 2009), dann können Sie Ihre Anleihe nach 1 Jahr nur noch zu einem Kurs von 90,26% verkaufen.

Sie würden also 9,74% abzüglich einer erhaltenen Jahresverzinsung von 2,38% = 7,36% Ihres Kapitaleinsatzes einbüßen.Bei einem Renditeanstieg auf 4,50% erhielten Sie gar nur noch 84,59% zurück – Sie verlören 13,03% (15,41% minus 2,38%) Ihres Kapitaleinsatzes. Soviel zum Thema „sicherer Hafen“ Anleihen!

Umlaufrendite: Trendwende gescheitert

Schauen wir nun auf den Chart der Umlaufrendite.

Umlaufrendite: Trendwende gescheitert

In dem oben genannten Beitrag lautete mein Fazit: „Ein weiteres Indiz wird uns in den kommenden Tagen das Verhalten der Umlaufrendite an der 50-Tagelinie (gelber Kreis) bieten: Sie notiert nämlich erstmals seit Januar 2010 für einen längeren Zeitraum oberhalb dieses Gleitenden Durchschnitts. Fungiert die 50-Tagelinie nun als Unterstützung, dann verstärkt dies die Einschätzung einer mittelfristigen Trendwende bei den Zinsen.“

Genau diese Unterstützungsfunktion konnte die 50-Tagelinie nicht leisten (gelber Kreis). Tatsächlich notiert die Umlaufrendite mit 2,09% erneut an dem im Juni erreichten historischen Tiefpunkt (pinkfarbene Linie). Das 50-Tage-Momentum scheiterte zum x-ten Mal an der seit September 2009 aktiven Widerstandslinie und durchbrach überdies auch noch die im Juli etablierte Aufwärtstrendlinie.

Die Umlaufrendite dürfte sich daher wohl schon bald der Rendite 10-jähriger Anleihen anschließen und ebenfalls neue historische Tiefs markieren.

Schade: Ein wenig Anschub von der Anleiheseite hätte dem Aktienmarkt sicherlich gut getan. So werden wir auf diesen Anschub wohl noch etwas länger warten müssen.

13. August 2010

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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