Umwälzende Forderung: Eine Neugründung Europas

Das Flüchtlingsthema beschäftigt die Medien in ganz Europa. Daher treten andere wichtige Nachrichten in den Hintergrund.

So haben wir Ihnen aufgezeigt, dass der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron eine „Neugründung Europas“ will. Und das aus gutem Grund.

Die Selbstzerstörung Europas

Und wissen Sie, was Macron noch gesagt hat? Halten Sie sich fest, bevor Sie weiterlesen.

Macron: „Der Status Quo führt in die Selbstzerstörung. Die Fliehkräfte sind zu groß, politisch wie ökonomisch.“

Führen Sie sich diese drastische Aussage noch einmal vor Augen.

Denn damit sagt der französische Wirtschaftsminister nicht mehr und nicht weniger, als dass sich die Union am Festhalten der bisherigen EU-Politik selbst zerstören wird. Und zwar politisch wie auch ökonomisch.

Neugründer oder Totengräber

Macron wird aber noch deutlicher. So stellt er polemisch die Frage, ob wir die „Neugründer Europas“ sein wollen, oder seine „Totengräber.“

So klar und deutlich hat hierzulande noch kein Politiker gesprochen. Oder erinnern Sie sich daran, dass Merkel oder Gabriel jemals etwas in dieser Richtung verlauten ließen? Wohl kaum.

Alternative: Die EU-Wirtschaftsregierung

Aber was für Alternativen gibt es denn, werden Sie sich nun fragen? Der französische Wirtschaftsminister hat auch davon klare Vorstellungen.

So soll in der Euro-Zone eine Wirtschaftsregierung etabliert werden

Samt einem Euro-Kommissar, der die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der 19 Euro-Währungsländer koordiniert. Dieser soll weitreichende Kompetenzen erhalten. Eine Art Euro-Finanzminister also.

Mehr Geld für mehr Europa

Und natürlich soll ein solcher EU-Finanzminister auch mehr Finanzmittel bekommen. Für was?

Um die EU-Mitgliedsländer vor weiteren Finanzschocks zu schützen. Und in den Krisenländern vermehrt Investitionen zu fördern.

Wissen Sie, was das im Klartext heißt? Nichts anderes als eine Transferunion.

Das heißt für den deutschen Steuerzahler, dass er noch mehr berappen soll als bisher. Also Sie.

Die Starken sollen den Schwachen helfen

So erklärt Emmanuel Macron unverblümt, wie die Neugründung Europas aussehen soll.

Die Starken müssen helfen. Damit meint er natürlich die wirtschaftlich starken EU-Länder. Allen voran Deutschland.

Denn ohne Finanzausgleich, würde es auch keine Währungsunion geben. Wenn die Mitgliedstaaten dazu nicht bereit wären, könne man den Euro und die Eurozone vergessen.

EU-Reform bis 2019

Dieser radikale Schnitt, hin zu einer Neugründung Europas, soll mit einer Reform bis spätestens 2019 in einem neuen EU-Vertrag verankert werden.

Bis dahin soll Europa auf einem besseren Fundament stehen. Dafür soll schon jetzt der bisherige EU-Vertrag auf die Änderungen vorbereitet werden.

9. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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