Umworbene K+S: Potash mit frühzeitigen Geständnissen

Was für eine unerwartete Wende im Ringen um einen Schulden-Kompromiss zwischen Griechenland auf der einen und der „Troika“ auf der anderen Seite. Völlig überraschend wurden die Verhandlungen von der griechischen Seite abgebrochen.

Damit rückt das Thema Staatsbankrott in unmittelbare Nähe und sorgt für Turbulenzen am Aktienmarkt. Nachdem die Kurs in Asien purzelten, herrschte auch in Europa zu Handelsbeginn starker Abgabedruck.

Im weiteren Handelsverlauf stabilisierten sich jedoch die Indizes und konnten einen großen Teil der Verluste wieder aufholen. Zum Tagesschluss lag der deutsche Leitindex DAX zwar noch 3,6% im Minus – doch wurden düsterste Prognosen heute nicht wahr.

Es hatte schon fast den Anschein, als würde Rationalität herrschen. Nervosität wegen eines externen Schock: Ja! – Flächenbrand mit Euro-Aus: Nein!

Nervös und nicht panisch waren die Anleger auch am Anleihenmarkt. Wenig überraschend legten die Renditen in der Euro-Peripherie zu. Spanische und italienische Anleihen verteuerten sich um rund 0,5%. Erwartungsgemäß runter ging es mit den deutschen Bundis. Nach der „quasi-implosion“ vor wenigen Wochen stieg die Rendite so schnell wie zuletzt 2011.

Dieses Mal ist die Situation jedoch ganz anders wie die spanischen und italienischen Politiker wissen ließen und auch die heutigen Bewegungen sind kein Grund, um in den Panik-Modus zu wechseln.

Steigende Unsicherheit auch schlecht für das Übernahme-Geschäft

Wenn die Unsicherheit steigt, wollen die Investoren eine höhere Risiko-Prämie. Daher fallen die Aktienkurse, wenn die Prognose-Güte zur Unternehmensentwicklung abnimmt. Am Anleihenmarkt wollen die Investoren demzufolge mehr Zins. Wie auch bei Privat-Krediten, gilt am Anleihenmarkt: Je solventer der Kunde, desto günstiger der Zins.

Was für Aktienmarkt und Anleihenmarkt gilt, gilt auch für den Übernahme-Markt. Käufer bieten bei hoher Unsicherheit weniger, kaufen erst gar nicht, oder stellen ihre Pläne zurück. Sollte also im Zuge der Griechenland-Krise die Unsicherheit für Europa über Monate hinaus hoch bleiben (was nicht zu erwarten ist!) dann wird auch das Übernahme-Volumen rückläufig sein.

K+S: Vorzeitige Potash-Zugeständnisse noch vor dem Beginn von Übernahme-Verhanldungen

Ausgenommen davon sind natürlich bereits laufende Deals. Und ganz heiß ist dabei das Übernahme-Interesse von der kanadischen Potash of Saskatchewan am Kasseler Düngemittel-Spezialisten K+S.

Am vergangenen Freitag hat Ihnen der Übernahme-Sensor von der womöglich ersten Übernahme eines DAX-Kandidaten seit 2005. Dabei wurde auf diverse Übernahme-Hemmnisse eingegangen.

Wie bestellt, hat Potash nun weitere Details zu den Übernahme-Plänen mitgeteilt und konnte damit einige Fragen beantworten.

Kolportiertes Angebot rund 60% über 12-Monats-Durchschnittskurs

Insider berichten, dass die Übernahme-Ambitionen von Potash nicht vollkommen überraschend sind. Bereits im Februar sollen sich die Firmenchefs getroffen haben, um die Möglichkeit eines Zusammenschlusses zu besprechen.

Jetzt macht Potash ernst und möchte Übernahme-Verhandlungen beginnen. Um die Ernsthaftigkeit des Interesses zu untermauern, soll angeblich ein Preis von 41 Euro je Aktie in Aussicht gestellt worden sein.

Das würde K+S mit knapp 8 Mrd. Dollar bewerten – eine Bewertung, welche die Kasseler zuletzt 2013 sahen, in einer Zeit, als der Kali-Preis vom russisch-weißrussischem Kali-Kartell bestimmt wurde.

Jetzt ist die Preisprognose schwierig und das Angebot rund 60% über dem 12-Monats-Durchschnittskurs. Zumindest augenscheinlich scheint die Offerte großzügig – wenngleich einschränkend gesagt werden muss, dass die Höhe der Prämie allein kein Indikator für einen fairen Preis ist.

Wettbewerbsbehörden könnten Stolperstein werden

Dass K+S dennoch nicht direkt zusagt, ist nicht ungewöhnlich. Es muss viel geprüft werden. Welche Auswirkungen hat der Deal auf die Zukunftsperspektive des Unternehmens und auf die Belegschaft? Wieviel kann ich noch vom Bieter rauskitzeln? Das sind dabei sehr wichtige Fragen, auf die es nicht einfach so eine Antwort gibt.

Dementsprechend heißt es heute aus der Konzernzentrale: Abwarten. Entscheidung steht noch aus.

Potash kennt die Fragen der Kasseler und ist am Wochenende auf wichtige Punkte zum Gebot eingegangen. Kassel soll europäisches Hauptquartier werden teilten die Kanadier mit. Arbeitsplatzgarantien für die Belegschaft wurden draufgelegt. Dazu noch Lobeshymnen auf das hoch-attraktive Salzgeschäft, das selbstverständlich nicht abgestoßen wird.

Damit zeichnet sich ab, dass Potash keine Zerschlagung nach der Übernahme anstrebt. Offenbar hat es Potash auf den Platz an der Branchenspitze abgesehen, zusammen mit einer starken K+S. Inklusive der für deutsche Verhältnisse rekordverdächtigen Übernahme-Prämie könnte das der Beginn von Übernahme-Verhandlungen werden.

Doch sicher ist natürlich gar nichts. Insidern zufolge will K+S mehr Geld – und auch die Wettbewerbsbehörden müssten noch überzeugt werden. Es bleibt also spannend.

29. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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