Und noch ein Biotech-Prämienhammer: Alexion zahlt 70% Aufschlag für Wilson

Im Biotech-Bereich sitzen die dicksten Übernahme-Prämien. Heute sind es 70% für Wilson-Aktionäre. (Foto: totojang / shutterstock.com)

Erst am Montag hatte ich Ihnen von der hohen Übernahme-Prämie bei der Avexis-Übernahme geschrieben – schon folgt der nächste rekordverdächtige Aufschlag bei einem Biotech-Übernahme-Kandidaten.

Alexion, selbst als Übernahme-Kandidat gehandelt und Position in meinem Börsendienst AmericanTargets (keine Kaufempfehlung!), bietet den Aktionären des schwedischen Biotech-Unternehmens Wilson Therapeutics eine 70%-Prämie auf den Aktienkurs.

Der Deal hat einen Gesamtwert von 855 Mio. Dollar und ist Teil der Alexion-Strategie, im Feld für seltene Krankheiten weiter zu wachsen. Alexion will die Übernahme im zweiten Quartal abschließen und da bereits über 70% der Wilson-Investoren  dem Angebot zugestimmt haben, wird der Deal auch reibungslos über die Bühne gehen.

Biotech: High Risk – High Reward

Vielleicht fragen Sie sich, wie es kommt, dass ausgerechnet im Biotech-Sektor die Übernahme-Prämien so hoch ausfallen? Nun, der Grund ist recht einfach: Der Biotech-Sektor ist auch riskant. Zeigt sich, dass ein Wirkstoff es nicht bis zur Medikamentenzulassung schaffen wird, dann drohen erhebliche Verluste.

Da das höhere Risiko nicht von allen Investoren getragen werden will, notieren die Aktien teilweise sehr weit unter dem, was das Unternehmen im Falle eines Forschungserfolgs wert ist.

Die Kursentwicklung hängt daher auch immer vom Forschungsfortschritt ab. Hat ein Wirkstoff gute Forschungsergebnisse erzielt und kommt der Zulassung näher, dann steigt auch der Aktienkurs.

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Übernahme-Preis hängt nicht vom Aktienkurs ab

Pharma-Unternehmen können das Potenzial einer Forschungspipeline in der Regel deutlich besser abschätzen als Investoren. Sie gewichten das Restrisiko eines Misserfolgs anders und können daher auch mehr zahlen.

Wie viel ein Käufer für den Biotech-Übernahme-Kandidaten auf den Tisch legt, hängt aber nicht vom Aktienkurs ab, sondern in erster Linie davon, welches Umsatzpotenzial die Forschungspipeline aus Käufersicht hergibt.

Sind die Biotech-Aktienkurse gerade aufgrund einer schlechten Branchenstimmung tiefer (sentiment), fällt die Prämie eben höher aus.

10 Tipps für Ihren Biotech-Übernahme-Kandidaten

Wenn Sie Biotech-Übernahme-Kandidaten identifizieren möchten, sollten Sie unbedingt einige wichtige Aspekte beachten, um Ihre Gewinnchancen zu erhöhen. Im Idealfall haben Sie Biochemie oder Biotech studiert.

Da das auf die meisten Leser nicht zutreffen dürfte – auch ich bin höchstens Biotech-Kenner – helfen folgende Tipps:

  • Kaufen Sie keine Aktien von Biotech-Unternehmen, dessen Erfolg von nur einem Wirkstoffträger abhängt! Achten Sie darauf, dass die Forschungspipeline breit gestreut ist.
  • Achten Sie darauf, dass bereits erste Wirkstoffe in späten klinischen Phasen (2/3) sind. Wenn es bis zur Medikamentenzulassung noch ein weiter Weg ist, dann ist auch das Risiko höher.
  • Meiden Sie (ohne Kenntnis) kleine Biotech-Buden mit einer Marktkapitalisierung von unter 100 Mio. Dollar.
  • Lassen Sie sich nicht von Biotech-Unternehmen und Lobbyisten „einlullen“. Vieles hört sich auf den Unternehmensseiten oder in Pressemeldungen sehr heiß an – ist am Ende dann aber nur lauwarm.
  • Achten Sie auf „smart money“. Schauen Sie, ob vielleicht namhafte Biotech-Beteiligungsgesellschaften wie BB Biotech oder einschlägige Profis wie die Baker-Brüder investiert sind und ob vielleicht zuletzt zugekauft wurde.
  • Achten Sie darauf, dass das Unternehmen genug Cash für die Forschung hat und/oder namhafte Kooperationspartner.
  • Achten Sie auf mögliche Konkurrenten bei der Forschung. Wenn zwei Biotech-Unternehmen das gleiche wollen, hat einer vermutlich das Nachsehen, weil das Medikament des anderen überlegen oder schneller am Markt ist.
  • Übernahme-Jäger achten besonders darauf, dass ein oder mehrere Medikamente kurz vor der Marktreife stehen. Dies ist das Zeitfenster in dem Pharma-Konzerne zuschlagen.
  • Übernahme-Jäger achten auf Biotech-Unternehmen, die sich auf die Krebsforschung spezialisiert haben. In dem Bereich griffen die Pharma-Konzerne zuletzt besonders gerne zu.
  • Als Übernahme-Jäger lesen Sie Analystenmeinungen zum Umsatzpotenzial eines Medikaments. Dies gibt Ihnen eine grobe Richtlinie, wo der Übernahme-Preis landen könnte.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.