Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Under Armour: Adidas-Rivale im Rückwärtsgang

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Ein enttäuschender Fünfjahresplan sorgt für Kursrückgang bei Under Armour. Der Konkurrenzkampf im Heimatmarkt setzt sich ungebremst fort. (Foto: Sorbis / Shutterstock.com)

Das hat gesessen. Gerade hat der US-Sportartikelhersteller seinen neuen Fünfjahresplan präsentiert, der den Anlegern so gar nicht geschmeckt hat. Zugleich gab der Adidas-Rivale bekannt, auf Grund des anhaltenden Zollstreits deutlich weniger Produkte in China fertigen zu lassen.

Damit bekommt die Turnaround-Story langsam Risse. Immerhin hatten sich die Under Armour-Papiere seit Februar zwischenzeitlich im Wert verdoppelt. Die jüngsten Meldungen quittieren die Anleger jedenfalls mit kräftigen Abverkäufen. In den vergangenen Tagen purzelten die Papiere von 24 Dollar unter die 20 Dollar-Marke. Damit notiert die Aktie rund 60% unter ihrem Allzeithoch, das im Herbst 2015 bei 52 Dollar erreicht wurde.

Under Armour im Portrait

Das Unternehmen wurde im Jahr 1996 von Kevin Plank im Keller des Hauses seiner Großmutter in Washington, D.C. gegründet. Der damals 23-jährige Plank war College-Football-Spieler und fand die Kleidung seines Teams unzureichend. Mit einem Startkapital von 17.000 Dollar, die er als Blumenlieferant während seines Studiums verdient hatte, entwickelte er ein Funktions-Shirt und gründete Under Armour. 2005 ging Under Armour an die Börse.

Ursprünglich als reine Marke für Kampfsportbekleidung und Thermo-Sportunterwäsche unter Trikots, in Sportarten wie Baseball und Basketball, und für Shoulderpads (American Football, Eishockey, Lacrosse etc.) entwickelt, gibt es von Under Armour mittlerweile auch Freizeit-T-Shirts, -Hosen, -Schuhe und -Kappen.

Wachstumsstory mit Rissen

Mit seiner Positionierung ritt der Konzern in den vergangenen Jahren auf einer Erfolgswelle. Sie müssen wissen: Die Umsätze explodierten regelrecht von 115 Millionen Dollar in 2003 bis auf 4,97 Milliarden Dollar im zurückliegenden Geschäftsjahr. Allerdings schmolz die Gewinnmarge in den letzten Jahren deutlich zusammen. Seit 2012 bröckelten die Marge von 7,02% bis auf 5,33% in 2016 ab. Im letzten Jahr musste Under Armour sogar einen Verlust in Höhe von 48 Millionen Dollar ausweisen.

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Enttäuschender Fünfjahresplan

Jetzt rechnet Sportartikelhersteller laut Aussagen auf seiner Kapitalmarktveranstaltung erst ab 2020 mit einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auf Umsatzebene ist die Trendwende wohl erst 2023 in Sicht. Dann soll wieder ein niedrig zweistelliges Wachstum erzielt werden.

Für 2019 setzt der Konzern auf einen Umsatzzuwachs von 3-4% und liegt damit unter den Erwartungen der Analysten. Für Sie zum Vergleich: Die Experten waren bislang von einem 5%-igen Umsatzanstieg ausgegangen. Auch bei den Gewinnerwartungen konnten die Markterwartungen nicht getroffen werden. Mit 31 bis 33 Cent Gewinn je Anteilsschein liegt der Konzern deutlich unter den Konsensschätzungen von 35 Cent.

Grund dafür sind die Schwierigkeiten, denen das Unternehmen im amerikanischen Markt begegnet. Aufgrund der starken Konkurrenz von Nike und Adidas gelingt es Under Armour in seinem umsatzstärksten Markt nur mit Mühe, neue Marktanteile zu erobern.

Onlineabsatz gewinnt an Bedeutung

Dabei soll zukünftig auch immer mehr an Geschäft über das Internet laufen. Bis 2023 sollen 28% der Gesamterlöse über den digitalen Verkaufskanal erzielt werden. Das sind 4 Prozentpunkte mehr als in diesem Jahr.

Fazit: Zweifellos war die Entwicklung von Under Armour in den letzten 15 Jahren beeindruckend. Doch mittlerweile ist die Firma in einen Bereich vorgestoßen, wo weitere Marktanteilsgewinne nicht mehr so leicht von der Hand gehen. Die enttäuschende Prognose und die weiterhin sportliche Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis >60 für 2019) dürften daher den Kritikern in die Hände spielen. Fans der Aktie verweisen auf die angepeilten Margensteigerungen in den nächsten Jahren, wodurch sich ein Teil der hohen Bewertung wieder relativieren könnte. Welches Lager Recht behält, wird sich erst in den nächsten Quartalen zeigen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.