Unilever: Konsumgüter-Riese setzt auf boomenden Schönheitsmarkt Asiens

Konsumgüter-Hersteller Unilever, der vor Kurzem selbst fast zum Opfer einer Übernahme wurde, schaltet nun selbst in den Angriffs-Modus um: (Foto: monticello / Shutterstock.com)

Erst wenige Monate ist es her, da drohte Unilever selbst zum Opfer einer Übernahme zu werden.

Immerhin hatten es mit der Investoren-Legende Warren Buffett und dem Ketchup-Hersteller Heinz Kraft 2 richtige Schwergewichte auf den Konsumgüter-Spezialisten abgesehen.

Nach dem abgeblasenen Deal schaltet Unilever selbst in den Angriffs-Modus und wird mit Zukäufen aktiv.

Mit dem gerade gemeldeten Milliardendeal wollen sich die Niederländer vor allen Dingen auf dem asiatischen Markt für Schönheits-Produkte positionieren.

Teurer Zukauf

Für den südkoreanischen Kosmetik-Hersteller Carver Korea greift Unilever tief in die Schatulle.

Immerhin muss der Axe-Hersteller für den Zukauf stolze 2,3 Mrd. € auf den Tisch blättern – eine Menge Holz für eine Firma, die gerade einmal 321 Mio. € Umsatz erzielt hat.

Unilever konzentriert sich mit dem Zukauf noch stärker auf seine Kosmetik-Sparte, zu der bereits jetzt Marken wie Dove, Axe und Rexona gehören.

Schönheits-Produkte laufen wie geschnitten Brot

Auch wenn der Deal auf den 1. Blick teuer aussieht, Analysten halten ihn grundsätzlich für sinnvoll. Denn Produkte aus Südkorea erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Carver zeigt mit seinen rund 1.000 Hautpflege-Produkten ordentliche Zuwächse.

Die bekannteste Marke von Carver ist AHC, unter deren Label Feuchtigkeits-Crèmes und Sonnenmilch verkauft werden.

Die Südkoreaner bringen ihre Waren im Heimatmarkt, in China und den USA über Home-Shopping-Kanäle, Läden, Duty-Free-Filialen und Online-Plattformen zu den Kunden.

Laut Unilever verfügt Carver über das am schnellsten wachsende Hautpflege-Geschäft in Südkorea.

Da mittlerweile 35% der Verkäufe nach China gehen, positioniert sich Unilever in einem der wachstumsstärksten Schönheitsmärkte weltweit.

Nischen-Produkte sorgen für zusätzliches Wachstum

Neben dem Milliardendeal kündigte Unilever vor wenigen Tagen einen weiteren Zukauf an:

Der Konsumgüter-Gigant schluckt Pukka Herbs, den britischen Anbieter von Biotee und Gesundheits-Präparaten.

Für Unilever schließt sich mit dem Kauf von Pukka eine Lücke im Tee-Angebot.

Laut den Analysen von Euromonitor ist Pukka weltweit der am schnellsten wachsende Bio-Hersteller für Tee. Zuletzt erzielte Pukka einen Umsatz von 30 Mio. Pfund.

Unilever: Attraktivität der Aktie soll erhöht werden

Nach dem abgeblockten Übernahme-Versuch will Unilever die Attraktivität des Konzerns für Anleger steigern:

Neben einer um 12% höheren Quartals-Dividende setzt die Gesellschaft zusätzlich auf Aktienrückkäufe.

Zugleich will sich der Konzern von renditeschwachen Unternehmens-Bereichen trennen:

Das Margarine-Geschäft wurde gerade nach Südafrika verkauft, die Bereiche Lebensmittel und Erfrischungen zusammengelegt, und es wird auf die Kostenbremse getreten.

Ziel ist es, bis 2020 die Kosten um 6 Mrd. € zu senken und die operative Marge von 16,4 auf 20% zu steigern – allerdings ohne Berücksichtigung der Umbaukosten in Höhe von rund 3,5 Mrd. €.

Die Anleger freut offenbar die neue Stoßrichtung, immerhin haben sich die Maßnahmen bereits im Aktienkurs niedergeschlagen:

Seit Jahresbeginn konnten die Unilever-Papiere bereits um 25% an Wert zulegen.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.