Uniper: Nord Stream 2 als Damoklesschwert

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Der Energiekonzern hat gute Zahlen vorgelegt, warnt aber vor einem Scheitern des Pipeline-Projekts Nord Stream 2. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Gestern schaffte der DAX – zumindest zwischenzeitlich – den Sprung über die Marke von 13.000 Punkten. Dazu gab es eine Reihe positiver Unternehmensmeldungen. Eine davon war der Halbjahresbericht von Uniper.

Prognose angehoben

Der Energiekonzern mit Sitz in Düsseldorf – spezialisiert auf Produktion und Handel mit konventioneller Energie – hob gestern seine Prognosen für das Gesamtgeschäftsjahr an. Nach einem guten ersten Halbjahr erwartet das Unternehmen nun ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) zwischen 800 Mio. Euro und 1 Mrd. Euro.

Zuvor lag die untere Grenze noch bei 750 Mio. Euro. Damit, so wurde betont, unterstreicht der Konzern auch seine Stärke in der Krise. Auch beim bereinigten Konzernüberschuss konnte das Management seine Erwartungen nach oben schrauben: Der Gewinn soll zwischen 600 und 800 Mio. Euro liegen – bislang wurden hier lediglich 550 Mio. Euro prognostiziert.

Nord Stream 2 sorgt für Unsicherheit

Dass die Aktie dennoch an einem sonst sehr erfreulichen Börsentag Schwäche zeigte, lag an einer weiteren Nachricht: Der an der Finanzierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligte Energiekonzern schließt inzwischen ein Scheitern dieses Projekts nicht mehr aus.

Da die USA ihre Anstrengungen intensiviert hätten, Sanktionen gegen die Gasleitung von Russland nach Deutschland durchzusetzen, könnte es hier möglicherweise zu einem Stopp kommen. Sollte dieser tatsächlich eintreten, müsse Uniper “den gestellten Kredit und ausgezahlten Kredit wertberichtigen”. Uniper ist mit 950 Millionen Euro an der Finanzierung der Gasleitung beteiligt.

Unsicherheiten zählen gerade zu den Dingen, die an der Börse für eine Stimmungseintrübung sorgen, die sich dann in Minuszeichen der betroffenen Aktie zeigen.

Erfolgreiches erstes Halbjahr

Dennoch kann sich das abgelaufene erste Halbjahr durchaus sehen lassen: So lag das bereinigte Ebit nach den ersten 6 Monaten bei 691 Mio. Euro nach 308 Mio. im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg von 189 Mio. im ersten Halbjahr des Vorjahres auf nun 527 Mio. Euro.

Zuwächse – trotz Coronakrise

Diese Zahlen stellen einmal mehr unter Beweis, dass viele Unternehmen doch recht gut durch die Krise kommen und die Anhebungen der Prognosen deuten an, dass die Erholung möglicherweise schneller vorangehen kann, als bislang vermutet.

Moderate Bewertung der Aktie

Fundamental erscheint die Uniper-Aktie derzeit günstig bewertet. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16, verbunden mit einer Dividendenrendite von mehr als 4% sehen auf den ersten Blick sehr gut aus

Damoklesschwert Nord Stream 2

Die weitere Entwicklung der Aktie dürfte vor allem von neuen Nachrichten bezüglich des Pipeline-Projekts Nord Stream 2 abhängen. Bei negativen Nachrichten könnte es schnell mit dem Kurs abwärts gehen. In Anbetracht eines solchen Damoklesschwertes rate ich Ihnen dazu, sich auf Aktien mit besserem Chance/Risiko-Verhältnis zu konzentrieren.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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