United Internet: Aktie nach Geschäftszahlen auf Tauchstation

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Deutscher Internetkonzern nach Zahlen unter Druck. Investitionen sollen ansteigen. Analysten wittern verschärften Wettbewerb im Mobilfunkbereich (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Kräftig in den Keller ging es vergangene Woche mit der Aktie des Internet- und Mobilfunkanbieters United Internet aus Montabaur. Nach den vorgelegten Geschäftszahlen und dem präsentierten Ausblick ließen die Anleger die Papiere fallen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel. Trotz Rekordzahlen verlor die Aktie mehr als 1 Milliarden Euro an Börsenwert.

United Internet – Europas Internet Spezialist

United Internet bezeichnet sich als den führenden europäischen Internet-Spezialisten. Das Unternehmen tritt mit seinen zwei Geschäftssegmenten “Access” und “Applications” am Markt auf. Das Segment “Access” fasst Schmalband-, Breitband- und Mobile-Access-Produkte einschließlich der damit verbundenen Anwendungen zusammen.

Im Segment “Applications” wird das gleichnamige Geschäft betrieben, das durch Werbung bzw. Abonnenten finanziert wird. Der Konzern ist mit seinen Kerngesellschaften weltweit in mehr als zehn Ländern aktiv, betreut mehr als zehn Millionen Kunden und hat Zugriff auf zig-Millionen werbefinanzierte Free-Mail-Accounts.

TEC-DAX-Konzern meldet kräftiges Gewinnplus

An den gerade präsentierten Zahlen hat der jüngste Kursabschwung sicher nicht gelegen. Denn die konnten sich durchaus sehen lassen. Während die Umsätze auf 4,2 Milliarden Euro (+10,5%) anstiegen, kletterte das operative Ergebnis sogar um 17,3% auf fast 980 Millionen Euro. Auch die Anzahl der Kundenverträge entwickelte sich ausgesprochen erfreulich. Mit einem Plus von 6,1 Millionen erreichte United Internet ein neues Rekordniveau – mittlerweile verwaltet das Unternehmen 22,89 Millionen Verträge.

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Drillisch-Übernahme sorgt für Rückenwind

Das satte Plus im vergangenen Geschäftsjahr war vor allem auf die Übernahme des kleineren Rivalen Drillisch zurückzuführen. Der Mobilfunkanbieter aus dem hessischen Maintal, bekannt für Marken wie Yourphone und Smartmobil.de, verbesserte seine Erlöse um beinahe 16% auf knapp 3 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis zog unterdessen um mehr als ein Drittel auf 532 Millionen Euro an.

Auch wenn der Abstand zur Telekom, Vodafone und O2 weiterhin groß ist – durch den Drillisch Deal hat sich United Internet den vierten Platz auf dem deutschen Mobilfunkmarkt gesichert. Sie müssen wissen: Im Gegensatz zur großen Konkurrenz hat United Internet kein eigenes Netz, sondern muss sich die Dienste bei den Wettbewerbern mieten.

Wenn gut nicht gut genug ist

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Firmenchef Ralph Dommermuth eine anhaltend hohe Wachstumsdynamik. Konkret peilt Dommermuth ein Umsatzplus von 25% auf 5,2 Milliarden Euro an. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll dabei auf gut 1,2 Milliarden Euro nach oben klettern. Dabei haben einige Details den Anlegern aber offenbar nicht geschmeckt. So will Dommermuth die Subventionen für Smartphones auf 300 Millionen Euro verdoppeln. Einzelne Analysten erwarten jetzt, dass dies den Preiswettbewerb auf dem deutschen Markt verschärfen wird.

Auch mit der Dividendenentwicklung sorgte United Internet für Enttäuschung. Zwar sollen die Ausschüttungen leicht von 0,80 auf 0,85 angehoben werden. Doch das liegt unter den Erwartungen der Analysten (0,90 Euro). Bei der Tochtergesellschaft Drillisch soll die Dividende sogar von 1,80 auf 1,60 Euro je Anteilsschein gekürzt werden.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.