United Internet: Was die Übernahme von Drillisch bedeutet

Das Angebot liegt auf dem Tisch; United Internet will Drillisch übernehmen. Die Aktien beider Unternehmen schießen in die Höhe. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der deutsche Mobilfunkmarkt hat aufregende Jahre hinter sich – und wohl auch noch vor sich.

D2 Mannesmann wurde zu Vodafone, Viag Interkom vom spanischen Anbieter Telefonica geschluckt und in o2 umbenannt.

Beides liegt schon lang zurück. Es waren erste Konsolidierungs-Schritte auf dem damals noch recht jungen Markt.

Bewegung am Mobilfunkmarkt

Der letzte größere Deal war der Zusammenschluss der beiden kleineren Anbieter o2 und E-Plus, die unter der Dachmarke Telefonica zusammengefasst wurden.

Die Wettbewerbs-Hüter stimmten seinerzeit nur unter bestimmten Bedingungen dieser Übernahme zu.

Eine davon war, dass ein Teil der Netzkapazitäten einem weiteren Anbieter zugänglich gemacht werden muss, um eine zu starke Wettbewerbs-Konzentration zu vermeiden.

Der Zuschlag ging an Drillisch, einen damals noch weniger bekannten Anbieter, der keine eigenen Netze betreibt, sondern lediglich Lizenzen erwirbt und weitergibt.

Nach dem Deal, der Drillisch Zugriff auf bis zu 20% der hiesigen Netzkapazitäten von o2 gewährt, konnte der Konzern mit Marken wie Yourfone oder Smartmobil seinen Kundenstamm erheblich erweitern und kommt inzwischen auf gut 3,6 Mio. Handy-Verträge.

United Internet will Drillisch schlucken

Der Erfolg ruft nun Interessenten auf den Plan:

Konkret will United Internet, Telekommunikations-Firma mit Sitz in Montabaur und mit einem Anteil von zunächst 20% bereits jetzt Großaktionär bei Drillisch, den Mobilfunk-Anbieter ganz übernehmen und mit seiner eigenen Mobilfunk-Sparte zusammenführen.

Durch eine Kapitalerhöhung hat sich der Anteil, den United an Drillisch hält, inzwischen bereits auf 30% erhöht.

Das Angebot liegt nun seit Mitte Mai auf dem Tisch.

50 € je Aktie ist man bei United Internet bereit für die Übernahme zu zahlen – ein Aufschlag von 3% gegenüber dem Aktienkurs vor Bekanntgabe der Offerte.

Insgesamt rund 2,2 Mrd. € will United Internet auf den Tisch legen.

Aktien legen kräftig zu

Die Wettbewerbs-Hüter müssten einem solchen Deal selbstverständlich erst einmal zustimmen.

Und auch die Hauptversammlung, die für den 25. Juli angesetzt ist, spielt eine nicht unwesentliche Rolle:

Hier sollen die Anleger einer Verdreifachung des Kapitals zustimmen, die neuen Aktien würden dann an United Internet gehen.

Die BaFin hat nach einer 1. Prüfung das Angebot genehmigt. Anleger haben nun bis zum 23. Juni Zeit, ihre Aktien United Internet anzubieten zu einem Kurs von 50 €.

Beobachter halten eine Anhebung jedoch nicht für ausgeschlossen.

Bereits jetzt profitierten die Aktien beider Unternehmen erheblich von der Offerte:

Die United-Internet-Aktie schoss nach Bekanntwerden des Angebots nach oben und legte auf Monatssicht knapp 12% zu.

Für die Drillisch-Aktie liegt das Monats-Plus sogar bei knapp 14%; auch hier ging es schlagartig aufwärts.

Analysten sehen Synergie-Effekte und gute Voraussetzungen für eine neue 4. Kraft am deutschen Mobilfunkmarkt. Mehrheitlich empfehlen sie zuzugreifen.

2017-05-26 United Internet

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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