United Internet bringt Drillisch-Übernahme in trockene Tücher

Oft wirkte es wie ein Kampf von David gegen Goliath:

United Internet versuchte mit seinen Internet- und Mobilfunk-Produkten den europäischen Telekommunikations-Konzernen die Stirn zu bieten – mit beachtlichem Erfolg.

Immerhin legten die Erlöse in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 1.100% auf zuletzt 3,94 Mrd. € zu.

Jetzt schaltet der  gründergeführte Konzern aus Montabaur mit der Übernahme des Rivalen Drillisch einen Gang höher.

Mit dem Zusammenschluss des einstigen Konkurrenten entsteht die 4. starke Kraft im Mobilfunk-Geschäft.

Mit mehr als 12 Mio. Kunden will das Gemeinschafts-Unternehmen jetzt weiter angreifen.

Drillisch-Anleger segnen Deal ab

Gerade fand die außerordentliche Hauptversammlung statt und hat den Weg für die wegweisende Drillisch-Übernahme frei gemacht.

Immerhin stimmten 98% der Anleger für eine Kapital-Erhöhung, mit der United Internet die Mehrheit an dem Unternehmen aus Maintal bei Frankfurt übernimmt.

Dabei läuft der Deal folgendermaßen ab:

United Internet bringt ihre Mobilfunk- und Festnetz-Tochter 1&1 Telecommunication bei Drillisch ein und übernimmt im Gegenzug die Mehrheit an Drillisch.

Nach der Eintragung der von den Aktionären nun abgesegneten Sachkapital-Erhöhung wird United Internet rund 73% an Drillisch halten.

Hohe Einsparungen erwartet

Dabei gibt es zahlreiche Gründe für den Kauf der Maintaler Firma, u. a. die folgenden:

  • Zum einen kann United Internet jetzt seine Marken in die Innenstädte bringen. Dort betreibt Drillisch mit Marken wie Yourfone und Smartmobile nämlich eigene Läden.
  • Zudem geht Firmenchef Ralf Dommermuth von kräftigen Einsparungen aus: Bis 2020 sollen 150 Mio. € im Jahr an Kosten gespart werden. In den 5 folgenden Jahren sollen sich die Synergien sogar auf 250 Mio. € erhöhen.

Für Sie zum Vergleich:

Während United Internet zuletzt einen Jahres-Umsatz von 3,9 Mrd. € (Gewinn: 179 Mio. €) erzielte, kam Drillisch auf 710 Mio. € Umsatz (Gewinn: 26 Mio. €).

Im neuen Unternehmen wird Drillisch 28% der Kunden und 15% des Umsatzes ausmachen.

Telefonica-Deal machte Drillisch zur hübschen Braut

Der Deal hat aber noch einen anderen Hintergrund: Schon lange will United Internet seine Position auf dem Mobilfunkmarkt ausbauen.

Da man über kein eigenes Mobilfunknetz verfügt, hatte sich der Konzern zuvor erfolglos um Netz-Ressourcen bemüht – hier kommt Drillisch ins Spiel.

Sie müssen wissen: E-Plus wurde im Jahr 2014 in einer 8,6 Mrd. € schweren Transaktion von O2 geschluckt.

Allerdings gab es Wettbewerbs-Auflagen in Deutschland. Also musste O2 Netz-Kapazitäten an Drillisch vermieten.

Drillisch kann der Vereinbarung nach schrittweise bis zu 20% der Netz-Kapazitäten des Münchener O2-Betreibers nutzen – und hat eine Option auf weitere 10% bis 2020.

Unter Experten gilt der Deal als hochattraktiv und dürfte eine der treibenden Kräfte für das Angebot von United Internet gewesen sein.

Den Anlegern beider Gesellschaften scheint der Zusammenschluss jedenfalls zu gefallen. Beide Papiere notieren auf oder nur minimal unter ihren bisherigen Höchstkursen.

United Internet weiter im Expansions-Modus

Mit dem Drillisch-Zukauf ist die Einkaufstour von United Internet aber noch lange nicht zu Ende:

Gestern hat der Technologie-Konzern wieder zugeschlagen und sich die Firma Profitbricks einverleibt.

Das Ziel ist klar: United Internet will im Bereich Hosting und Cloud-Computing für Infrastructure as a Service für große Unternehmen stärker werden.

Mit dem Zukauf setzt der Konzern seine Einkaufstour also ungebremst fort:

  • Erst im Dezember 2016 hatte man von der Deutschen Telekom den Webhoster Strato für rund 600 Mio. € übernommen.
  • Zuvor hatte United Internet den Glasfaser-Netzbetreiber Versatel komplett geschluckt.
  • Zudem gehören dem Unternehmen auch große Anteile am Kabelnetz-Betreiber Tele Columbus.

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28. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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