United Internet: Web-Dienstleister im Kaufrausch

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag: United Internet, einer der führenden Internet Anbieter in Europas, hat mit der Deutschen Telekom gerade einen Mega-Deal eingefädelt.

Für rund 600 Mio. € übernimmt der Konzern aus Montabaur den Internet-Dienstanbieter Strato aus Berlin.

Strato ist eine Tochtergesellschaft der Telekom und mit 10% Marktanteil der stärkste Rivale für United Internet im deutschen Markt.

Was es mit dem Deal auf sich hat, wie die mittelfristige Strategie des TEC-DAX-Konzerns ist und was das für die Aktie bedeuten könnte, erfahren Sie jetzt.

Übernahme-Fieber im Webhosting-Geschäft

Mit dem Strato-Zukauf hat United Internet jetzt doch noch seinen Weihnachts-Einkauf erfolgreich zu Ende gebracht.

Denn noch zu Beginn des Monats ist der deutsche Online-Riese beim britischen Wettbewerber, der Host Europe Group, leer ausgegangen.

Die britische Gesellschaft, die ebenso wie Strato einen Marktanteil von 10% inne hat, wurde nämlich für 1,7 Mrd. € an das amerikanische Unternehmen GoDaddy verkauft.

Host Europe ist wie United Internet in der Registrierung von Internet-Adressen, sowie dem Betreiben von Email und Internet-Servern aktiv.

Analysten bewerten Zukauf positiv

Nun legt United Internet für Strato im 1. Schritt 566 Mio. € auf den Tisch. Weitere 34 Mio. € könnten abhängig von erreichten Meilensteinen noch folgen.

Dafür beseitigt der Konzern seine ärgste Konkurrenz in Deutschland.

Strato machte zuletzt mit über 500 Mitarbeitern einen Jahres-Umsatz von 127 Mio. €. Der Betriebsgewinn lag bei 48,5 Mio. €.

Damit legt United Internet das 12,4-Fache des EBITDAs (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) auf den Tisch.

Wenn Sie jetzt noch die erwarteten Synergien von 20 Mio. € pro Jahr mit einberechnen, dann liegt das Multiple mit 9 – 9,5 sogar unter dem Niveau der Hosteurope-Übernahme durch GoDaddy (11*EBITDA).

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit der Übernahme dürfte sich die beeindruckende Wachstumsgeschichte bei United Internet weiter fortsetzen; immerhin kletterten die Erlöse seit 2002 von 318 Mio. € auf zuletzt 3,71 Mrd. €.

Auch wenn die Gewinnspanne zuletzt mit 9,86% deutlich unter dem Vorjahr (14,59%) lag, so blieben unter dem Strich immerhin noch 367 Mio. € an Profiten übrig.

Der Charme liegt in den wiederkehrenden Umsätzen

Die Marktstellung des Konzerns ist bemerkenswert.

Immerhin zählt United Internet mit rund 14 Mio. Kunden-Verträgen und fast 31 Mio. Email-Konten zu den führenden Internet-Dienstleistern Europas.

Die Strategie basiert darauf, standardisierte, hochwertige Lösungen zu entwickeln und über alle Märkte als „Abonnement“ mit einer Vertragslaufzeit von 12 – 24 Monaten zu verkaufen.

Damit wird klar, dass zur Kundengewinnung stark investiert werden muss (v. a. Marketing). Allerdings winken im Anschluss auf Grund des Abo-Modells hohe wiederkehrende Erlöse.

Der Konzern bedient mit Hosting-Produkten im Wesentlichen kleine und mittelständische Unternehmen auf Basis von Abomodellen. Daher sind die Kündigungs-Quoten entsprechend gering.

Analysten erwarten 2-stelligen Gewinnzuwachs

Das Votum der Analysten fällt eindeutig aus: Insgesamt beschäftigen sich 21 Experten mit der Aktie; 14 Analysten sehen in den Papieren ein Kauf, die restlichen 7 empfehlen die Aktie zu halten.

Im Schnitt rechnen die Analysten im nächsten Jahr mit einem Gewinn-Anstieg von knapp 14% auf 2,46 € je Aktie.

Damit wird der Konzern aktuell an der Börse mit dem 14-fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt mit 45,40 € knapp 1/4 über dem aktuellen Kursniveau.

19. Dezember 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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