United-Technologies-Aktie: Stühlerücken in der Luftfahrt-Branche

Die Karten in der Luftfahrt-Brache werden neu gemischt: United Technologies bietet 30 Mrd. Dollar für Flugzeug-Zulieferer Rockwell Collins. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Seit einigen Monaten liefen bereits die Verhandlungen, jetzt ist es amtlich:

Der US-Mischkonzern United Technologies legt eine 30 Mrd.-Dollar schwere Offerte für den Flugzeug-Zulieferer Rockwell Collins auf den Tisch.

Im Anschluss soll der Konzern mit den eigenen in diesem Bereich tätigen Sparten zusammengelegt werden.

Misch-Offerte aus Cash und Aktien

Gemäß der Pressemitteilung erhält  jeder Rockwell Collins-Aktionär 93,33 Dollar pro Aktie in bar und 46,67 Dollar in Aktien von United Technologies (UTC).

Das entspricht aktuell einem Rockwell-Kurs von 140 Dollar je Anteilsschein. Dabei soll der Baranteil der Transaktion durch Anleihen und Barmittel finanziert werden.

Die Rockwell-Aktionäre dürfte es freuen; bereits seit Jahresbeginn zogen die Papiere deutlich (um 40%) auf zuletzt 130 Dollar an.

Verhandlungs-Position soll gestärkt werden

Was ist der Hintergrund des gigantischen Deals?

Ganz einfach: Mit der Übernahme macht United Technologies einen Sprung in eine andere Größenordnung und stärkt seine eigene Verhandlungsmacht deutlich.

Wenn in Zukunft Boeing oder Airbus seine Lieferanten bei Preisverhandlungen unter Druck setzen will, dürfte United Technologies deutlich bessere Karten haben.

Immerhin dürfte der Umsatz beider Firmen im Luft- und Raumfahrt-Bereich zusammengerechnet für dieses Jahr bei 34,7 Mrd. Dollar liegen.

Davon entfällt 75% auf das zivile Geschäft und der Rest auf militärische Programme. Der Export-Anteil liegt bei 55%.

30 Mrd. Dollar für 5,2 Mrd. Dollar Umsatz

United Technologies ist allerdings nicht nur in der Luftfahrt tätig.

Denn der US-Konzern ist auch ein führender Anbieter von Aufzügen, Klima-Anlagen, Heizungen und Sicherheits-Technik.

Bei einem Jahres-Umsatz von 57,24 Mrd. Dollar erzielte die Firma zuletzt einen Gewinn in Höhe von 5,05 Mrd. Dollar.

Für das Objekt der Begierde, Rockwell Collins, greift der Technologie-Riese tief in die Schatulle: Stolze 30 Mrd. Dollar incl. Schulden legt United Technologies auf den Tisch.

Komplementäre Produkt-Palette für die Luftfahrt-Industrie

Dafür bekommt der Konzern eine alteingesessene Firma (Gründung 1933).

Diese stellt u. a. Kommunikations-, Kontroll- und Navigations-Systeme sowohl für die zivile als auch für die militärische Luftfahrt her.

Im vergangenen April ist Rockwell Collins sogar selbst mit einem spektakulären Zukauf aktiv geworden:

Für insges. 6 Mrd. Dollar hat der Konzern die Übernahme von B/E Aerospace abgeschlossen und sich damit einen Hersteller von Flugzeugsitzen und Interieur ins Haus geholt.

In 2016 erzielte Rockwell Erlöse von 5,25 Mrd. Dollar und erreichte eine Gewinnspanne von 13,84% (728 Mio. Dollar Gewinn).

Nach dem Deal bietet das Gemeinschafts-Unternehmen eine breite Produkt-Palette für die Luftfahrt-Industrie an; vom Touchscreen-Bildschirm im Cockpit hin zu ganzen Triebwerken.

Steht die Aufspaltung vor der Tür?

Nach dem Megadeal machen bereits Stimmen über eine mögliche Aufspaltung von United Technologies die Runde.

Der verstärkte Fokus auf den Luftfahrt-Sektor könnte zu Veränderungen im Portfolio führen.

Die Aktionäre reagieren auf die Nachricht erst einmal zurückhalten und trennen sich von den Papieren (-3%).

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.