United Technologies legt Übernahme-Angebot für Rockwell Collins vor

Stift Tablet – shutterstock_525817939 phongphan

UTC übernimmt Rockwell. Nach langen Verhandlungen steht eine der größten Übernahmen der Luftfahrt-Branche. Hier erfahren Sie mehr dazu: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich United Technologies und Rockwell Collins auf eine der größten Übernahmen in der Luftfahrt-Industrie geeinigt:

Insgesamt 30 Mrd. Dollar bietet der US-Technologie-Konzern für den kleineren Rivalen.

Der Deal wurde allgemein erwartet, nachdem bereits Anfang August entsprechende Gerüchte die Runde machten.

Auch der Preis von 30 Mrd. Dollar entspricht dem, was erwartet wurde.

Aktienkurs in Deutschland deutlich über Angebots-Preis – Das riecht nach Verlust

Rockwell-Collins-Aktionäre sollen für ihre Anteile 93,33 Dollar in bar und 46,67 Dollar in United-Technologies-Aktien erhalten.

Das Übernahme-Angebot erhält eine Prämie von 17,6% auf dem Rockwell Collins-Kurs vor Bekanntwerden erster Übernahme-Spekulationen.

Zuletzt war ein Deal jedoch fast vollständig eingepreist.

Obwohl der Preis feststeht, zahlen heute Morgen an deutschen Handelsplätzen einige Anleger mehr als die beiden Unternehmen ausgehandelt hatten.

In Frankfurt wechselte die Aktie zu umgerechnet 160 Dollar den Besitzer. Da ist bei einem Preis von 140 Dollar ein Verlust schon äußerst wahrscheinlich.

Cash + Aktien: Denken Sie an die Steuer

Wir möchten Privat-Anleger vor einem heutigen Einstieg in den Übernahme-Kandidaten warnen:

Bedenken Sie, dass United Technologies den Übernahme-Preis nicht vor Deal-Abschluss im 3. Quartal 2018 überweisen wird!

Am Vormittag konnte die Aktie zu 113 € (umgerechnet 134,40 Dollar) erworben werden. Dies entspricht einer rechnerischen Gewinn-Chance von 4,2%.

Wer gerne Arbitrage-Geschäfte macht, für den gibt es attraktivere Chancen am Aktienmarkt.

Doch es gibt ein noch viel größeres Problem: Es ist ein Cash und Aktien-Deal.

Für deutsche Privat-Anleger, die ihre Aktien nicht vor Abschluss der Transaktion verkaufen, wird der Bar-Anteil von 93,33 Dollar besteuert.

Der Nachsteuerwert der Offerte liegt dann nur noch bei rund 126 Dollar.

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

United-Technologies-Aktie: Stühlerücken in der Luftfahrt-BrancheDie Karten in der Luftfahrt-Brache werden neu gemischt: United Technologies bietet 30 Mrd. Dollar für Flugzeug-Zulieferer Rockwell Collins. › mehr lesen

Heute 134,40 Dollar bezahlen, um in 1 Jahr 126 Dollar zu bekommen – das hört sich nicht wirklich nach dem Premium-Deal an…

United Technologies-Aktie der bessere Weg um mitzuverdienen

Ein Einstieg birgt zudem noch eine weitere Gefahr:

Wenn der Deal am Ende doch scheitern sollte, dann wird die Rockwell Collins-Aktie vermutlich die Zugewinne wieder abgeben.

Unter dem Strich ist das Chance-Risiko-Verhältnis also äußerst ungünstig.

Wer von der Transaktion überzeugt ist und daran mitverdienen will, der sollte in United Technologis investieren.

Die Aktie des Bieters unterliegt natürlich höheren Risiken, bietet dafür aber zumindest eine realistische Gewinn-Chance.

Übernahme strategisch sinnvoll…

Die Übernahme ist strategisch äußerst sinnvoll.

Zum einen ist davon auszugehen, dass der Deal Kosten-Synergien freilegt, auch wenn sich die Geschäfte nicht sehr stark überschneiden.

Zum anderen bekommt United Technologies mehr Verhandlungsmacht.

Die gewachsene Angebots-Palette verbessert die Position bei Verhandlungen mit den Großkunden Airbus und Boeing.

Das ist vielleicht sogar noch mehr wert als die Effizienz-Verbesserung durch Synergien.

…aber auch mit Risiken verbunden

Auf der anderen Seite sollte bedacht werden, dass der Deal auch Risiken mit sich bringt:

Rockwell Collins integriert aktuell BE Aerospace. Wenn jetzt gleichzeitig United Technologies Rockwell integriert, kann sich das negativ auf die Geschäfte auswirken.

Zudem könnte es sein, dass das Rockwell-Management durch den Deal die Flucht nach vorne antrat.

Schon im Zuge der BE-Aerospace-Übernahme forderten Aktivisten, dass sich Rockwell selbst übernehmen lässt statt zuzukaufen.

Es ist also gut möglich, dass bei der Übernahme kurzfristiges Gewinn-Interesse im Vordergrund stand.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.