United Technologies: Rockwell-Collins-Übernahme nimmt wichtige Hürde

Die Übernahme von Rockwell Collins durch den US-amerikanischen Mischkonzern United Technologies steht nun kurz vor dem Abschluss. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Im September des vergangenen Jahres haben sich United Technologies und Rockwell Collins nach monatelangen Verhandlungen auf eine der größten Übernahmen in der Luftfahrtindustrie geeinigt. Insgesamt 30 Mrd. Dollar bot der US-Technologie-Konzern United Technologies seinerzeit für den kleineren Rivalen Rockwell Collins.

Nun hat der Deal eine wichtige Hürde genommen und wird so immer konkreter. Die US-Regierung hat nach Zugeständnissen der beteiligten Unternehmen keine Einwände gegen den Deal. Das geht aus am zu Beginn dieser Woche in Washington eingereichten Gerichtspapieren hervor.

Die Übernahme vereinigt die Triebwerkssparte Pratt & Whitney des Mischkonzerns United Technologies mit der Cockpit-Technologie und der Innenausstattung von Rockwell. Damit könnte United Technologies in Verhandlungen mit den großen Flugzeugbauern Airbus und Boeing künftig selbstbewusster und fordernder auftreten.

Eine wichtige Hürde ist aber noch zu nehmen

Eine wichtige Hürde muss der Deal aber noch nehmen. Bislang steht noch die Genehmigung der chinesischen Behörden aus. Es könnte sein, dass der Handelsstreit zwischen China und den USA zu Verzögerungen führt.

United-Technologies-Chef Greg Hayes sagte zuletzt, dass die Chinesen nur auf das Okay der US-Behörden warten würden. Hat er Recht, müsste der Deal sehr bald unter Dach und Fach sein, da die Genehmigung aus Washington nun vorliegt.

Übernahme strategisch sinnvoll

Die Übernahme ist aus Sicht des Übernahme-Sensors strategisch äußerst sinnvoll. Zum einen ist davon auszugehen, dass der Deal Kostensynergien freilegt, auch wenn sich die Geschäfte nicht sehr stark überschneiden.

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Zum anderen bekommt United Technologies mehr Verhandlungsmacht. Die gewachsene Angebotspalette verbessert wie schon angedeutet die Position bei Verhandlungen mit den Großkunden Airbus und Boeing. Das ist vielleicht sogar noch mehr wert als die Effizienzverbesserung durch Synergien.

Es gibt aber auch Risiken

Auf der anderen Seite sollte bedacht werden, dass der Deal auch Risiken mit sich bringt. Rockwell Collins integriert aktuell BE Aerospace. Wenn jetzt gleichzeitig United Technologies Rockwell integriert, dann kann sich das negativ auf die Geschäfte auswirken.

Zudem könnte es sein, dass das Rockwell-Management durch den Deal die Flucht nach vorne antrat. Schon im Zuge der BE Aerospace-Übernahme forderten Aktivisten, dass sich Rockwell selbst übernehmen lässt, statt zuzukaufen. Möglich also, dass bei der Übernahme kurzfristiges Gewinninteresse im Vordergrund stand.

Nach Einschätzung des Übernahme-Sensors ist es aktuell in jedem Fall sinnvoller, in das übernehmende Unternehmen zu investieren als in das Übernahmeobjekt. Diesen Standpunkt vertrat ich bereits im September 2017 und kann ich heute nur noch einmal unterstreichen.

Ein Punkt, der gegen das Übernahmeobjekt spricht: Der Übernahmepreis soll in Cash und in Aktien gezahlt werden. Das führt bei deutschen Anlegern regelmäßig zu Steuerproblemen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.