United Technologies: Rüstungsgigant hält an Multi-Milliarden-Dollar-Fusion fest

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United Technologies: US-Konzern treibt milliardenschwere Großfusion mit Raytheon trotz aller Widerstände mit Hochdruck voran. Starke Zahlen und erhöhte Prognose verleihen Firmenboss Greg Hayes Rückenwind (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Die Meldung kam im vergangenen Monat wie ein Paukenschlag. Die Luft- und Raumfahrtsparte des Mischkonzerns United Technologies und der Elektronikkonzern Raytheon wollen sich über einen reinen Aktientausch zusammenschließen. Bei der Verschmelzung würde ein neues Unternehmen mit einem Marktwert von über 120 Milliarden Dollar entstehen. Doch die Großfusion gerät zunehmend ins Wanken. Mit Bill Ackmann und Daniel Loeb stemmen sich zwei einflussreiche Hedgefonds gegen den Deal.

Doch so schnell gibt sich United Technologies nicht geschlagen. Mit starken Zahlen im Rücken und einer gerade angehobenen Jahresprognose hat Firmenboss Greg Hayes die Sinnhaftigkeit der geplanten Fusion nochmals bekräftigt.

Wie die Fusioin aussehen soll

Die Fusion solle im ersten Halbjahr 2020 abgeschlossen werden. United Technologies will vor der Transaktion die Aufzugsparte (Otis) sowie das Geschäft mit Klimatechnik (Carrier) abspalten. Die Luftfahrtsparte mit dem Triebwerkhersteller Pratt & Whitney würde damit zum Kern von United Technologies. Geführt werden soll der neue Konzern von United-Technologies-Chef Greg Hayes. Die Anteilseigner von United Technologies sollen 57% des neuen Unternehmens besitzen, die Raytheon-Aktionäre den Rest.

Neuer Gigant im Rüstungsmarkt

Raytheon produziert vor allem militärisches Gerät mit komplexer Steuerung wie das Flugabwehrsystem Patriot und andere Raketen wie Torpedos und Marschflugkörper. Außerdem stellt Raytheon Radar-Systeme für Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe her. United Technologies stieg vor kurzem mit einer milliardenschweren Übernahme zu einem der größten Zulieferer in der Luftfahrtbranche auf. Für 30 Milliarden Dollar kaufte der Konzern den Produzenten von Bordelektronik und Innenausstattung, Rockwell Collins.

Massive Synergien erwartet

Mit der Transaktion ergänzen die beiden Firmen aber nicht nur ihre Produktpalette. Es sollen auch deutliche Synergien erzielt werden. Bis zum Ende des vierten Jahres nach der Verschmelzung rechnen die Firmen mit Kostensynergien von mehr als einer Milliarde Dollar. In der Telefonkonferenz direkt nach den Zahlen am Dienstag sagte Firmenchef Hayes, dass die Aktionäre in den ersten drei Jahren nach Abschluss der Transaktion eine Kapitalrendite durch Dividenden und Aktienrückkäufe von 18 Milliarden Dollar erwarten können – fast doppelt so viel wie die fusionierten Unternehmen alleine leisten könnten.

Starkes Quartal und höhere Prognose sorgt für gute Stimmung

Für das gerade abgelaufene zweite Quartal meldete United Technologies überraschend hohe Zuwachsraten. Der Umsatz kletterte von 16,71 auf 19,63 Millionen Dollar und lag damit über den Erwartungen der Analysten (19,55 Milliarden Dollar). Noch deutlicher war die Diskrepanz allerdings bei der Gewinnentwicklung. Der erreichte Gewinn je Aktie von 2,20 Dollar lag nicht nur 11,67% über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, sondern auch 15 Cent über den Konsensschätzungen der Analysten.

Für das Gesamtjahr wird nun ein Gewinn pro Aktie zwischen 7,90 und 8,05 Dollar. Der bisherige Ausblick für den Gewinn pro Aktie lag zwischen 7,80 und 8,00 Dollar je Anteilschein.

Hedgefonds machen Stress

Ob die Fusion allerdings wirklich durchgeht, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn nicht nur der US-Präsident Donald Trump zeigte sich zunächst skeptisch über den Deal. Trump warf die Frage auf, ob die Fusion zu weniger Wettbewerb führen und es für die US-Regierung schwieriger werden könnte, Rüstungsverträge zu verhandeln.

Aber Trump ist nicht der einzige Kritiker. Mit Bill Ackmann und Daniel Loeb stellen sich zwei renommierte Hedgefondsmanager gegen den Deal. Daniel Loeb, der Milliardär und Manager des Hedgefonds Third Point, bezeichnete den Deal als strategisch nicht sinnvoll und eine verblüffende Kehrtwende. Loeb hatte sich zuletzt 6,48 Millionen Aktien im Gegenwert von über 835 Millionen Dollar zugelegt und hält damit 0,75% aller Stimmrechte. Bill Ackman hält mit 5,8 Millionen Aktien (Gegenwert 750 Millionen Dollar) rund 0,67% aller ausstehenden Anteilscheine.

Da die beiden Großanleger extrem gut vernetzt sind und ihre Stimme in der Finanzwelt viel Gehör findet, ist es gut möglich, dass sie weitere Anteilseigner gegen die Firmenstrategie mobilisieren können.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.