Unsichere Entwicklung des Stahlmarktes

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Nachdem im vergangenen Jahr die Nachfrage am deutschen Stahlmarkt heftig einbrach, ist noch offen, ob 2020 mit einer Wende zu rechnen ist. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Im Jahr 2019 hat der überraschend heftige Nachfrageeinbruch das Geschehen am deutschen Stahlmarkt geprägt. Entsprechend sind am Spotmarkt die Preise deutlich gefallen. 2020 ist auf der Nachfrageseite nicht unbedingt mit einer schnellen Wende zu rechnen. Ob der Markt zu einem ausgewogeneren Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage finden wird, ist fraglich. Sowohl die Rohstoffkosten als auch die Stahlpreise werden voraussichtlich niedriger als in 2019 liegen.

Ein klarer Preistrend ist eher nicht zu erwarten. Abseits der reinen Marktentwicklung sind alle Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette Stahl gut beraten, sich rechtzeitig mit den politischen Konsequenzen der extrem ehrgeizigen Ziele der EU zur Entkarbonisierung zu beschäftigen.

Das theoretische Ziel ist auf Dauer die Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft. Wenn der Stahlmarkt der vergangenen Jahre eines gezeigt hat, dann ist es, dass Unerwartetes jederzeit geschehen kann. Die Kursentwicklung der Unternehmen in dieser Branche spiegelt die Unsicherheit deutlich wider. Seit Anfang des Jahres beträgt der Kursrückgang zwischen minus 7% (Nippon Steel) und minus 34% (Alcoa).

thyssenkrupp treibt Konzernumbau voran

thyssenkrupp hat im abgelaufenen Geschäftsjahr in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld zwar ein leichtes Wachstum erzielt. Allerdings ist die Performance einiger Bereiche nicht zufriedenstellend. Das hat auch damit zu tun, dass notwendige strukturelle Verbesserungen und Restrukturierungen nicht mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt wurden. Das will Martina Merz, die neue Vorstandsvorsitzende, jetzt zügig angehen.

Der neu formierte Vorstand hat sich vier klare Prioritäten gesetzt und konzentriert sich auf das Performance- Thema, die Elevator-Transaktion, die Zukunftsfähigkeit des Stahlgeschäfts und die Weiterentwicklung der Organisation. thyssenkrupp erwartet durch alle angestoßenen Maßnahmen operative Verbesserungen, die ihre volle Wirkung jedoch noch nicht im laufenden Geschäftsjahr entfalten werden. Die derzeit schwache Konjunktur wird die Margen weiter belasten. Mit einem Kursrückgang um über ein Drittel in den vergangenen 12 Monaten mussten die Aktionäre bereits einiges ertragen.

Der Kupfermarkt ist relativ stabil

Zum Jahresende nimmt die Aktivität auf dem Kupfermarkt traditionell ab, das war auch 2019 nicht anders. Unabhängig davon hat der Kupferpreis nach einer zwischenzeitlichen Erholung jedoch erneut deutlich nachgegeben und fiel unter die Marke von 6.000 $/t. Im Durchschnitt des 3. Quartals erreichte die Notierung 6.113 $/t, nach 6.872 $/t im Vorjahr.

Am internationalen Konzentratmarkt traf in den ersten 9 Monaten 2019 eine gute Produktion der Minen auf eine insbesondere in China steigende Nachfrage. Unter Kupferkonzentrat versteht man aufbereitetes Kupfererz mit einem durchschnittlichen Kupfergehalt von etwa 30%. Nach mehreren Jahren mit geringeren Investitionen in neue Minenvorkommen und einem stärkeren Fokus auf die Produktionseffizienz wollen die großen Minenunternehmen vermehrt investieren.

Aurubis plant, das Effizienzsteigerungsprogramm im laufenden Jahr in ein Programm zu überführen, das seinen Fokus auf Kosteneinsparungen hat. Damit soll der Inflation sowie den schwächeren Konjunktur- und Marktbedingungen mindestens entgegengewirkt werden.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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