Unter den Online-Casinos bahnt sich ein Übernahme-Kampf an

Der Übernahme-Sensor hat Ihnen mehrfach vom britisch-österreichischen Online-Casino bwin.party geschrieben, um das sich immer wieder Übernahme-Gerüchte rankten.

Seit Herbst vergangenen Jahres sucht das Unternehmen den Schulterschluss mit einem Konkurrenten. Und seitdem kam es immer wieder zu Verhandlungen, die dann aber im Sande verliefen.

Diesmal ist es anders und ein Deal nimmt konkrete Formen an. Bwin.party hat gleich zwei Bieter, die ihr Interesse offiziell angemeldet haben. Ein Übernahme-Kampf scheint vorprogrammiert.

888 folgt GVC im Rennen um bwin.party

Gegenüber stehen sich GVC und 888. GVC tritt Insidern zufolge mit Amaya als Bieter auf. Amaya ist Eigentümer der Pokerplattformen PokerStars und Full Tilt Poker.

Sollte GVC den Zuschlag erhalten, wird der von bwin.party angebotene Pokerbereich vermutlich an Amaya verkauft. Die anderen Bereiche des Übernahme-Kandidaten werden von einem GVC-/Amaya-Konsortium geleitet.

888 tritt als alleiniger Bieter auf. 888 wurde bis dato selbst als heißer Übernahme-Kandidat gehandelt und hatte vor wenigen Monaten eine Offerte des größeren Konkurrenten William Hill erhalten.

Im März kündigte 888 dann an, selbst mit Übernahmen wachsen zu wollen. Mit bwin.party hat sich 888 große Ziele gesetzt. Ein Zusammenschluss macht zwar sehr viel Sinn, doch bwin.party ist deutlich größer.

Die Mehrheit der Aktionäre unterstützt jedoch das Vorhaben. Ein Deal ist zustimmungsbedürftig und 888 teilte mit, dass bereits 59% des Aktionärskapitals sein OK gegeben hat.

Dass das Management soviel Vertrauen genießt, wundert mich nicht. Langfristaktionäre haben mit dem Papier über 400% Gewinn erzielt.

Doppelter Kurssprung bei der bwin-Aktie

Am Aktienmarkt sorgte die Meldung bei der bwin.party-Aktie für weiter steigende Kurse. Bereits am Freitag, nachdem GVC Übernahme-Gerüchte bestätigte, stieg der Kurs an der Londoner Börse um 10%. Heute geht es erneut um gut 10% aufwärts.

Mit 1,09 Pfund je Anteilsschein dürfte das Ende der Fahnenstange (im Falle eines Deals) noch nicht erreicht sein. Bei einem Bietergefecht sind „normale“ Bewertungskriterien quasi außer Kraft gesetzt.

Dementsprechend vorsichtig reagieren die 888 Aktionäre. Den Bieterkampf vor Augen gibt das Papier am Nachmittag rund 3% nach. Wenig verwunderlich, denn es besteht nicht nur die Gefahr, dass zuviel bezahlt wird, sondern auch steigende Verschuldung und Kapitalerhöhung sind dann die Folge.

Übernahme-Sensor sieht 888 in der besseren Position

Es könnte angenommen werden, dass 888 als viel kleineres Unternehmen nur Außenseiter-Chancen auf den Deal hat. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Bei einem Deal mit 888 wird mit deutlich größerem Synergie-Potenzial gerechnet.

Eine Übernahme rechnet sich für 888 also mehr als für GVC. Zudem ist anzunehmen, dass die 888-Langfrist-Strategie von bwin.party als überzeugender angesehen wird.

Der Übernahme-Sensor meint: Wenn 888 bwin.party wirklich haben will, dann wird es auch den Zuschlag erhalten. Dies könnte wieder ein Deal werden, bei dem eine finanziell vermeintlich niedrigere Offerte siegreich ist.

18. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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