Unternehmensbewertung: Nur so können Anleger billige Aktien ermitteln

Super Bowl Sieger: Statistiken zufolge wird nun der US-Aktienmarkt steigen. Stimmen derartige Zusammenhänge überhaupt? (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

73.000 Menschen im Stadion, über 800 Millionen Menschen weltweit vor dem Fernseher: Heute Nacht fand das größte Sportfinale der Welt statt: der Super Bowl des American Football. Gewonnen haben ihn überraschend die Philadelphia Eagles, nachdem ausgerechnet Tom Brady (40), Quarterback und Mega-Star der New England Patriots, kurz vor Schluss ein schlimmer Fehler unterlaufen war.

Sie werden sich fragen, warum dies für Sie als Anleger von Interesse sein sollte. Dann kennen Sie anscheinend den Super-Bowl-Indikator noch nicht.

Super-Bowl-Indikator wird schon seit den 1970er-Jahren gemessen – mit erstaunlicher Trefferquote

Der Super-Bowl-Indikator geht auf Leonard Koppett zurück, einem ehemaligen Sportreporter der New York Times. Dieser hat Mitte der 1970er-Jahre einen Zusammenhang zwischen dem Gewinner des Super Bowl und der darauf folgenden Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes ausgemacht. Hierzu muss man wissen, dass die National Football League (kurz NFL) aus zwei Teilen besteht, den sogenannten Conferences.

Koppett fand heraus, dass der US-Aktienmarkt steigt, nachdem eine Mannschaft aus der National Football Conference (NFC) den Super Bowl gewonnen hat. Gewinnt hingegen ein Team aus der American Football Conference (AFC) das Endspiel, wird der Aktienmarkt fallen. Statistiken zufolge lag der Super-Bowl-Indikator in 40 von 50 Fällen richtig. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 80 %. Ist nach dem Sieg der New England Patriots, einem Sieger aus der NFC, nun also automatisch ein steigender Aktienmarkt zu erwarten?

Eine Gleichzeitigkeit ist noch kein Zusammenhang

Viele Spekulanten sind in der Tat abergläubisch – und messen gerade den Statistiken eine große Bedeutung bei. Als seriöser Anleger sollten Sie sich besser nicht in die Irre führen lassen. Zwar weist der Indikator, dafür dass ihm jegliche wissenschaftliche Grundlage fehlt, eine erstaunliche Trefferquote auf. So beeindruckend diese auch sein mag, der Eindruck, dass „das doch kein Zufall sein kann“ täuscht. Denn zwischen dem Gewinner des Super Bowl und dem amerikanischen Aktienmarkt fehlt jeglicher sachliche Zusammenhang.

Nur weil zwei Dinge gleichzeitig auftreten, darf dies nicht mit einem kausalen Zusammenhang verwechselt werden. Statistiken, die einen Zusammenhang behaupten, wo doch nur eine Gleichzeitigkeit oder Entsprechung zeigen, versuchen den Leser zu manipulieren. Dabei sind Schlussfolgerungen aus dieser Art von Statistiken reiner Zufall.

Um Aktienkurse vorherzusagen, ist mehr erforderlich als ein zugegeben spannendes Football-Finale. Man muss insbesondere Cashflows prognostizieren, eine Vorstellung haben über das Risiko, das mit ihrer Erzielung verbunden ist, und darauf aufbauend eine stichhaltige und neutrale Unternehmensbewertung durchführen. Denn nur wer eine Vorstellung von Werten hat, kann diese mit den Preisen, also den täglich zu beobachtenden Kursen vergleichen. Nur dann kann die Unter- oder Überbewertung einer Aktie mit gutem Gewissen behauptet werden.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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