Unternehmenswert: Was dahinter steckt

Rätselhafte Kennzahl, so ein Nutzer vor kurzem über die Bezeichnung „Unternehmenswert“, englisch: Enterprise Value. Wir haben diesen Hinweise aufgegriffen und nennen kurz die Bedeutung, denn: Analysten kommen in ihren Analysen an der Kennziffer nicht vorbei.

Unternehmenswert: Börsenwert ist wichtig

Anders als bei der Suche nach „wahren Werten“ oder ähnlichem ist der Unternehmenswert bilanz- und börsenorientiert. Das heißt: Sie fragen sich als Nutzer, was Sie für bestimmte Bilanzkennziffern an der Börse zahlen müssen. Der Vergleich kann dann helfen.

Der Unternehmenswert ist der gesamte Börsenwert (Aktien * Kurs) minus den liquiden Mitteln (Geld in der Kasse und auf frei verfügbaren Konten) plus den Verbindlichkeiten.

Konkret: Sie zahlen etwa 10 Millionen Euro für den Börsenwert, enthalten sind aber 1 Million Euro an Bargeldern und 5 Millionen Verbindlichkeiten.

Unternehmenswert: Verbindlichkeiten und liquide Mittel verrechnen

Die Interpretation ist dann folgende: Das Bargeld entschädigt Sie direkt für den Kauf, daher haben Sie „zu viel“ gezahlt und müssen dies beim Unternehmenswert berücksichtigen.

Die Verbindlichkeiten des Unternehmens haben den Börsenwert gesenkt, Sie kaufen die Verbindlichkeiten indirekt mit ein. Der Unternehmenswert ist um diese Verbindlichkeiten höher als der Börsenwert.

Diesen Unternehmenswert nun können Sie verwenden, um beispielsweise den Unternehmenswert anderer Unternehmen damit zu vergleichen – und sich dann für einen Kauf zu entscheiden.

Der Unternehmenswert ist eine wichtige Kennzahl, um langfristig zu investieren. Hoch ist der Unternehmenswert vor allem relativ zum Gewinn bei Substanzunternehmen wie der Münchner Rück.

Unternehmenswert berechnen: Ein Praxisfall

Leider gibt es keine „endgültige“ und für alle verbindliche Methode der Unternehmensbewertung, so dass es in der Praxis immer wieder zum Einsatz der verschiedenartigen Bewertungsmethoden kommt.

Unternehmenswert: Wertermittlung nach dem Praktikerverfahren

Beim Praktikerverfahren wird der letzte Jahresgewinn mit einem der Branche entsprechenden Wert multipliziert. Für den Handelsbereich wird mit einem Gewinnmultiplikator vom 5- bis 8-fachen gerechnet.

Bei einem Gewinn von rund 280.000 €  kommt es zu folgenden Ergebnissen:

Es ist also festzuhalten, dass der Unternehmenswert nach dem Praktikerverfahren in diesem Fall zwischen 1,4 und 2,2 Mio. €  liegt.

Sofern der Gewinn von außerordentlichen oder einmaligen Einflüssen geprägt ist, muss vor Anwendung des Multiplikators eine Bereinigung dieser Posten vorgenommen werden.

Die Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem Ertragswertverfahren

Zunächst erfolgt eine Übersicht über die Rentabilitätsentwicklung der letzten 3 Jahre auf der Basis der Gewinn- und Verlustrechnungen sowie eine Rentabilitätsvorschaurechnung für 5 Jahre, um die Betriebsergebnisse und auch die Überschüsse, die voraussichtlich erwirtschaftbar sind, darzustellen.

280.000 €  × 5 = 1.400.000 €  Unternehmenswert 280.000 €  × 8 = 2.240.000 €  Unternehmenswert

Bewertung nach dem Discounted-Cash-Flow- Verfahren

Die DCF-Methode berücksichtigt nicht nur die zukünftigen Erträge Ihres Unternehmens, sondern bewertet auch die Liquiditätsentwicklung anhand von freien Cash-Flows.

Mit dem DCF-Verfahren ermitteln Sie die zukünftigen Überschüsse Ihres Unternehmens, die Sie auf den Bewertungsstichtag abzinsen.

  • Positionen Betriebsergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern – Ertragssteuern = Betriebsergebnis vor Zinsen und nach Ertragssteuern + Abschreibungen + Erhöhung von Rückstellungen – Auflösung von Rückstellungen – Investitionen in das Anlagevermögen + Veräußerung von Anlagevermögen – Erhöhung von Working Capital + Abbau von Working Capital = Freier Cash-Flow

Exakte Zukunftsplanung – keine freihändige Schätzung

Entscheidend ist, dass Sie den Wert Ihres Unternehmens mit Zukunfts- und nicht anhand von Vergangenheitswerten berechnen.

Eine Bewertung, die sich auf Vergangenheitswerte stützt, ist abzulehnen, da sie die zukünftigen Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung unberücksichtigt lässt.

Der Vorteil der DCF-Methode liegt darin, dass Sie die Entwicklung Ihres Unternehmens anhand von konkreten – nachvollziehbaren – Planwerten darstellen und so überzeugende Argumente, auch gegenüber Ihrer Bank, anbringen können.

Der freie Cash-Flow zeigt die wahre Entwicklung

Die Berechnung des freien Cash-Flows zeigt Ihnen, ob Ihr Unternehmen in Zukunft Überschüsse erwirtschaften wird.

Der freie Cash-Flow ist somit gleichzeitig Ihr vorausberechneter Nachweis, dass Sie über die notwendige Liquidität zur Bedienung des Fremdkapitals verfügen werden.

Um den Wert Ihres Unternehmens – den Unternehmenswert – zu berechnen, addieren Sie die Summe der abgezinsten freien Cash-Flows und den abgezinsten Fortführungswert. Von diesem Ergebnis ziehen Sie die zinspflichtigen Fremdmittel ab und rechnen die liquiden Mittel hinzu.

Das Ergebnis zeigt Ihnen den „Wert“ Ihres Unternehmens.


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16. August 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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