Uran: Angebotsengpass deutet sich an

Die schwache Entwicklung vieler Rohstoffe zieht immer weitere Kreise. Das zeigt sich auch beim Blick auf die Uranbranche. In Deutschland spielt dieser Rohstoff in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt keine Rolle mehr.

Das liegt sicherlich auch schon beschlossenen Atomausstieg, der bis zum Jahr 2022 über die Bühne gehen soll. Doch weltweit ist die Atomenergie nicht weg zu denken.

Gerade im Uranbergbau sind die Anforderungen an neue Minen extrem hoch. Daher gehen auch nur wenige neue Minen überhaupt in die Produktion. Bei Großprojekten in Kanada wie der Cigar Lake Mine vergingen von der Entdeckung des Vorkommens bis zum Produktionsbeginn über 30 Jahre.

Und selbst nach Produktionsbeginn läuft noch nicht alles reibungslos. Daher ist es extrem wichtig für die gesamte Branche, immer wieder neue Vorkommen in Produktion zu bringen. Jetzt fällt ein Hoffnungsträger erst einmal weg. Das Ranger Deep 3 Uranprojekt im Norden Australiens wird vorerst auf Eis gelegt. Mehrheitsaktionär Rio Tinto und Projektpartner Energy Resources haben jetzt entschieden, dieses Projekt erst einmal nicht weiter voran zu treiben.

Dort werden hauptsächlich Halden älterer Minen aufbereitet. Das neue Projekt hätte jedoch die Produktion extrem stark gesteigert. Wie groß die Folgen dieser Entscheidung sind, verdeutlicht folgende Tatsache:

Wäre die Mine wie geplant in Produktion gegangen, wäre dort in Australien die drittgrößte Uranmine der Welt entstanden. Mittel- bis langfristig werden jetzt bis zu 9 Millionen Pfund Uran pro Jahr im weltweiten Uranmarkt fehlen.

Neue Projekte werden wieder attraktiver – das ist gut für Uranaktien

Kurzfristig ist das Signal für den Uranmarkt schon deutlich. Produzenten und Explorer werden nun noch genauer hinschauen, wenn sie Projekte weiter vorantreiben. Für das Projekt liegt bislang schon eine vorläufige Machbarkeitsstudie vor. Die aktuell niedrigen Marktpreise haben die Projektbetreiber nun gezwungen, die weitere Erstellung der endgültigen Machbarkeitsstudie einzustellen.

Einige Analysten von Dundee Securities sehen die Lage für den Uranmarkt durchaus kritisch. Bei vielen neuen Vorkommen werden sich auch weiterhin chinesische Kraftwerksbetreiber direkt beteiligen, umso einen stetigen Lieferstrom sicherzustellen.

Dort entstehen immerhin aktuell mehr als 20 neue Reaktoren. Andere Kraftwerksbetreiber werden erst mal schauen müssen, wie sie die langfristige Uranbelieferung sicherstellen können.

22. Juni 2015

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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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