Uran: Preis-Diskussionen

Uran: Wann startet der nächste Preisaufschwung?

Gold und Uran haben in diesen Tagen einiges gemeinsam. Zwar sind die beiden Elemente an sich höchst unterschiedlich, doch an den Finanz- und Aktienmärkten haben die Rohstoffe und die sie produzierenden Minen ihre Fangemeinden wie auch ihre Gegner. Es erübrigt sich fast darauf hinzuweisen, dass die Kluft zwischen Befürwortern und Gegnern beim Uran nicht minder tief ist als beim Gold.

Gewinne mit Uran oder Uranaktien können im „grün-ökologischen Lager“ wohl mit Fug und Recht als politisch so inakzeptabel gelten, dass so mancher am liebsten zusätzlich zur Abgeltungssteuer auch noch eine ökologische Sondersteuer von 175% auf sie erheben möchte.

Kernkraft: In Deutschland abgeschafft, in China und Indien angesagt

Doch während man hierzulande die Kernkraft politisch gewollt gezielt auslaufen lässt, wird sie in anderen Ländern bewusst gefördert. Elektrischer Strom, der aus Kernkraft gewonnen wird, ist preiswert und er ist, wenn man vom strahlenden Atommüll einmal absieht, auch relativ sauber in Bezug auf die Luftverschmutzung und das Klimagas CO2. 1 Kg Uran 235 erzeugt die gleiche Menge Strom wie 1.500 Tonnen Kohle.

So wundert es nicht, dass gerade aufstrebende Länder wie China und Indien massiv auf die Kernenergie setzen und auch der Iran sie gerne nutzt, zumal wenn man aus dem Abfall, falls man es geschickt anstellt, auch gleich eine nette kleine Bombe basteln kann.

Uran: Im Spannungsfeld zwischen ziviler Nachfrage und Abrüstung

Die Bombe, bzw. korrekter ausgedrückt die Atomrüstung in Ost und West hat dem Uranmarkt in der Vergangenheit schon oft bewegt und zu drastischen Preisbewegungen geführt. Die erste setzte schon gleich zu Beginn des Kalten Krieges in den frühen 50er Jahren ein, als die AEC, die 1946 gegründete Atomic Energy Commission, begann, den Uranmarkt leer zu kaufen und die Preise damit auf zuvor nicht gekannte Höhen trieb.

Auch die Preisbewegungen der letzten 20 Jahre waren sehr stark von der geostrategischen Lage beeinflusst. Solange die Zahl der Atomsprengköpfe nur wuchs, war das Angebot knapp. Doch mit dem Abschluss der START I und II Abrüstungsverträge stand der Markt plötzlich vor einer vollkommen gewandelten Position. Es gab zu viel Uran, denn zur normalen Förderung kam nun das überschüssige Uran aus den ausgemusterten Raketen. Insbesondere das Uran der russischen Sprengköpfe kam nach dem Verfall der Sowjet Union zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt.

Uranpreis: Entweder ganz unten oder ganz oben

Erst 2001 endete der Ausverkauf des Urans aus russischen Quellen und der Uranpreis erreichte mit 7 US Dollar je Pfund seinen Tiefpunkt. Von hier aus startete der Uranpreis eine Rallye, die noch heute die Augen der Uranfans erstrahlen lässt.

Die Preisspitze wurde mit 136 Dollar je Pfund Ende Juni 2007 erreicht. Danach ging es ebenso steil abwärts wie es zuvor aufwärts gegangen war. Erst bei 44 Dollar je Pfund fand der Uranpreis seinen Boden. Inzwischen hat er sich wieder auf ein Niveau von 55 Dollar emporgearbeitet.

Jetzt blicken die Uranhändler mit gespanntem Blick auf das Jahr 2013. In diesem Jahr wird das Programm, das das ehemals sowjetische Uran einer zivilen Nutzung zuführt, auslaufen und während die Experten einen Preisanstieg erwarten, weil die normale Produktion den Bedarf schon jetzt nicht decken kann und die Lücke nur über das ehemals militärisch genutzte Uran ausgeglichen werden kann, freuen sich die Uranfans unter den Investoren bereits auf den Beginn der nächsten Blase.

Uranminen kommen zurück

Die könnte, wenn sie denn kommt, schnell zu sehr extremen Kurssteigerungen führen, denn die Kurse der Uranminen sind in den vergangenen Monaten stark zurückgekommen. Auch das ist eine Parallele zum Goldmarkt. Noch heftiger erwischte es wie beim Gold die Explorer. Hier waren Kursverluste von bis zu 90% eher die Regel als die Ausnahme. Das war natürlich des Guten zu viel und da die Börse nach unten wie nach oben zu übertreiben pflegt, braucht man kein großer Prophet sein um vorherzusagen, dass die nächste Übertreibung wieder zur Oberseite hin erfolgen wird. Die Frage ist nur, wann sie startet? Sehr kurzfristig vermutlich nicht.

16. Januar 2009

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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