US-Banken bereiten sich auf Rezession vor: Rückstellungen für faule Kredite schnellen in die Höhe

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Bankaktien im Rückwärtsgang: Die Finanzinstitute fahren Risikovorsorge hoch und wappnen sich für steigende Kreditausfälle. (Foto: unknown)

Die Berichtssaison in den USA ist gestartet. Wie jedes Quartal waren die US-Banken die ersten Firmen, die ihre Bücher für die Investoren öffneten. Das Fazit fällt deutlich aus. Vor allem hohe Rückstellungen für faule Kredite haben die Gewinne belastet. Insgesamt haben Wells Fargo, J.P. Morgan, Citigroup, Goldman Sachs und die Bank of America im ersten Quartal mehr als 24 Milliarden Dollar an Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle zurückgestellt.

Lassen Sie uns einen Blick auf die führenden Institute nehmen und die aktuelle Lage analysieren:

JPMorgan – Kreditgeschäft sorgt für Bremsspuren

Besonders deutlich wird der Ernst der Lage bei der US-Großbank JPMorgan. Das Geldhaus wappnet sich mit einem finanziellen Kraftakt für drohende Kreditausfälle. Der Konzern legte wegen der Corona-Pandemie einen Sicherheitspuffer in Höhe von rund 8,3 Milliarden Dollar für ausfallbedrohte Kredite an – rund fünfeinhalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Zudem ließen die niedrigen Zinsen in den USA den Zinsüberschuss zusammenschmelzen. Entsprechend stark waren die Auswirkungen auf den Gewinn, der um rund 70% auf 2,9 Milliarden Dollar in den Keller sackte.

Goldman Sachs – der Handel reißt es raus

Auch die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Risikovorsorge spürbar nach oben gefahren. Unter dem Strich verdreifachte der Konzern seine Rückstellungen auf von 224 auf 937 Millionen Dollar. Das Ergebnis sank um 49% auf 1,12 Milliarden Dollar. Die Erträge gingen dagegen nur um 1% auf 8,74 Milliarden Dollar zurück. Im Aktien- und Anleihehandelsgeschäft profitierte Goldman Sachs von der deutlich höheren Volatilität an den Märkten.

Wells Fargo-Gewinn schmilzt um 89% zusammen

Auch bei Wells Fargo ging es zur Sache: Angesichts der trüben Aussichten wappnet sich die Bank für Kreditausfälle und fährt ihre Rückstellung um 3,2 auf nunmehr 4 Milliarden Dollar in die Höhe. Der Umsatz der Bank im Startquartal ging von 21,6 auf 17,72 Milliarden Dollar zurück. Deutlich stärker war der Einbruch bei den Gewinnen. Dort ging es um 89% auf 653 Millionen Dollar in den Keller.

Citigroup schraubt Rückstellungen um 5 Milliarden Dollar nach oben

Die US-Bank Citigroup hat sich im ersten Quartal ebenfalls ein dickes Polster für Kreditausfälle zugelegt und dies mit einem Gewinneinbruch um 46% “bezahlt”. Der Finanzkonzern stockte die entsprechenden Rückstellungen für faule Kredite um 5 auf 7 Milliarden Dollar auf. Stark zeigten sich hingegen auf Grund der extremen Schwankungen die Erträge im Handelsgeschäft. Entgegen dem negativen Branchentrend konnte die Citigroup ihre Erträge aus dem Aktien- und Anleihehandel um 12% auf 20,7 Milliarden Dollar steigern.

Bank of America – das Gleiche in Grün

Nicht weniger beeindruckend fiel die Präsentation der Ergebnisse bei der Bank of America aus. Auch hier sorgte die sprunghaft gestiegene Risikovorsorge (von 1,2 auf 4,8 Milliarden Dollar) für einen satten Gewinneinbruch. Unter dem Strich blieb zwar ein Nettogewinn von 4 Milliarden Dollar hängen, das war aber immerhin 49% weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal.

Fazit: Die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise stellen die Banken vor eine besondere Herausforderung. Die Kombination von steigenden Kreditausfällen und sinkenden Zinsmargen wird die Institute noch eine Weile belasten. Experten rechnen sogar damit, dass im zweiten Quartal bei zahlreichen Banken Verluste anfallen könnten, sofern die Rückstellungen weiter angehoben werden müssen.

Verlässliche Prognosen sind vor dem Hintergrund der Neuheit der Krise aber mit hoher Unsicherheit betroffen. Die Aktienkurse haben bereits deutlich reagiert und sämtliche Titel liegen seit Jahresbeginn spürbar in der Verlustzone (Bank of America: -36%, Citigroup: -46%, Goldman Sachs: -22%; JPMorgan: -34%; Well Fargo: -47%). Ob dies bereits allerdings bereits Einstiegskurse sind, darf zumindest aktuell noch stark bezweifelt werden. Anleger sollten sich in jedem Fall bei Bankaktien vorerst auf hohe Schwankungen einstellen.

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Warum Sie keiner Bank mehr trauen solltenDas Pulverfass kann jederzeit hochgehen. Das Gemisch aus ungelöster Flüchtlings-Krise, nicht bewältigter Finanz- und Banken-Krise, die mit exorbitanter Staats- und Banken-Verschuldung einhergeht, desaströser Mini-Zins-Politik der Notenbanken, schmelzender Lebensversicherungs-Beiträge, ungesicherter Altersversorgung,… › mehr lesen


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.