US-Behörde CFIUS blockiert nächste Übernahme

Die Übernahme von MoneyGram durch Alipay scheitert an der CFIUS. Erneut kommt ein chinesischer Bieter nicht bei einem US-Unternehmen zum Zug. (Foto: Peter Beens)

In den USA ist der nächste Deal am Widerstand der CFIUS gescheitert. CFIUS ist das Kürzel für Comittee on Foreign Investment in the United States. Die Behörde überprüft, ob bei Übernahmen nationale Interessen der USA gefährdet sind. In erster Linie geht es dabei um Sicherheitsbedenken – seit Kurzem werden allerdings auch Datenschutzbedenken angeführt.

Vielleicht ist Ihnen die Behörde im Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme durch Bayer ein Begriff. Vor wenigen Wochen winkte die CFIUS den Deal ohne Bedenken durch.

Anders fiel das Votum bei der Aixtron-Übernahme durch den Investor FGC aus. Der Deal ist eigentlich eine deutsch-chinesische Übernahme, doch Aixtron hat eine US-Tochter, sodass auch die dortigen Behörden zuständig waren.

Und da Teile der Aixtron-Anlagen auch militärisch genutzt werden könnten, gab es keine US-Freigabe. Am Ende platzte der Deal.

Skepsis gegenüber chinesische Käufer: Schwebende Deals haben schweren Stand

Die Liste der Deals, die sich die CFIUS in den vergangenen 3 Jahren anschauen musste, wurde aufgrund der besonders hohen Übernahme-Aktivität chinesischer Bieter deutlich länger.

US-Präsident Donald Trump kündigte im Wahlkampf an, dass er einen harten Kurs gegenüber China fahren werde. Im Sommer blockierte er die Lattice-Übernahme durch einen chinesischen Käufer.

Zu einer Reihe von Deals mit chinesischer Beteiligung gibt es noch keine abschließende Empfehlung der CFIUS, doch mit der jetzt nächsten Blockade der Behörde sinken die Chancen auf Freigaben – zumal auch von Politikern aus dem demokratischen Lager eine Verschärfung des bestehenden CFIUS-Prozesses gefordert wird.

Schlechte Aussicht auf Deal-Genehmigung: MoneyGram und AntFinancial lösen Übernahme-Vertrag wieder auf

Bei dem jetzt untersagten Deal zwischen Moneygram und AntFinancial kommt der Käufer ebenfalls aus China. AntFinancial ist ein Tochterunternehmen des weltweit größten Online-Einzelhändlers Alibaba.

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Alibaba wollte eigentlich den Überweisungsspezialisten für 1,2 Mrd. Dollar kaufen, doch die CFIUS, die Ressort-übergreifend Empfehlungen ausspricht und nicht selbst Übernahmen blockiert, empfahl den Deal aufgrund von Datenschutzbedenken zu untersagen.

Die Unternehmen können dann zwar noch versuchen, die Genehmigung trotzdem zu erhalten oder die Bedenken zu zerstreuen und einen neuen Antrag stellen, doch in der Regel wird die Deal-Anmeldung dann zurückgenommen. In diesem Fall einigten sich die beiden Seiten, dass der Vertrag aufgelöst wird.

Spatz in der Hand erneut mehr wert als Taube auf dem Dach

AntFinancial und MoneyGram zeigten sich bei Deal-Ankündigung noch sehr optimistisch, dass die Übernahme die Behörden-Hürde CFIUS nehmen würde. Doch am Übernahme-Vertrag war schon abzulesen, dass man mit Problemen rechnete.

Obwohl der Deal 1,2 Mrd. Dollar schwer war, wurde für den Fall eines Übernahme-Aus lediglich eine Strafzahlung von „nur“ 30 Mio. Dollar vereinbart. Investoren, die daher zu Kursen knapp unter dem Angebotspreis im Frühjahr 2017 das Weite suchten, waren gut beraten.

Die MoneyGram-Aktie geriet nach dem Deal-Aus gestern unter Druck und verlor in der Spitze über 10%. Mit rund 12 Dollar liegt das Papier 50% unter dem von AntFinancial gebotenem Übernahme-Preis (18 Dollar).

Für die MoneyGram-Aktionäre ist das Resultat bitter, denn der Übernahme-Kandidat hatte auch ein Angebot vom US-Konkurrenten Euronet in Höhe von 15,20 Dollar auf dem Tisch liegen.

Euronet hatte immer wieder gewarnt, dass der Deal mit AntFinancial mit erheblichen Risiken behaftet ist. Da der Zusammenschluss zweier US-Unternehmen deutlich geringere Hürden gehabt hätte – vielleicht sogar jetzt schon abgeschlossen wäre –  wäre es hier einmal mehr besser gewesen, die finanziell unterlegene Offerte zu nehmen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.