US-Behörden geben Shire-Übernahme durch Takeda frei

Takeda sichert sich die US-Freigabe für die Shire-Übernahme. Ob der Deal abgeschlossen werden kann wird allerdings noch viele Monate unklar bleiben. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Die Shire-Übernahme durch Takeda ist gestern dem Deal-Abschluss einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Die US-amerikanischen Wettbewerbsbehörden – in dem Fall die FTC – hat dem 62 Mrd. Dollar schweren Deal ohne Einschränkungen zugestimmt.

Die Genehmigung in den USA galt zwar als sicher, ist dennoch für den weiteren Übernahme-Verlauf von hoher Bedeutung. Denn Takeda muss mit großem Einsatz um die Gunst der Aktionäre werben, von denen große Teile noch nicht von den Vorteilen des Deals überzeugt sind.

Nur wenn zwei Drittel der Investoren beider Lager auf den  jeweiligen Hauptversammlungen im Januar 2019 für die Transaktion stimmen, geht die Übernahme über die Bühne. Jede positive Meldung stützt da die Argumentation, warum für den Deal votiert werden sollte. Da in den USA der neue Konzern etwa 50% der Umsätze erzielen wird, wurde das OK ohne Auflagen besonders begrüßt.

Gewaltige Schuldenlast macht Shire-Übernahme nicht zum Selbstläufer

Warum haben die Shire-Aktionäre Bedenken? Dies liegt am Übernahme-Angebot, dass zu knapp 50% aus Takeda-Aktien besteht. Vielen Investoren gefällt nicht, dass der neue Konzern eine sehr hohe Schuldenlast tragen wird. Sie halten die Takeda-Aktie für nicht werthaltig, insbesondere weil steigende Finanzierungskosten Synergievorteile zunichte machen.

Aus diesem Grund glauben diese Investoren auch nicht, dass der Übernahme-Preis trotz fünfmaliger Aufstockung und 60% rechnerische Prämie auf den Shire-Aktienkurs den Wert des Unternehmens angemessen widerspiegelt.

Anlage-Restriktionen könnten neuer Takeda-Aktie zusetzen

Wieder andere befürchten, dass im Falle einer Übernahme die Takeda-Aktie schnell unter Druck geraten könnte, weil einige Shire-Aktionäre, die dann Takeda-Aktionäre werden, Restriktionen unterliegen und verkaufen. So könnten Fonds und Vermögensverwalter verkaufen müssen, weil japanische Aktien für das Portfolio nicht vorgesehen sind.

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Diese Überlegungen teilen natürlich auch die Takeda-Aktionäre. Im Juni schloss sich eine Gruppe von Aktionären zusammen, um zu erreichen, dass bei Großübernahmen über 1 Bio. Yen (7,7 Mrd. Euro) die Anlegerschaft zustimmen muss. Dieser Vorstoß verlief jedoch ins Leere.

Dennoch: Der Gruppe gelang es, immerhin 10% für den Plan zu gewinnen und sie kündigte an sich dafür einzusetzen, dass bei der Abstimmung über ein Drittel gegen die Übernahme sind.

Shire-Aktie aktuell 10% unter Angebotspreis

Heute können die Aktien beider Lager von der US-Freigabe leicht profitieren. Am Nachmittag lag die Takeda-Aktie im US-Handel 0,7% höher, Shire-Papiere verteuerten sich zeitgleich um 0,8% auf 43,20 britische Pfund (GBP).

Damit liegt das Papier rund 10% unter dem aktuellen Angebotspreis. Die zweistellige Kurslücke zwischen Börsenkurs und Angebotspreis deutet darauf hin, dass Investoren weiterhin Zweifel über einen erfolgreichen Deal-Abschluss haben. Doch die Richtung stimmt: Noch vor wenigen Wochen lag die Lücke bei knapp 20%.

Deal-Zustimmung wird voraussichtlich bis kurz vor Schluss unsicher bleiben

Ob der Deal letztendlich die Zustimmung der beiden Aktionärslager erhält, bleibt allerdings weiterhin fraglich. So könnten neue Forschungsdaten von Konkurrenten die für den Deal sehr wichtigen Prognosen im Geschäftsbereich Hemophilia (Bluterkrankheit) im weiteren Jahresverlauf durcheinander wirbeln. Im Extremfall kommt es wenige Tage oder Wochen zur Vorlage von starken Forschungsdaten durch einen Konkurrenten, der den Deal kippt.

Auf der anderen Seite: Die Takeda-Konkurrenz wird sich die Entwicklung genau anschauen. Mit dem Wissen, dass der japanische Bieter beim Angebotspreis am oberen Ende des möglichen angekommen ist, mit Shire-Aktionären, die zumindest teilweise den Takeda-Deal nicht wollen und mit einem Aktienkurs, der deutlich unter dem ursprünglichen Angebotswert notiert, hat eine Konkurrenzofferte gute Siegchancen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.