US-Behörden könnten für Bayer zum Problem werden

Die Monsanto-Übernahme durch Bayer ist doch wackliger als gedacht. Probleme mit den US-Behörden setzen beiden Aktien spürbar zu. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Die Monsanto-Übernahme durch Bayer steht offenbar vor neuen Problemen. Am vergangenen Donnerstag noch schrieb Ihnen der Übernahme-Sensor, dass es nach der Deal-Genehmigung durch die chinesischen Behörden und wohlwollenden Worten der EU-Kommission gut mit der Übernahme aussieht – und prompt tauchen Schwierigkeiten auf der anderen Seite des Erdballs auf.

Insidern zufolge sollen die Zugeständnisse und angebotenen Verkäufe von Bayer den Behörden in den USA nicht weit genug für eine Übernahme-Genehmigung gehen. Die Behörden sind offenbar besorgt, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb zu sehr einschränken würde.

Deal aus nicht wahrscheinlich – aber auch nicht undenkbar

Es ist nicht klar, worin im Detail die Bedenken liegen, doch vermutlich wird Bayer mehr verkaufen müssen, als bislang angeboten wurde. Darüber hinaus könnten dem Konzern spätere operative Verpflichtungen auferlegt werden.

Je nachdem wie groß die zusätzlichen Auflagen ausfallen, könnte der Deal – wenn auch wenig wahrscheinlich – sogar noch platzen. Bayer hat für die Genehmigung bereits große Zugeständnisse gemacht und ab einem gewissen Punkt rechnet sich der Zusammenschluss nicht mehr.

Deal-Verzögerung könnte Bayers Jahresprognose zunichte machen

Sah es vor wenigen Tagen noch so aus, als wenn der Deal in den kommenden Wochen abgeschlossen wird, ist jetzt wieder fraglich, ob der Zusammenschluss überhaupt klappt – und ob der von Bayer angenommene Zeitrahmen, Abschluss im zweiten Quartal, zu halten ist.

Bislang wurde erwartet, dass die US-Behörden den Deal Anfang April durchwinken, doch danach sieht es jetzt nicht mehr aus. Die beiden Seiten führen Insidern zufolge zwar konstruktive Gespräche, dennoch wird von Analysten befürchtet, dass der Genehmigungsprozess weitere 6 Monate dauern könnte.

Das wiederum wäre für Bayer problematisch, denn im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2018 wurde für eine deutliche Steigerung des operativen Gewinns unterstellt, dass die Monsanto-Übernahme im zweiten Quartal abgeschlossen werden kann.

Monsanto-Aktie verliert über 4%

Für Monsanto und die Monsanto-Investoren ist die Verzögerung und höhere Unsicherheit über den Deal-Abschluss ebenfalls unschön. Vielfach wurde angenommen, dass der Übernahme-Preis in Höhe von 128 Dollar je Aktie im zweiten Quartal fließt.

Da das jetzt nicht mehr so sicher ist wie noch vor einer Woche, reagierten die Anleger mit Verkäufen. Die Aktie musste den größten Tagesverlust der vergangenen 2 Jahre hinnehmen und die Kurslücke zum Angebotspreis vergrößerte sich auf 8,5%.

Bayer-Aktie: Topp bei Übernahme-Abschluss – Flop bei Übernahme-Abbruch

Die Bayer-Aktie reagierte ebenfalls negativ auf die Neuigkeiten und rutschte kurz nach Bekanntwerden der Deal-Probleme ins Minus. Es bleibt zwar nach wie vor wahrscheinlich, dass die Übernahme gelingt, doch die Unsicherheit hat zweifelsohne zugenommen.

Sollte die Übernahme am Ende noch scheitern, dürfte die Aktie stark unter Druck geraten. Denn dann steht das Management trotz hoher Ausgaben mit leeren Händen da und wird vermutlich 2 Mrd. Dollar Vertragsstrafe an Monsanto überweisen müssen.

Klappt der Deal jedoch wie mehrheitlich erwartet, steht die Aktie vor einer steilen Kursrally, die Analysten zufolge das Papier auf Kurse auf über 120 Euro treiben könnte.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.