US-Behörden verhindern Steuerflucht von Pfizer

Es war keine gute Woche für „Steuertrickser“. Erst wurden die Ergebnisse der Recherchen rund um die sogenannten „Panama Papers“ veröffentlicht (ich habe hier im „Schlussgong“ ausführlich darüber berichtet), und dann beschließen die US-Behörden auch noch, ein zuvor bedeutsames Steuerschlupfloch zu schließen.

Konkret: Das US-Finanzministerium hat neue Hürden für sogenannte inverse Übernahmen aufgestellt. Zur Erklärung: Bei inversen Übernahmen wählt ein US-Unternehmen nach dem Kauf einer zumeist kleineren ausländischen Gesellschaft deren Steuersitz und entgeht dadurch der höheren Besteuerung in den USA.

Als weitere steuersenkende Maßnahmen wurden in der Folge oft interne Darlehen eingesetzt, mit denen sich die ausländischen Gewinne steueroptimiert rund um den Globus verschieben ließen.

Mit anderen Worten: Inverse Übernahmen dienten bislang oft der Steuerflucht aus den USA. Und das soll jetzt mit Hilfe der neuen Regelungen verhindert oder zumindest deutlich unattraktiver gemacht werden.

So soll die Steuerflucht künftig vermieden werden

Die erste wesentliche Veränderung der Regulierung betrifft die Möglichkeit, im Ausland versteuerte Gewinne in die USA zu transferieren. Bislang wurde dies oft über Darlehen der ausländischen „Mutter“ an die US-amerikanische „Tochter“ geregelt.

Das hatte den Vorteil, dass die US-Gesellschaft nicht nur vom gesunkenen Steuerniveau im Ausland profitierte, sondern auch die Steuern in den USA über Zinszahlungen an die Tochter (für das Darlehen) drücken konnte.

Künftig sollen die Zinsen auf solche Darlehen in den USA nicht mehr angerechnet werden können. Das bedeutet: Die US-Tochter kann die Zinsen für Darlehen, die sie von ihrer ausländischen Mutter erhalten hat, künftig nicht mehr in den USA steuerlich geltend machen.

Außerdem sollen nach den neuen Regelungen bei dem Übernahmeziel Übernahmen der vergangenen 3 Jahre herausgerechnet werden. Was zugegebenermaßen zunächst wenig griffig klingt, wird greifbarer, wenn ich es Ihnen gleich anhand einer durch diese Regelung geplatzten Milliardenübernahme erläutere.

Pharmabranche: Größte Übernahme gekippt

In der Pharmabranche bahnte sich zuletzt die größte Übernahme der Geschichte an. Der US-amerikanische Pharmariese Pfizer hatte es auf den Konkurrenten Allergan abgesehen, der seinen Sitz in Irland hat.

Pfizer wollte durch die Fusion mit Allergan seine Steuerlast optimieren, denn in Irland liegt die Unternehmenssteuerquote bei gerade einmal 12,5%. Zum Vergleich: In den USA liegt die Steuerquote bei 35%. Die neuen Regelungen für inverse Übernahmen wurden nach Einschätzung vieler Experten vor allem auf den Weg gebracht, um die Steuerflucht von Pfizer zu verhindern.

Kommen wir jetzt wieder zurück zu der Regelung, dass Übernahmen der vergangenen 3 Jahre herausgerechnet werden. Allergan ist durch mehrere größere Übernahmen in den vergangenen 3 Jahren selbst zu einem Pharmagiganten geworden. Wenn diese Übernahmen jedoch rausgerechnet werden, ist Allergan zu klein, um aus steuerlichen Gründen noch attraktiv für Pfizer zu sein.

Daher ist die Übernahme in dieser Woche auch geplatzt. Welche Auswirkungen die Neuregelungen in Zukunft noch haben werden und ob es nicht doch noch einmal Änderungen der Regelungen bzw. Ausnahmen davon geben wird, kann nur die Zukunft zeigen. Ich halte Sie hier im „Schlussgong“ in jedem Fall darüber auf dem laufenden.

Mein Fazit lautet schon jetzt: Die neue Steuerpolitik geht in die richtige Richtung! Zuletzt gab es immer häufiger teure Übernahmen, die wirtschaftlich wenig Sinn machten. Einziger Zweck der Milliardentransaktionen: Steuern sparen.

Steuerspar-Effekte können bei Zusammenschlüssen ein Zusatznutzen sein, dürfen aber niemals das Hauptmotiv bilden. Auch wir Aktionäre werden langfristig davon profitieren, wenn Übernahmen wieder gründlicher geprüft werden. Unsinnige Zusammenschlüsse haben in der Vergangenheit zu viel Börsenwert vernichtet.

8. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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