US-Casino-Betreiber Wynn Resorts: Guter Deal, falsches Timing?

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Wynn will Crown, Ein Deal ist möglich - doch er kommt zu einem schlechten Zeitpunkt. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Nicht nur in Spielcasinos sondern auch um Casinos wird gepokert. So hat der zweitgrößte Casinobetreiber der Welt, Wynn Resorts mit Sitz in Las Vegas heute ein unaufgefordertes Übernahmeangebot für die australische Crown Resorts-Gruppe abgegeben.

In Summe sind die Amerikaner bereit, für die Übernahme des australischen Branchenkollegen 10 Mrd. Austral-Dollar (7,15 Mrd. USD) auf den Tisch zu legen. Wynn offeriert den Crown-Aktionären dabei eine kombinierte Bezahlung in bar sowie in Aktien.

Für jede Crown-Aktie bieten die Amerikaner umgerechnet 14,75 AUD (10,54 USD), die sie jeweils zur Hälfte in bar und in Wynn-Aktien bezahlen möchten. Das Angebot beinhaltet einen Übernahmeaufschlag von knapp 26 Prozent. Kommt es zu einer Übernahme, dann wäre es der bislang größte Deal des Jahres in Down Under.

Crown Resorts-Aktie schießt 20% in die Höhe

Im australischen Nachmittagshandel stiegen die Crown-Aktien an der Börse von Sydney um 20 Prozent auf 14,07 AUD an. Damit erzielten die Crown-Papiere den größten Tagesgewinn seit zwölf Jahren.

Allerdings fehlen bis zum angebotenen Übernahmepreis von 14,75 noch etwa 5%. Dies erscheint zunächst wenig, relativiert sich jedoch, wenn Sie bedenken, dass hier zunächst ein Testballon gezündet wurde. In den meisten Fällen ist das endgültige Angebot dann höher. Wenn jetzt die Lücke zum Angebotspreis 5% beträgt, dann bedeutet das: Der Markt preist ein nicht zu verachtendes Risiko ein, dass es doch nicht zu einem Deal kommt, bzw. erwartet nicht, dass es noch viel mehr wird.

Crown bestätigt zwar in einer Presseerklärung, dass es sich in vertraulichen Gesprächen mit Wynn über eine mögliche Übernahme befindet, betonte aber, dass noch längst keine Einigung über den möglichen Deal gefallen ist.

„Die Gespräche zwischen Crown und Wynn befinden sich in einer Vorphase, und es wurde keine Einigung zwischen den Parteien über die Struktur, den Wert oder die Bedingungen einer Übernahme erzielt. Es besteht keine Gewissheit, dass diese Gespräche zu einer Übernahme führen werden“, so Crown wörtlich.

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Wynn setzt auf den asiatisch-pazifizischen Markt

Mit dem Deal will Wynn seine Position im asiatisch-pazifischen Raum stärken. Der Casino-Gigant besitzt ein Hotel mit angeschlossenem Spielcasino im chinesischen Spielerparadies Macau und ein weiteres Fünf-Sterne-Resort im benachbarten Cotai. Zugleich wird der Eintritt in den japanischen Markt vorbereitet.

Wenn es zum Dealschluss mit Crown kommt, bekommt Wynn einen sehr guten Zugang zum australischen Markt. Zu Crown gehören zwei großzügig renovierte Casinos in Perth und Melbourne sowie ein drittes, das sich in exklusiver Lage an der Hafenpromenade von Sydney noch in Bau befindet.

Beide Casinobetreiber mit Problemen

Das Übernahmeangebot von Wynn kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Crown Resorts ist nach der Verhaftung von 16 seiner Mitarbeiter in China vor drei Jahren wirtschaftlich angeschlagen und hat seine Expansionspläne gestoppt. Der Großaktionär und führende Manager James Packer hat aufgrund von psychischen Problemen im Vorjahr seinen Job an den Nagel gehängt.

Die im Zusammenspiel mit rückläufigen Umsätzen sorgte dafür, dass der Kurs der Crown-Aktie in den Sinkflug überging. Seit August 2018 kannte die Aktie nur eine Richtung – nach unten. Analysten glauben daher, dass die Offerte, die einen Übernahme-Multiplikator (EBITDA) von 13 trägt, von vielen Investoren wohlwollend zur Kenntnis genommen werden dürfte.

Bei Wynn Resorts gibt es ebenfalls operative und interne Schwierigkeiten. Der langjährige Unternehmensboss Steve Wynn musste nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung vor etwa einem Jahr seinen Hut nehmen. Später hieß es dann, dass dies dem Spitzenmanagement nicht verborgen blieb – und mögliches Fehlverhalten sogar gedeckt wurde.

Dies wiederum – so wird befürchtet – könnte dazu führen, dass Wynn in Massachusetts die Lizenz entzogen wird. Da in der New England-Metropole Boston für Juni dieses Jahres die Eröffnung eines Casino-Hotels für über 2 Mrd. Dollar geplant ist, ist die Situation heikel.

Vorbörslich zeigen sich die Investoren von dem milliardenschweren Übernahme-Plan unbeeindruckt – doch der Übernahme-Sensor wäre nicht überrascht, wenn sich das im weiteren Verlauf der Übernahme-Gespräche noch ändert. Jetzt noch eine dritte Baustelle zu eröffnen, dürfte nicht jedem Investor gefallen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.