US-Dollar: Unwürdiges Gezwitscher

Twitter Logo Handy RED – shutterstock_721527988 Allmy

US-Präsident Donald Trump gab gestern wieder einmal den Anti-Dollar-Befürwortern neue Nahrung. (Foto: Allmy / Shutterstock.com)

Ich finde, es wäre langsam an der Zeit, dass ein US-Gesetz verabschiedet wird, welches amerikanischen Präsidenten verbietet, über Twitter zu „zwitschern“!

Das gestrige „Ge-Twitter“ von Donald Trump zum Thema Syrien ist eines Staatsmannes ebenso unwürdig wie so viele anderer seiner über den Micro-Blogging-Dienst veröffentlichten Aussagen:

Auf Russlands Ankündigung, angreifende Raketen in Syrien abzuschießen, twitterte der US-Präsident „Russland müsse sich nun bereit machen, denn sie (Anmerkung: die US-Raketen) werden kommen, hübsch und neu und ‘intelligent‘.“

Das „Weiße Haus“ widersprach Trump’s „Gezwitscher“ (deutsch für Twitter) umgehend und sicherte zu, dass dies zwar eine Option sei, aber gewiss nicht die einzige und es keinerlei Zeitplan für so etwas gebe.

Angesichts der Häufung solcher „verbalen Ausrutscher“ seit dem Amtsantritt verwundert es nicht, dass der US-Dollar seither gegenüber allen wichtigen Leitwährungen schwächelt.

Wird das anhalten? Bleibt der US-Dollar eine „schwache“ Währung? Wir schauen heute mal auf die Charttechnik.

US-Dollar sollte eigentlich stark sein

Eigentlich sollte der US-amerikanische Dollar „bretthart“ sein: Nach den „klassischen“ Börsenregeln wird die Stärke einer Währung nämlich vor allem von der Zinsdifferenz zu anderen Devisen sowie der wirtschaftlichen Stärke eines Landes bestimmt.

Nun: Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen beträgt in den USA derzeit 2,78% und liegt für das deutsche Pendant bei 0,495%. Zudem plant die US-Notenbank weitere Anhebungen des Leitzinses, während die Europäische Zentralbank bislang ihre Nullzinspolitik fortführt.

In der Euro-Zone wurde für das vergangene Jahr ein Wirtschaftswachstum von +2,5% gemessen – übrigens das höchste seit der Finanzkrise 2007 / 2008. Den USA gelang 2017 ein Wachstum von +2,3%.

Das ist zwar etwas weniger als in der Euro-Zone. Allerdings dürften die USA dank des im Dezember 2017 verabschiedeten Steuersenkungspakets in diesem Jahr mit erwarteten +2,7% wieder die Nase vorn haben.

Twitter Logo RED_shutterstock_170614805_Twin Design

Twitter-Aktie: Vom Sorgenkind zum AnlegerlieblingTwitter: Kurznachrichtendienst mit schwarzen Zahlen. Anleger zeigen sich begeistert und treiben Aktie nach oben › mehr lesen

US Dollar Index offenbart: Dollar ist nicht nur gegen den Euro schwach

Bleibt also die von mir schon im Sommer des vergangenen Jahres an dieser Stelle geäußerte Vermutung, dass vielen internationalen Dollarbesitzern die Trump-Politik schlichtweg nicht gefällt und sie deshalb ihre Dollars verkauft haben.

Doch wird das so bleiben? Schauen wir einmal gemeinsam auf den nachfolgenden Chart:

Er zeigt Ihnen den US Dollar Index Future und mithin, wie sich der US-Dollar gegenüber den 6 wichtigsten Währungen der Welt verhält. Der Euro besitzt mit 57,6% übrigens das höchste Gewicht im Index.

US-Dollar-Index: Langfristiger Abwärtstrend intakt

Wie Sie sehen, markierte der US-Dollar gegenüber den Weltleitwährungen im Januar 2017, also dem Monat, in dem Trump seine Präsidentschaft antrat, sein letztes bedeutendes Hoch.

Der seither eingeleitete Abwärtstrend (rote Linie) ist bis dato intakt. Das macht klar: Der US-Dollar ist nicht allein gegenüber dem Euro schwach, sondern eben gegen praktisch den gesamten Weltleitwährungskorb.

Was wiederum meine Einschätzung bezüglich der Gründe für die US-Dollarschwäche stützt.

Fazit

Immerhin notiert der US Dollar Index aktuell in der Nähe seiner Abwärtstrendlinie, was zumindest die Möglichkeit eines Trendwechsels offenhält (pinkfarbener Kreis).

Darauf setzen sollten Sie indes erst dann, wenn sich auf dem Chart tatsächlich ein Bruch des Abwärtstrends abzeichnet. Und dazu wäre ein Anstieg des US Dollar Index auf mindestens 90, besser noch 91 vonnöten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.