US-Finanzinvestor Carlyle übernimmt Symantec-Sparte für 8 Mrd. Dollar

Im Übernahme-Geschäft sind Sie große Summen in diesem Jahr gewöhnt. Gerade im Pharma-Bereich gab es mehrfach Deals die locker die 10 Mrd. Dollar-Grenze sprengten. Die guten Bedingungen für Deals werden von den Firmenbossen genutzt. Es wird fest damit gerechnet, dass in diesem Jahr ein neues Allzeithoch beim Übernahme-Volumen erreicht wird.

Was allerdings auffällt: Es sind verhältnismäßig wenige Transaktionen von Finanzinvestoren dabei. Im Juli schaffte es im M&A-Mutterland USA sogar nur ein Deal über die 1-Milliarde-Dollar-Grenze. Insgesamt lag das Volumen bei sehr geringen 12,2 Mrd. Dollar.

In diesem Monat wird das Volumen dagegen weitaus höher liegen. Allein der Deal von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway fällt mit 37 Mrd. Dollar ins Gewicht. Gut möglich, dass das bisherige 12-Monats-Volumenmaximum von 61 Mrd. Dollar geknackt wird.

Carlyle auch auf dem deutschen Markt aktiv

Zumindest branchenspezifisch ist ein neuer Volumen-Rekord in diesem Monat vorprogrammiert. Ein Konsortium unter der Federführung des US-Finanzinvestors Carlyle übernimmt für 8 Mrd. Dollar die Symantec-Sparte Veritas – der größte private equity-getriebene Branchendeal in diesem Jahr.

Wenn Ihnen Carlyle noch unbekannt ist: Der Finanzinvestor verwaltet rund 200 Mrd. Dollar und ist besonders auf IT-Übernahmen spezialisiert. In Deutschland trat Carlyle als Käufer des Wiesbadener Personalsoftware-Anbieters P&I Personal und Informatik auf – eine Übernahme bei der am Ende rund 900% Gewinn für die Aktionäre hingen blieb.

Symantec verkauft Problembereich – muss dafür aber Verlust hinnehmen

Bei Veritas setzt Carlyle darauf, dass das auf Datenspeicher-Software ausgelegte Geschäft wieder in die Gänge kommt. Die Umsätze waren zuletzt schwach. Allein im ersten Quartal fielen die Veritas-Erlöse um weitere 10%. Das von Symantec erst 2005 übernommene Unternehmen wurde nie den hohen Erwartungen gerecht.

Im Vorjahr kündigte Symantec daher an, dass Veritas abgespalten werden soll. Mit Carlyle hat das Unternehmen eine einfache Lösung gefunden – wenngleich der jetzige Verkaufspreis unter dem Kaufpreis vor 10 Jahren liegt.

Symantec kaufte Veritas für 13 Mrd. Dollar, bleibt also auf einen Verlust von 5 Mrd. Dollar sitzen.

Fokus auf das Kerngeschäft trifft bei Investoren auf offene Ohren

An der Börse kam der Verkauf der Problem-Sparte gut an. Nachdem Symantec ankündigte, dass ein Teil des Verkaufserlöses für Aktienrückkäufe genutzt werden soll, stieg das Papier in einem schwachen Marktumfeld um 7%. Als später dann allerdings die Quartalszahlen bekannt gegeben wurden, war der Zugewinn wieder weg.

Die schwachen Zahlen zeigten, wie wichtig es für das Unternehmen jetzt ist, sich auf das Kerngeschäft „Sicherheitssoftware“ zu konzentrieren. Es ist höchst wahrscheinlich, dass Symantec sich mit einem Zukauf in dem Bereich verstärken wird.

Zu den potenziellen börsennotierten Zielen zählen Proofpoint, Qalis oder Fortinet (keine Kaufempfehlung).

13. August 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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