US-Hedgefonds wettet Milliarden gegen den DAX

Warum ein US-amerikanischer Hedgefonds-Manager Milliarden gegen den DAX wettet und was das für Sie bedeutet. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Seit Wochen steht der deutsche Aktienmarkt trotz starker fundamentaler Daten unter Dauerbeschuss. Ein großer Aktien-Verkäufer ist jetzt bekannt: Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager Ray Dalio, Gründer des milliardenschweren Hedgefonds Bridgewater, setzt derzeit einen hohen Milliardenbetrag gegen den DAX.

Konkret: Laut aktueller Einträge im Bundesregister hat der insgesamt 160 Mrd. US-Dollar schwere Hedgefonds Bridgewater seine Short-Positionen (was das genau ist, erfahren Sie gleich) in prominenten DAX-Werten in diesen Tagen noch einmal aufgestockt.

Bei mehreren DAX-Schwergewichten, darunter SAP, Siemens, Allianz und BASF, wettet Dalio mit hohen Einsätzen auf fallende Kurse. Dies tut er, indem er die Aktien leerverkauft. Ein Leerverkäufer verkauft Aktien, die er nicht besitzt, sich aber geliehen hat, um sie später zu günstigeren Preisen zurückzukaufen.

Geht der Plan auf, ist die Differenz zwischen Ankauf und Verkauf der Gewinn des Leerverkäufers. Leerverkäufer werden im Englischen auch als Short-Seller bezeichnet. Wenn jemand Aktien shortet, ist in der Regel damit gemeint, dass er diese leerverkauft (Aktien verkauft, ohne diese zu besitzen).

Leerverkäufe einfach erklärt

Ein einfaches Beispiel soll Ihnen erläutern, wie Leerverkäufe funktionieren: Stellen Sie sich vor, Sie sind auf dem Wochenmarkt. Sie steuern einen Obststand an und fragen, was der Händler für einen Apfel haben möchte. Der Händler entgegnet, dass er keine Äpfel im Sortiment hat, Ihnen aber gerne einen besorgen würde.

Als nächstes fragt er, was Sie bereit wären zu zahlen? Sie antworten: 1 Euro. Sie verpflichten sich, ihm für 1 Euro einen Apfel abzukaufen. Also geht der Obsthändler zum Nachbarstand und kauft einen Apfel für 50 Cent. Die Differenz (50 Cent) ist sein Gewinn. So funktionieren Leerverkäufe. Der Verkäufer verkauft zu einem bestimmten Preis in der Hoffnung, dass er die Aktien zu einem günstigeren Preis zurückkaufen kann.

Warum Brigewater gegen europäische Aktien wettet

Bleibt die Frage, warum der US-Hedgefonds Bridgewater Milliarden gegen rund ein Dutzend DAX-Werte und gegen weitere europäische Unternehmen wettet. Den Grund für seine negative Sicht auf die europäischen Aktienmärkte hat Bridgewater-Chef Dalio kürzlich in einem Interneteintrag genannt.

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Der Hedgefonds-Milliardär Dalio glaube nicht, dass sich Europas Konjunktur so gut entwickeln wird, wie von vielen angenommen, heißt es darin. Zudem stelle der hohe Kurs des Euro im Vergleich zum US-Dollar ein Problem für Europas Firmen dar.

Nüchtern betrachtet sind jedoch die Bewertungen der meisten US-Unternehmen viel höher als die der DAX-Unternehmen – auch im historischen Vergleich. Eine Wette gegen die hoch bewerteten US-Aktien wäre daher rational vernünftiger gewesen.

Daher könnte man auf die Idee kommen, dass der Hedgefondsmanager vielmehr auf den Faktor Trump gesetzt hat als darauf, dass europäische Unternehmen aus fundamentaler Sicht zu hoch bewertet sind.

Was das bedeutet? Es ist vorstellbar, dass Dalio ahnte oder einen Insider-Tipp erhalten hat, dass Trump seine protektionistische Haltung aus dem Wahlkampf Anfang 2018 in die Praxis überführen würde und dass sich das auf Aktien aus dem sehr exportorientierten Deutschland und einigen anderen Teilen der EU zumindest kurzfristig negativ auswirken würde.

Wichtig zu wissen ist in dem Zusammenhang, dass Dalio irgendwann die leerverkauften Aktien der europäischen Unternehmen zurückkaufen muss, da er sie nur für eine bestimmte Zeit geliehen hat. Das könnte dann zu steigenden Kursen führen, genauso wie davon auszugehen ist, dass er mit seinen Short-Attacken die Kurse in den vergangenen Tagen und Wochen unter Druck gesetzt hat.

Für Sie als mittel- bis langfristig orientierte Privatanleger ist das Thema Leerverkäufe nur eine Randnotiz. Denn: Leerverkäufer agieren im Gegensatz zu Ihnen eher kurzfristig. Daher können Sie die Leerverkäufer und ihre Leerverkäufe ignorieren.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.