US-Mischkonzern Hillenbrand übernimmt Maschinenbauer Milacron für 2 Mrd. USD

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Millacron wird für 2 Mrd. Dollar von Hillenbrand geschluckt. Schlucken müssen vor allem die Hillebrand-Aktionäre - denn diese befürchten, dass der Käufer zu viel zahlt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Im Bereich der Firmenübernahmen haben die USA immer schon eine weltweit führende Rolle gespielt. Dies gilt sowohl für die Anzahl der Übernahmen als auch die Höhe der gezahlten Transfersummen.

So wurde am vergangenen Freitag wieder ein Übernahme-Deal eingestielt, der jenseits der eine Milliarden US-Dollar-Grenze lag: Die in Batesville/Indiana ansässige Hillenbrand-Gruppe will den Maschinenbauer Milacron LLC aus Cincinnati/Ohio kaufen.

Kombinierter Cash-/Aktien-Deal

Am 12.07.2019 gaben beide Unternehmen bekannt, dass sie eine Übernahmevereinbarung getroffen haben. Danach will die Hillebrand-Gruppe rund 2 Mrd. USD für den Kunststoffmaschinen-Hersteller Milacron auf den Tisch blättern. In dieser Summe enthalten sind auch Verbindlichkeiten von Milacron in Höhe von 686 Mio. USD.

Milacron-Aktionäre sollen laut Vereinbarung für jede Aktie 11,8 USD in bar sowie 0,1612 Hillenbrand-Aktien erhalten. Bezogen auf den Schlusskurs der Hillenbrand-Aktien vom 11.07.2019, dem Tag vor Bekanntgabe der Übernahme, erhalten die Milacron-Anteilseigner insgesamt 18,06 USD für ihre Wertpapiere.

Hohe Übernahmeprämie von 34 Prozent

Wird berücksichtigt, dass der Kurs der Milacron-Aktien in den vergangenen Monaten zwischen 11 und 15 Dollar lag, ist das jetzt vorliegende Angebot von insgesamt gut 18 USD je Milacron-Aktie als großzügig zu bewerten.

So enthält die Offerte – bezogen auf den Schlusskurs vor Bekanntwerden des Angebots – einen stolzen Aufschlag von +34%. Gemessen am 30-tägigen Durchschnittskurs der Milacron-Papiere liegt die Prämie sogar bei +38%.

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Milacron-Papiere machen Kurssprung – Hillenbrand-Kurs fällt

Nach Bekanntwerden der Übernahme verzeichneten die Milacron-Aktien am vergangenen Freitag ein deutliches Plus von +23.8% bei einem Schlusskurs von 16,75 USD. Damit näherte sich der Wert der Milacron-Papiere dem von Hillenbrand gebotenen Preis an. Dies zeigt Ihnen, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Nach Bekanntwerden des Deals verloren die Hillenbrand-Papiere hingegen deutlich an Boden. Der Kurs fiel um -12,86% auf 33,87 USD. Dies deutet darauf hin, dass die Investoren dem Deal skeptisch gegenüberstehen. Kein Wunder, denn für das erste Quartal verkündete Milacron kürzlich einen Umsatzrückgang um 13,9 Prozent auf 248,7 Mio. USD.

Hillenbrand erwartet Wachstumsschub

Joe Raver, Präsident und CEO von Hillenbrand, bewertete den Übernahme-Deal durchweg positiv: „Diese Übernahme revolutioniert unser Produktportfolio durch die führenden Technologien und den großen Kundenstamm von Milacron erheblich und wird zu einem langfristigen Wachstum beitragen. Milacron passt in unsere Wachstums- und Übernahmestrategie. Wir erwarten in den leistungsstarken Marktsegmenten des Unternehmens zusätzliche Kapazitäten für die Stärkung unseres Cash-Flows und für die Erhöhung unserer Margen.“

Hillenbrand und Milacron im Portrait

Hillenbrand ist ein hoch-diversifizierter, weltweit agierender Mischkonzern. Zu der Unternehmensgruppe gehören mehrere Werke, die im Bereich Industrieanlagen- und Maschinenbau tätig sind. Hierzu gehört auch die in Stuttgart ansässige Coperion GmbH, die im Oktober 2012 von Hillenbrand übernommen wurde. Daneben ist Hillenbrand mit seinem Tochterunternehmen Batesville US-Marktführer im Bereich der Sterbebegleitung. In 2018 erzielten die 6.500 Hillenbrand-Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 1,77 Mrd. USD.

Milacron ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Kunststofftechnik und der Kunststoffverarbeitenden Industrie. Das Milacron-Produktportfolio umfasst Heißkanalsysteme, Spritzguss- und Extrusionsanlagen sowie eine breite Palette fortschrittlicher Fluidtechnologien. Milacron beschäftigt weltweit etwa 5.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Jahresumsatz von 1,26 Mrd. USD.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.