US-Mischkonzern Koch übernimmt Molex

Für 7,2 Mrd. Dollar (5,5 Mrd. Euro) übernimmt der Mischkonzern Koch das Elektronik-Unternehmen Molex. (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

In den USA ist zu Wochenbeginn der nächste Milliarden-Deal abgeschlossen worden. Für 7,2 Mrd. Dollar (5,5 Mrd. Euro) übernimmt der Mischkonzern Koch das Elektronik-Unternehmen Molex.

Sowohl das Koch-Management, das Molex-Management als auch die Gründerfamilie des Übernahme-Kandidaten haben den Deal-Bedingungen zugestimmt.

Da Manager und Gründerfamilie zusammen 32% der regulären und 94% der „Class A“-Aktien halten (in etwa wie Stamm- und Vorzugsaktie), steht dem Deal praktisch nichts mehr im Wege.

Aktionäre erhalten satte Übernahme-Prämie

Den Aktionären wird empfohlen, das Angebot in Höhe von 38,50 US-$ je Aktie anzunehmen.

Die Übernahme-Offerte beinhaltet eine Übernahme-Prämie in Höhe von 31% auf den Freitags-Schlusskurs der regulären und eine 56% Prämie auf den Kurs der weniger liquiden Class A-Aktie.

Es wird damit gerechnet, dass die Mehrzahl der Aktionäre der Empfehlung des Managements folgt. Kurz nach Übernahme-Ankündigung stiegen die Aktiengattungen in einem freundlichen US-Markt auf Angebotshöhe.

Trotz ordentlicher Zahlen: Markt hängt Molex-Aktie ab

Nachdem Ihnen der Übernahme-Sensor zuletzt häufiger einen Deal von einem angeschlagenen Unternehmen präsentiert hat, handelt es sich diesmal um die Übernahme eines relativ gesunden Unternehmens.

Molex musste zwar im vergangenen Geschäftsjahr beim Gewinn einen Rückgang aufweisen, hat jedoch keine gravierenden Probleme.

Vor wenigen Jahren war dies noch anders, als die US-Krise dem Unternehmen zu schaffen machte. Die Aktie fiel in nur einem Jahr von 30 $ Richtung 10 $ zurück und erholte sich danach nur langsam.

Erst 2013 konnte wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht werden – zu diesem Zeitpunkt hatte der Vergleichsindex jedoch deutlich stärker zugelegt. Offenbar witterte Koch daher jetzt seine Chance.

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Koch-Industries: Ohne große Marken zum Erfolg

Der Mischkonzern Koch wird mehrheitlich von Nachfahren des Unternehmensgründers geführt und ist nicht börsennotiert.

Bekannt ist, dass die Unternehmenslenker Charles und David Koch zu den reichsten Männern der Welt gehören und sehr konservativ eingestellt sind.

Der konservative Ansatz dürfte auch bei dem Molex-Deal eine wichtige Rolle gespielt haben. Obwohl Molex ein 7 Mrd. $-Konzern ist, ist das Elektrotechnik-Unternehmen mit seinen 36.000 Mitarbeitern eher „unter dem Radar“.

Dies liegt daran, dass Molex Elektro-Komponenten liefert, die als Teil eines größeren Produkts in Erscheinung treten – jedoch nicht unbedingt als eigene, starke Marke.

Sie kennen das Gesamtprodukt iPhone von Apple – wissen vermutlich jedoch nicht, dass im iPhone Molex-Komponenten eingebaut sind.

Koch hat mehrere solcher profitablen (aber international wenig bekannten) Milliarden-Konzerne im Portfolio und Molex passt zur Koch-Firmenphilosophie.

Molex kann Unterbewertung nicht abbauen und landet auf der Ziel-Liste

Natürlich wird als konservativer Manager bei einer Milliarden-Übernahme in erster Linie auf den Preis geschaut. Molex hat es nicht geschafft, die Unterbewertung entschieden abzubauen und landete so auf der Ziel-Liste der Brüder.

Selbst unter Einbeziehung der Prämie ist der gezahlte Preis nicht entschieden höher, als der Preis zu dem vergleichbare Unternehmen an der Börse notieren. Mit dem jetzt folgenden Delisting dürfte sich die Übernahme schnell bezahlt machen.

Doch auch Aktionäre und Eigentümer können zufrieden sein. Durch die satte Übernahme-Prämie ist die anhaltende Unterbewertung verschwunden.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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