US-Notenbank-Beschlüsse: Sich vorher zu sorgen bringt Ihnen nichts

Haben auch Sie im Vorfeld der gestrigen US-Notenbank-Beschlüsse mögliche Szenarien durchgespielt? – Darum bleibe ich dabei eher gelassen: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am Dienstag fragte mich ein guter Bekannter, wie ich die anstehende US-Notenbank-Sitzung einschätzen würde.

Worum ging es?

Die FED, so lautet die Abkürzung für die US-amerikanische Federal Reserve Bank, tagt 8x im Jahr; jeweils in den beiden Monaten, in denen ein Quartal endet.

Am gestrigen Mittwochabend wurden die Entscheidungen bekanntgegeben, die in der September-Konferenz beschlossen worden sind.

Und genau darüber war im Vorfeld von Börsen-Experten kontrovers diskutiert worden:

Spekulationen im Vorfeld

So wurde darüber spekuliert, ob die US-Notenbank ihre stark aufgeblähte Bilanz abbauen könnte. Um zu verstehen, was dahinter steckt, sollten Sie wissen:

Die FED hat im Zuge der Finanzkrise ab Dezember 2008 3 sogenannte „Quantitative Easing“ (QE)-Programme (übersetzt: quantitative Lockerung) aufgelegt:

Dabei kauft eine Zentralbank Anleihen – überwiegend staatliche, aber auch private Zins-Papiere von Geschäftsbanken – auf.

Auf diese Weise gelangt Geld in das Banken-System und damit in den Umlauf.

Bilanz-Aufblähung durch Anleiherückkäufe

Bei der amerikanischen Notenbank hat dies dazu geführt, dass die per QE aufgekauften Anleihen die Bilanz um etwa 4,5 Bio. USD aufgebläht haben.

Nun zittern die Finanzmärkte seit Langem vor dem Zeitpunkt, ab dem die FED diese Bilanz wieder abbaut und damit dem Markt Liquidität entzieht.

Nachdem der Kapital-Zustrom nicht unerheblich zum Anstieg der Wall Street seit 2008 beigetragen hatte, ist die Sorge der Börsen-Experten nun die folgende:

dass es im Zuge einer Bilanz-Reduzierung zu einer entsprechenden Gegenbewegung kommen könnte.

Sorge vor weiterer Leitzins-Anhebung

Nicht mit dieser Bedeutung, aber immerhin auch diskutiert, wurde im Vorfeld der US-Notenbank-Sitzung, ob der amerikanische Leitzins ein weiteres Mal angehoben werden könnte.

Zur Erinnerung:

Seit Dezember 2016 hat die FED, ausgehend von einem Niveau von 0,25% – 0,50%, Leitzins-Anhebungen von jeweils +0,25 Prozentpunkten vorgenommen.

Die Fed-Entscheidungen

Gestern Abend hat die US-Notenbank nun ihre Beschlüsse verkündet:

A.S.-Création-Aktie: Tapetenhersteller nach Kartellstrafe auf TalfahrtDie Anleger des Tapetenherstellers A.S. Création haben im Moment wirklich nichts zu lachen. Hier erfahren Sie alles über die Probleme: › mehr lesen

Ab dem kommenden Monat werde mit dem Bilanz-Abbau begonnen. Die Vorgehensweise dabei sei von langer Hand vorbereitet.

In puncto Leitzins-Anhebung blieb sich die FED treu:

Aktuell wurde nichts verändert, aber den Märkten eine nochmalige Straffung in den kommenden Monaten in Aussicht gestellt.

Fazit

Die Befürchtungen der Experten im Vorfeld haben sich mithin zumindest einem Punkt erfüllt:

Die US-Notenbank wird ihre Bilanz ab Oktober 2017 reduzieren. Damit wird dem Markt auf lange Sicht wieder Geld entzogen.

Bei den Leitzinsen bleibt indes die Unsicherheit bestehen. Allerdings ist der Leitzins mit aktuell 1,0% – 1,25% weit davon entfernt eine Konkurrenz für den Aktienmarkt darzustellen.

Und damit sind wir auch schon beim Kern: Die Börsen „hassen“ nichts mehr als Unsicherheit.

Nicht zu wissen, ob eine für die Finanzmärkte wichtige Entscheidung positiv oder negativ ausgeht, hält die Aktienmärkte mind. im Zaum – nicht selten tendieren sie zuvor sogar abwärts.

Daher herrscht jetzt Klarheit bezüglich der weiteren US-Notenbank-Politik.

Und deshalb reagierte die Wall Street gestern Abend – im Gegensatz zu den zuvor gehegten Befürchtungen – mit Erleichterung.

Denn die Marktteilnehmer wissen nun, was auf sie zukommt.

Und weil das immer so war, ist und bleiben wird, habe ich meinem Bekannten am Dienstag Folgendes geantwortet:

„Zur Fed mache ich mir eigentlich nie Gedanken (genauso wenig wie bei anderen wichtigen Ereignissen), weil es absolut nichts bringt, das zu tun:

Ich kann nicht verhindern, dass etwas geschieht oder auch nicht – und die Reaktion darauf auch nicht.

Daher reagiere ich, wenn überhaupt, lediglich auf die Folgen einer daraus resultierenden Entscheidung.“

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt