US-Ökonomen fordern Deutschlands Austritt aus dem Euro

US-Ökonomen fordern: Deutschland raus aus dem Euro und zurück zur D-Mark! (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Es mutet wie eine Verschwörungstheorie an, die inmitten der Flüchtlingskrise wie eine Bombe einschlägt: Führende US-Ökonomen meinen, dass Deutschland aus der gemeinsamen Währungszone austreten soll.

Deutschland schadet der Euro-Zone

So erklärt der Princeton-Ökonom Ashoka Mody, Deutschland schade der Euro-Zone. Es profitiere am meisten vom Euro, schaffe wegen seiner wirtschaftlichen Stärke ein Ungleichgewicht.

Auch das aufgelegte Griechenland-Programm sieht er zum Scheitern verurteilt. Es würde die bisherige Austeritäts-Politik lediglich fortsetzen.

Wissen Sie weshalb? Ganz einfach – der starke Euro wirkt wie eine Fremdwährung in Griechenland. Dabei sind die Hellenen nicht in der Lage abzuwerten.

Bedenken Sie: Ähnliches gilt übrigens auch für Italien und Portugal.

Rückkehr zur D-Mark gefordert

Mody meint weiter, dass deshalb Deutschland aus dem Euro austreten soll. Die starke deutsche Wirtschaft habe damals auch die starke D-Mark verkraftet.

Und jetzt kommt’s: Der US-Ökonom erklärt, dass eine stark aufgewertete D-Mark gegenüber dem Euro die Deutschen sogar reicher machen würde.

Und zwar aus diesem Grund: Die Waren aus Rest-Europa könnten billiger eingekauft werden.

Großinvestor Soros fordert Deutschlands Austritt aus dem Euro

Vielleicht erinnern Sie sich: Der US-amerikanische Groß-Investor George Soros fordert schon seit Jahren Deutschlands Austritt aus dem Euro.

Er meinte, dass nur Deutschland den Euro verlassen könne. Beispielsweise Italien jedoch nicht. Dies würde das Land an seinen Schulden zerbrechen lassen.

Mit verheerenden Folgen für die ganze Euro-Zone. Will heißen: Es würde zu einem ungeordneten Zerfall kommen.

Ex-Fed-Chef stellt eine Prognose

Ben Bernanke, der Ex-Chef der US-Notenbank Federal Reserve äußert sich ähnlich. Und blickt auch auf die Arbeitslosenquote.

Diese ist in der Eurozone kontinuierlich gestiegen. Hierzulande gesunken.

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Was das heißt? Die Rest-Eurozone schneidet in der wirtschaftlichen Entwicklung weiter schlecht ab.

Falsche Prognose bei der Arbeitslosenquote

Es scheint aber so, dass Bernanke betreff der Arbeitslosenzahlen irrt. Deutschland steht mitnichten so gut da, wie die offiziellen Zahlen belegen.

Denn er rechnet nicht die zahlreichen Teilzeit- und Billigjobs ein. Genauso wenig die hohe Zahl an Leiharbeit.

Hinzu kommt die Verschiebung der Hartz IV-Bezieher aus der Arbeitslosenstatistik. Sie sehen also: mitnichten stehen wir in diesem Punkt gut da.

Abrechnung mit der EU-Politik

Der frühere Fed-Chef rechnet auch mit der EU-Politik ab. Die EZB hätte zu spät mit dem Geld-Drucken begonnen.

Die Banken-Krise in Europa sei noch lange nicht gelöst.

Die Finanzhäuser würden sich in einer schwierigen Situation befinden. Sie konnten sich bisher über Wasser halten, weil sie Staatsanleihen als risikofreie Sicherheiten vorhalten dürfen.

Verbot von Handelsüberschüssen?

Weiter sieht Bernanke die Eurozone als eine Ansammlung von unterschiedlich starken Teil-Euros, gekoppelt durch ein fixes Wechselkurssystem.

Hinzu komme das mangelnde Gleichgewicht der Außenhandelsüberschüsse. Er fordert deshalb eine Vereinbarung, die Handelsüberschüsse verbietet oder gar bestraft.

Seien Sie auf der Hut

Interessant an dieser Diskussion ist jedoch noch etwas anderes: Über den Grexit redet keiner mehr. Sondern nun über den Austritt Deutschlands aus der Eurozone.

Und genau das sollte Ihnen mehr als alles andere zu denken geben.

Große Verwerfungen stehen an. Die Flüchtlings-Diskussion überschattet diese lediglich.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.