US-Ölgeschäft: Devon und WPX Energy fusionieren

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Der Ölmarkt leidet unter einem starken Preisverfall. Dies führt verstärkt zu M&A-Aktivitäten unter den US-Ölgesellschaften, wie die heute bekanntgegebene Fusion von Devon und WPX Energy zeigt. (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

In Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie nimmt die Zahl der Fusionen und Übernahmen (engl. Mergers und Acquisitions bzw. M&A) aufgrund der gestiegenen Unsicherheiten zunächst deutlich ab. Wenn aber der Bodensatz erreicht wurde und es erste Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung gibt, erholt sich auch der M&A-Markt sehr schnell wieder.

Devon Energy fusioniert mit WPX Energy

Ein Beispiel hierfür zeichnet sich momentan auf dem US-Ölmarkt ab: Dort haben sich vor wenigen Stunden die Gerüchte, dass die in Oklahoma City ansässige Devon Energy Corp. mit dem Mitbewerber WPX Energy Inc. aus Tulsa/Oklahoma fusionieren wird, bestätigt.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung gaben beide Unternehmen heute Morgen bekannt, dass sie sich auf eine „Fusion unter Gleichen“ geeinigt haben. Durch den Zusammenschluss der Ölgesellschaften entsteht einer der größten unabhängigen Ölschieferproduzenten der USA.

Aktientausch mit fester Umtauschquote

Gemäß der Fusionsvereinbarung erhalten die WPX-Aktionäre 0,5165 Devon-Papiere für jede WPX-Stammaktie. Nach Abschluss der Transaktion werden die Devon-Aktionäre etwa 57% und die ehemaligen WPX-Anteilseigner 43% des fusionierten Unternehmens besitzen. WPX-Aktionären erhalten eine Übernahmeprämie von mageren +2,7% auf den Aktienkurs vor Bekanntgabe der Fusion am vergangenen Freitag.

Das neue Unternehmen wird unter dem Namen Devon Energy firmieren. Die Fusion, die von beiden Firmenvorständen einstimmig beschlossen wurde, soll im 1. Quartal 2021 abgeschlossen werden. Das Fusionsunternehmen Devon Energy wird 12 Vorstandsmitglieder haben; davon werden 7 Direktorenposten mit Devon- und 5 mit WPX-Vorständen besetzt.

Kurssprung nach Bekanntgabe der Fusion

Als am vergangenen Freitag erste Gerüchte über eine mögliche Fusion zwischen Devon und WPX aufkamen, hatte dies kaum Auswirkungen auf die Aktienkurse beider Unternehmen. Der Kurs der Devon Energy Corp. sank um -1,56%, während die WPX-Aktie um +0,68% zulegen konnte.

Als die Fusion heute Morgen in den USA bekannt gegeben wurde, hatten die US-Börsen noch geschlossen. Trotzdem legten die Kurse beider Unternehmen im vorbörslichen Handel deutlich zu. Der Devon-Kurs sprang an der New Yorker Börse (NYSE) um +8,7% während WPX-Papiere sogar um +13,7% zulegen konnten.

Enormer Wertverfall bei Ölkonzernen

Aufgrund des Corona-Lockdowns ist das internationale Ölgeschäft in den letzten Monaten stark eingebrochenen. In Folge dessen haben auch Devon und WPX in den letzten Monaten deutlich an Wert verloren.

Wurde Devon im Jahr 2008 noch mit einem Marktwert von mehr als 50 Mrd. US-Dollar (USD) bewertet, war WPX vor zwei Jahren noch mehr als 8 Mrd. USD wert. Am vergangenen Freitag hatten beide Ölkonzerne zusammen nur noch eine Marktkapitalisierung von etwa 6 Mrd. USD.

Beide Unternehmen sind stark im US-amerikanischen Ölschiefergeschäft (Fracking) involviert. Sowohl Devon als auch WPX haben Beteiligungen am ölreichen Perm-Becken, das sich in der Grenzregion zwischen Texas und New Mexico erstreckt. WPX hat auch Beteiligungen im Williston-Becken in North Dakota. Die in Oklahoma City ansässige Devon hat weitere Beteiligungen in Texas, New Mexico und Oklahoma.

Drastischer Preisverfall beim Öl

Seit einigen Monaten bewegt sich der Preis für US-Öl (WTI – West Texas Intermediate) bei nur noch etwa 40 USD je Barrel (1 Barrel entspricht 0,136 Tonnen). Damit hat der Ölpreis ein Niveau erreicht, zu dem insbesondere das kostenintensive Fracking-Verfahren kaum noch rentabel ist.

So überrascht es wenig, dass Schieferölproduzenten wie Devon und WPX die Flucht nach vorn antreten und über Fusionen bzw. Übernahmen nachdenken. Schließlich können durch die Zusammenlegung der Förderkapazitäten zumindest Synergiekosten eingespart werden.

Den ersten Schritt in diese Richtung machte bereits im Juli der Öl-Gigant Chevron. Dieser übernahm, wie seinerzeit berichtet, den kleineren texanischen Mitbewerber Noble Energy Inc. für etwa 5 Mrd. USD. Jetzt könnte eine weitere Übernahme- bzw. Fusionswelle im US-Ölgeschäft folgen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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