US Pharma-Branche: Teva will Mylan – Jetzt oder nie

Es wird erneut spannend in der US-Pharma-Branche. Nachdem 2014 der Milliardenschwere Übernahme-Kampf um den Botox-Hersteller Allergan die Medien beschäftigte, kommt es in 2015 zu einem weiteren Übernahme-Krimi.

Die Akteure heißen bisher: Teva, Mylan und Perrigo. „Bisher“ deswegen, weil noch weitere Spieler sich an dem Kampf um Marktanteile beteiligen könnten. Zunächst aber ein Blick auf die bereits vorhandenen Akteure.

Mylan-Vorstoß erzeugt bei Teva Handlungsdruck

Der Auslöser für den Bieterkampf wird in dem Übernahme-Angebot von Mylan für die Perrigo-Aktionäre gesehen. Mylan bot am 08. April 205 $ je Perrigo-Aktie. Die Offerte geschah ohne vorherige Rücksprache mit dem Perrigo-Management und wird bislang auch vom Übernahme-Kandidaten nicht unterstützt.

Das ungewöhnliche Vorgehen könnte dadurch ausgelöst worden sein, dass Mylan eine Übernahme-Offerte von Teva befürchtete. Das Management wollte eine Offerte auf Basis des aktuellen Kurses verhindern und bot deshalb für Perrigo.

Mylan und Perrigo kommen zusammen auf eine Marktkapitalisierung, bei der davon ausgegangen werden kann, dass Teva nicht mehr zugreifen kann. Daher hieß es: Jetzt oder nie.

„Bloomberg-Indikator“ liegt erneut richtig

Noch während das Angebot von Perrigo geprüft wird, gibt Teva am Nachmittag bekannt, dass man Mylan übernehmen will. Der Mylan-Chef hat noch am Wochenende mitgeteilt, dass ein Zusammenschluss mit Teva „keine industrielle Logik hätte“, nicht von der Unternehmenskultur passe und auch Wettbewerbsbedenken nach sich ziehen dürfte.

Das kühlte die Spekulationen zunächst ein wenig ab, doch das stets gut informierte Nachrichtenportal Bloomberg teilte am frühen Morgen mit, dass Teva dennoch bieten wolle – und behielt einmal mehr Recht.

Mylan teilt im Vorfeld mit, dass Übernahme unerwünscht ist

Die Frage die sich jetzt stellt, ist, Sie ahnen es: Wie geht´s weiter? Wer übernimmt wen? Eine Einordnung ist nicht ganz einfach. Teva sagt zu Mylan: Mit uns seit ihr besser dran, als mit Perrigo.

Dies war zu erwarten. Die Frage war, was Teva bietet, um dies auch zu untermauern. Es war klar, dass nur ein sehr sehr großzügiges Angebot für nachdenkliche Mylan-Manager sorgen würde. Wenn Mylan sich im Vorfeld so klar äußert, dann heißt das eigentlich: Deal? – Nein, nur zu einem Preis den ihr nicht zahlt.

Reichen 82 $ je Aktie um Mylan-Management zu überzeugen?

Teva hat heute 82 Dollar je Aktie geboten. Dass diese Summe ausreicht, um Mylan davon zu überzeugen, dass ein Zusammengang mit Teva besser ist, als ein Zusammengang mit Perrigo, darf hinterfragt werden.

Die Offerte sorgte jedenfalls dafür, dass die Aktie am späten Nachmittag „nur“ um 8% zulegt und knapp 10% unter Angebotspreis verharrt. Nicht wenige gehen also davon aus, dass der Vorstoß nicht zu einem Deal führt.

Auch Perrigo-Investoren sind gelassen geblieben. Die Aktie gibt zwar nach, hält sich jedoch mit -1,7% äußerst robust. Dies liegt vermutlich daran, dass die Chance auf eine Übernahme auch ohne Mylan noch weiterleben würde. Denkbar sind auch andere Bieter.

Bei dem Salix-Deal zum Beispiel dürften Investoren, die nach der geplatzten Übernahme durch Allergan ausgestiegen sind, schwarz ärgern. Wenige Monate später sprang nämlich mit Valeant ein anderer Bieter ein und verhalf der Aktie zu einem Allzeithoch.

Das könnte auch bei Perrigo passieren – dann wären alle zufrieden. Soweit ist es aber noch nicht. Gut möglich, dass Mylan den Teva-Vorstoß ablehnt und an Perrigo dran bleibt. Sollte Mylan jedoch vom Perrigo-Deal Abstand nehmen und kein anderer Bieter auftauchen, dürfte der Aktienkurs weiter unter Druck geraten.

21. April 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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