US-Präsident beendet Broadcom-Jagd auf Qualcomm

Die Qualcomm-Übernahme ist vom Tisch. Trump untersagt den Deal mit Verweis auf Sicherheitsbedenken - doch die wahren Gründe könnten woanders liegen. (Foto: hyebrink / shutterstock.com)

Gestern hatte Ihnen der Übernahme-Sensor von der Übernahme-Schlacht um Qualcomm berichtet und von unvorhersehbaren Entwicklungen im M&A-Geschäft. Nur einen Tag später ist die Übernahme-Schlacht um Qualcomm geschlagen – und vor wenigen Wochen hätte wohl kaum einer gedacht, dass die Transaktion aufgrund nationaler Sicherheitsbedenken scheitern würde.

Doch genau das ist die Begründung von US-Präsident Donald Trump, der per Dekret den feindlichen Übernahme-Versuch beendet. Ebenfalls vom Tisch ist damit auch der Broadcom-Versuch, das Qualcomm-Management zu entmachten.

CFIUS läutet Anfang vom Ende des Übernahme-Kampfs ein

Rückblick: Noch vor 10 Tagen sah es danach aus, als wenn Broadcom bei der für den 6 März veranschlagten Qualcomm-Hauptversammlung erst einen Management-Umsturz und dann mit dem neuen Management eine Übernahme einfädeln würde.

Doch nur ein Tag vor der alles entscheidenden Abstimmung dann die Überraschung: Die US-Behörde CFIUS, ein Gremium, dass Sicherheitsfragen und nationale Interessen bei Auslandsübernahmen überprüft, ordnete an, dass die Hauptversammlung um 30 Tage verschoben werden muss, um den Deal genauer zu prüfen.

Liegt der wahre Grund für das Übernahme-Aus in den 5G-Investitionen?

Da es bislang einmalig ist, dass sich die CFIUS zu einem so frühen Zeitpunkt in einen möglichen Deal einschaltet, wurde schnell hinterfragt, ob es die Übernahme am Ende wirklich noch geben wird.

Die Aktionäre waren gespaltener Meinung. Auf der einen Seite glaubten Anleger nicht, dass die CFIUS den Deal untersagen wird, da Broadcom die Rückverlagerung des Hauptsitzes in die USA in Aussicht gestellt hat. Die Zuständigkeit wäre dann nicht mehr gegeben.

Andere glaubten, dass Bieter Broadcom, dessen Unternehmensspitze fast ausschließlich aus US-Amerikanern besteht, in den Gesprächen mit der CFIUS die Sicherheitsbedenken ausräumen wird.

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Auf Seite der Skeptiker kam einigen Anlegern die Gesamtsituation äußerst merkwürdig vor – nicht nur, weil sich die CFIUS zu einem so frühen Stadium einschaltete. Es hieß, dass irgendwelche Gründe gesucht werden, um den Deal zu Fall zu bringen.

In Wirklichkeit gehe es nicht um Sicherheitsbedenken, sondern um Investitionen in den neuen Mobilfunkstandard 5G. Boadcom machte nie ein Hehl daraus, dass man die Prioritäten woanders sieht, was dem Bieter jetzt die Übernahme gekostet haben könnte – oder mit ausschlaggebend dafür war, dass der Deal scheiterte.

Qualcomm kein Übernahme-Kandidat mehr – Übernahme-Sensor kann Management-Optimismus nicht teilen

Fest steht, dass die größte Übernahme aller Zeiten in der Chipbranche jetzt erst einmal keinen neuen Rekordhalter bekommt. Die Enttäuschung über das Deal-Aus fällt bei Broadcom jedoch nur sehr klein aus.

Im Gegenteil: Broadcom-Aktien legen heute in einem schwächeren Marktumfeld für Technologie-Aktien rund 1% zu.

Anders dagegen die Reaktion der Qualcomm-Aktionäre. Diese reagieren mit stärkeren Verkäufen, auch wohl weil mit dem Deal-Aus verbunden wird, dass Qualcomm – quasi egal von wem – nicht zu haben ist. Die Aktie gibt heute Nachmittag 4,4% ab.

Mit rund 60 Dollar notiert das Papier aber immer noch gute 15% über dem Kurs vor Aufkommen des Broadcom-Plans. Offenbar setzen einige Anleger auf die im Zuge der Übernahme-Abwehr kommunizierten Management-Ziele 2019.

Der Übernahme-Sensor würde jedoch darauf nicht setzen. Zu lang ist die Liste derer, die bei Übernahme-Abwehr Großes versprochen und hinterher nicht abgeliefert haben. Auf der Liste sind auch deutsche Unternehmen wie etwa K+S. 2015 bot die kanadische Potash 41 Euro je Aktie, 3 starke Aktienmarktjahre später kostet das Papier an der Börse 23,20 Euro.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.