US-Quartalsberichtssaison: Kommt jetzt die Korrektur?

Die US-Quartalsberichtssaison startet heute: Doch etwas ist diesmal anders, als in den vorhergehenden Jahresvierteln. (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Heute Abend, nach Handelsschluss in New York, wird der amerikanische Aluminiumproduzent Alcoa die Finanzmärkte über den Verlauf des 4. und letzten Jahresviertel 2017 informieren.

Sie kennen das inzwischen schon: Mit diesem Ereignis wird traditionell die Quartalsberichtssaison eingeleitet.

Dass die von den Analysten geschätzten durchschnittlichen Gewinne der berichtenden Unternehmen auch im letzten Jahresviertel 2017 weiter klettern, war zu erwarten. Dennoch gibt es diesmal einen Punkt, der anders ist, als in den vorausgehenden Quartalen.

Möglicherweise gibt dies den Anlass für eine – seien wir ehrlich – längst überfällige und zugleich gesunde Korrektur an der Wall Street. Doch der Reihe nach:

Die Gewinner und Verlierer des 4. Quartals 2017

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum erwarten die Analysten für die 500 im S&P 500 enthaltenen Aktiengesellschaften Steigerungen von +8,8% bei den Gewinnen und +7,0% bei den Umsätzen.

Dass dabei für den Energiesektor das höchste Gewinnwachstum (+177%) erwartet wird, ist wenig verwunderlich: Diese Branche hat während und nach dem Ölpreisverfall von Juni 2014 bis Januar 2016 die höchsten Verluste hinnehmen müssen.

Mit der kräftigen Erholung der Preise für das „schwarze Gold“ seither konnte der Sektor zunächst konsolidieren und verdient inzwischen wieder Geld. Ohne den Energiebereich würde der erwartete durchschnittliche Gewinnanstieg indes nur +6,1% betragen.

Weiterhin starkes Wachstum wird dem Technologie-Sektor mit +14,0% bei den Ergebnissen und +8,5% bei den Umsätzen attestiert. Mit Einbußen rechnen die Experten in den Branchen Transport, zyklische Konsumgüter und Konglomerate.

US-Unternehmen verdienten im Jahr 2017 glänzend

Das 4. Jahresviertel ist zugleich das letzte: Entsprechend gibt es diesmal auch Schätzungen für das Gesamtjahr 2017.

Laut Analystenmeinung sollen die Gewinne um +7,5% und die Umsätze um +5,2% gestiegen sein. Das ist eine signifikante Verbesserung gegenüber 2016 mit +0,7% (Gewinnwachstum) und +2,2% (Umsatzwachstum).

Doch blicken wir nicht nur zurück, sondern auch nach vorn: Seit US-Präsident Trump sein Steuerpaket im Dezember durchsetzen konnte, wurden die Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr um 2 Prozentpunkte angehoben.

Was diesmal anders ist

Gleichwie die Ergebnisse am Ende der nun beginnenden Quartalsberichtssaison im Nachkommabereich anders ausfallen werden: Das Gewinnwachstum für die S&P 500-Mitglieder war im vergangenen Börsenjahr signifikant und unterbaut damit die exzellente Entwicklung der Wall Street.

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Wie eingangs erwähnt, ist indes diesmal ein Punkt anders als in den vorhergehenden Jahresvierteln:

Im Vorfeld der jeweiligen Quartalsberichtssaison schraubten die Analysten ihre Gewinnschätzungen stets zurück. Das bot stets Raum für positive Überraschungen.

Nun wurden, erstmals seit langer Zeit, die Ergebniserwartungen sogar noch angehoben: Seit November 2016 von +8,4% auf +8,8%.

Und das hatte seine Auswirkung auf den US-Aktienmarkt, wie wir in der folgenden Grafik sehen: Seit November 2017 sehen wir eine erste Beschleunigung und seit Jahresbeginn 2018 eine weitere.

spx im quartalsvergleich_17-01-2018

S&P 500: Ein gutes 4. Quartal 2017 wurde bereits vorweg genommen

Fazit

2017 war seit langem das beste Geschäftsjahr für US-Unternehmen: Das Gewinnwachstum dürfte im Vergleich zu 2016 von +0,7% auf +7,5% explodiert sein. Diese Entwicklung rechtfertigt den S&P 500-Anstieg von +19,4% im Vorjahr.

Ebenfalls erfreulich: Das Trump’sche Steuerpaket wird auch in 2018 für weiteres Gewinnwachstum bei den US-Konzernen sorgen.

Allerdings ist die Wall Street nach den signifikanten Indexgewinnen ab Mitte August 2017 schon seit einiger Zeit „reif“ für eine Korrektur. Da ein großer Teil dieses Anstiegs in das Vorfeld (seit Mitte Oktober 2017) der nun startenden Quartalsberichtssaison fällt, wurde damit zugleich auch ein kräftiger Vorschuss auf die Gewinnerwartungen geleistet.

Das kann nun zu heftigen Verkäufen der Anleger bei Ergebnisenttäuschungen und zu Gewinnmitnahmen bei -bestätigungen führen.

Das sollten Sie in den kommenden Wochen im Hinterkopf behalten!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.