US-Steuerreform wirbelt Gewinne durcheinander

Der „US Tax and Jobs Act“ ist der erste Erfolg von Donald Trump. Die Auswirkungen führten zu heftigen Abschreibungen. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Der US Tax and Jobs Act ist der erste große legislative Erfolg von US-Präsident Donald Trump, mit dem er eines seiner zentralen Wahlversprechen einlöst.

Es handelt sich dabei um die radikalste Steuerreform seit Ronald Reagan. Der allgemeine Steuersatz für Unternehmen fällt von 35 auf 21%. Zudem gibt es eine einmalige Chance, im Ausland geparkte Gewinne zu noch niedrigeren Steuersätzen zurückzuholen. Im Gegenzug fallen zahlreiche Abschreibungsmöglichkeiten weg. Die Auswirkungen der Steuerreform wurden von den Finanzdienstleistern im 4. Quartal in den Bilanzen berücksichtigt und führten zum Teil zu heftigen Abschreibungen.

So verhagelte das neue Gesetz die Quartalsergebnisse von Morgan Stanley und Goldman Sachs. Alleine Goldman Sachs musste 4,4 Mrd. $ Verlust verkraften. Doch es gibt auch Profiteure. So rechnet VISA ab sofort mit 1 Mrd. $ mehr Gewinn pro Jahr. Dank des Geldsegens wurde die Dividende erhöht und das laufende Aktienrückkaufprogramm aufgestockt. Zudem werden die Mitarbeiter bedacht, damit auch künftig die besten Talente für das Kreditkartenunternehmen arbeiten.

Schutz vor Cyberkriminalität rückt in den Blickpunkt

Für die Finanzdienstleister ist die Sicherheit der eigenen Systeme und der Kundendaten schon immer ein bedeutender Wettbewerbsfaktor. Angesichts einer steigenden Zahl von Hackerangriffen wird das Thema immer wichtiger. Vor allem die Kreditkartenanbieter müssen besonders vorsichtig sein. MasterCard setzt bei dem Thema auf Übernahmen spezialisierter Software-Firmen, um die eigenen Systeme zu verbessern und immer auf dem aktuellen Stand zu halten.

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VISA geht einen ähnlichen Weg und verstärkt die Zusammenarbeit mit Fintechs. Dabei handelt es sich um innovative, kleine Unternehmen aus der Finanzbranche, die vor allem Online tätig sind und den etablierten Banken und Dienstleistern Kunden abjagen.

Wann steigen die Zinsen?

Die US-Notenbank dreht bereits seit 2 Jahren wieder an der Zinsschraube, wobei das Tempo im vorigen Jahr zugenommen hat. Bei der EZB sind noch keine Zinsschritte absehbar, auch wenn die Forderungen danach immer lauter werden. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass auch in Europa die Zeiten der absoluten Tiefstzinsen irgendwann vorbei sein werden. Die Finanzdienstleister müssen sich in den kommenden Jahren auf langsam aber anhaltend steigende Zinsen vorbereiten.

Die geheime Macht im Hintergrund

BlackRock stellt längst einen bedeutenden Machtfaktor im Weltfinanzsystem dar. Unternehmenschef Laurence Fink hat innerhalb von 30 Jahren einen Giganten erschaffen, der mehr als 6 Bio $ Anlegergelder verwaltet. BlackRock taucht in den Aktionärslisten von allen wichtigen Unternehmen auf. Der US-Konzern ist der einzige Investor, dessen Beteiligung an jedem Dax-Konzern die Meldeschwelle von 3% überschreitet. Einen entsprechend großen Einfluss kann das Unternehmen ausüben.

In Deutschland ist BlackRock vor allem als ETF-Anbieter bekannt, der unter dem Namen iShares zahlreiche passive Indexfonds auflegt.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.