US-Tabakriesen prüfen Megafusion

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Tabakbranche im Umbruch: Altria und Philip Morris prüfen Megafusion. Börsenwert von über 200 Milliarden Dollar würde neuen Tabakgiganten erschaffen. (Foto: gilangtristiano / Shutterstock.com)

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag. Elf Jahre nach der Aufspaltung der beiden US-Tabakkonzerne erwägen die beiden Giganten Altria und Philip Morris wieder einen Zusammenschluss. Die Dimension einer Fusion wäre gewaltig – immerhin kämen beide Konzerne auf einen Börsenwert von mehr als 200 Milliarden Dollar.

Nachdem die Gerüchte über Gespräche bestätigt wurden, fällten die Anleger bereits ihr Urteil und schickten die Aktien auf getrennte Wege. Während die Papiere von Philip Moris in einer ersten Reaktion um beinahe 10% in den Keller rutschten, haussierte die Altria-Aktie und kletterte um 7% in die Höhe.

Die große Wiedervereinigung

Eine Fusion unter Gleichen würde eine große Wiedervereinigung bedeuten. Zu Ihrer Information: Die vor allem für die Zigarettenmarke Marlboro bekannten Unternehmen gehörten bereits bis 2008 zusammen. Dann wurde Philip Morris abgespalten. Die Intention dahinter: Das Spin-Off Philip Moris sollte sich auf das internationale Wachstum fokussieren, während sich Altria fortan auf den US-Markt konzentrieren sollte.

Fusionsspekulationen alter Hut

Gerüchte über ein mögliches Zusammengehen der beiden alten Bekannten gibt es schon lange. Vor zwei Jahren schloss ihr Hauptkonkurrent British American Tobacco einen Deal ab, um Reynolds American für 49,4 Milliarden Dollar zu kaufen. Damals erwarteten die Analysten, dass Philip Morris sich mit Altria wieder zusammenschließen würde, da die Befürchtungen über die Rechtsstreitigkeiten in den USA zerstreut waren.

Dabei steht die Tabakbranche im Umbruche. Die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Anti-Rauch-Kampagnen, Rechtskonflikte und ein generell gestiegenes Gesundheitsbewusstsein haben den Glimmstengel-Konzernen in den letzten Jahren ordentlich zugesetzt. Die Tabakgiganten müssen reagieren, um dem schrumpfenden Tabakkonsum zu begegnen. Bislang konnte die rückläufige Anzahle der Raucher in weiten Teilen der Welt noch durch stetige Preiserhöhungen aufgefangen werden.

Altria und Philip Moris im Vergleich

Nach dem Kursrückgang kommt der Altria-Konzern auf einen Börsenwert von 84,8 Milliarden Dollar. Zuletzt erwirtschaftete der Tabakriese bei einem Jahresumsatz von 25,36 Milliarden Dollar einen Reingewinn in Höhe von 6,93 Milliarden Dollar. Das entsprach trotz den widrigen Marktbedingungen einer Gewinnspanne von 27,45%.

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Philip Morris bringt momentan 111 Milliarden Dollar an Firmenwert auf die Waage. Der Umsatz lag in 2018 mit 29,62 Milliarden Dollar leicht höher als bei Altria. Mit einem Jahresgewinn von 7,91 Milliarden Dollar wirtschaftete der Tabakspezialist ähnlich profitabel (26,70% Gewinnspanne).

Cannabis, E-Zigaretten und rauchfreie Produkte

Der branchenweite Zigarettenabsatz sank 2018 auf bereinigter Basis um 4,5%. Im Gegensatz dazu war der E-Zigarettenmarkt 2018 etwa 11 Milliarden Dollar wert und soll in den nächsten fünf Jahren mit mehr als 8% jährlich wachsen, so das Forschungsunternehmen Mordor Intelligence. Auf diese Marktchancen haben beide Firmen reagiert und sich entsprechend positioniert. Philip Moris setzt mit seinen iQOS-Geräten auf tabakgefüllte Stäbchen. Diese sind in Papier eingewickelt und erzeugen ein Aerosol, das Nikotin enthält. Sie unterscheiden sich von E-Zigaretten wie dem beliebten Juul-Gerät von Altria, das eine mit Nikotin gefüllte Flüssigkeit verdampft.

Altria kann iQOS bereits im Rahmen einer Lizenzvereinbarung in den USA vermarkten, die Lizenzzahlungen an Philip Morris beinhaltet. Gleichzeitig könnte Altria möglicherweise die globale Präsenz von Philip Morris nutzen, um die internationale Expansion von Juul zu unterstützen.

Zugleich hat sich Altria im Wachstumsmarkt mit Cannabis-Produkten in Stellung gebracht und eine 45%-Beteiligung an der kanadischen Cannabis-Grupp Cronos übernommen.

Keine großen Überschneidungen

Abgesehen von der IQOS-Lizenzvereinbarung gibt es keine großen operativen Überschneidungen beider Firmen. Mögliche Kostensynergien könnten daher vor allem aus einer Senkung der Gemeinkosten und einer stärkeren Einkaufsmacht resultieren. Philip Morris und Altria sehen Spielraum bei der Konsolidierung ihrer Produktion, um jährliche Synergien von mehr als 800 Millionen Dollar zu generieren.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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