US-Technologieriese IBM treibt Konzernumbau voran

Am Aktienmarkt wurde heute der Rückwärtsgang eingelegt. Schwache Vorgaben von der Wall Street drückten den deutschen Leitindex DAX am Nachmittag unter die 11.600-Punkte-Marke.

Die große Frage lautet: Leidet auch das Börsen-Schwergewicht Apple, das heute Abend die mit Spannung erwarteten Zahlen präsentiert, unter dem starken US-Dollar?

Die Frage ist berechtigt, da bisher bei vielen US-Unternehmen ein Muster erkennbar ist: Operativ läuft es ganz gut, aber der starke US-Dollar bremst Umsatz und Gewinn. Der Rückenwind von der Währungsseite, der über mehrere Jahre die US-Unternehmen beflügelt hat, hat sich 2015 in Gegenwind verwandelt.

Für den US-Technologieriesen IBM ist das ein ungünstiges Timing. Positive Währungseffekte hatten bisher den Umbauprozess gestützt. Dieser entlastende Effekt ist verschwunden, wie aktuelle Zahlen zeigen. IBM legte gestern Abend die Zahlen für das 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres vor. Wie erwartet fielen sowohl der Umsatz als auch der Gewinn schwächer aus als im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz ging – auch auf Grund von Währungseffekten – um 14% auf 20,81 Mrd. US-Dollar zurück und der Gewinn sank um 17% auf 3,45 Mrd. US-Dollar. Soweit die auf den ersten Blick schlechten Nachrichten.

Doch erstens belastete der starke US-Dollar Umsatz und Ergebnis des Technologiekonzerns (also kein operatives Problem) und zweitens konnte IBM in den Zukunftsbereichen beeindruckende Wachstumsraten aufweisen.

Cloud-Umsatz um 50% gestiegen

Die zukunftsträchtigen Cloud-Dienste von IBM legten weiter kräftig zu und verzeichneten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzwachstum von 50%. Ohne Berücksichtigung der ungünstigen Wechselkurseffekte (starker US-Dollar) wären es sogar 70% Umsatzwachstum gewesen!

Die Cloud-Sparte wächst nach Angaben von IBM-Chefin Ginni Rometty zu einem „signifikanten Teil des Geschäfts“. Weiterhin sagte Rometty: „Die Ergebnisse zeigen, dass wir uns weiter im Wandel befinden.“

Der Konzern will sich vom klassischen Computer-Geschäft zum modernen Anbieter von Daten-Analyse und Cloud-Services – der Auslagerung von Daten und Programmen auf große Rechner im Internet – entwickeln.

Innovationen aus dem Hause IBM

Diesen Wandel treibt IBM seit Jahren erfolgreich voran. IBM gilt zwar als „Dinosaurier“ der Technologie-Branche, wird aber nicht aussterben. Im Gegenteil!

Wie munter das Unternehmen ist, zeigen die jüngsten Forschungserfolge. Den neuen Supercomputer „Watson“ konnte ich bereits in diesem Jahr auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha bestaunen (Warren Buffett ist mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway Großaktionär bei IBM).

Erst kürzlich folgte der neueste technische Paukenschlag. IBM konnte verkünden, dass es einem Forschungsteam, dem auch IBM angehört, gelungen ist, einen neuen Computerchip mit der winzigen Strukturbreite von nur 7 Nanometern herzustellen. Zur Einordnung: 7 Nanometer sind 7 Millionstel eines Millimeters. Damit wurde der bisher kleinste Computerchip noch einmal halbiert.

IBM arbeitet aber nicht nur an Projekten, die erst in 3 oder 5 Jahren Geld bringen. Der Umbau des riesigen Konzerns läuft bereits seit Jahren. Die alten Geschäftsbereiche, die zu geringe Gewinnmargen haben, werden nach und nach durch neue Sparten ersetzt.

Der Umsatz, der in Spitzenzeiten bei über 100 Mrd. US-Dollar pro Jahr lag, wird dadurch zwar zunächst auf 80 bis 85 Mrd. US-Dollar fallen, aber der Trendwechsel ist in Sicht.

So will IBM in den Wachstumsbereichen Datenverarbeitung im Internet sowie Erfassung und Verarbeitung von Daten (Big Data; hier liegt auch die Stärke des IBM-Hoffnungsträgers „Watson“) im Jahr 2018 bereits 40 Mrd. US-Dollar umsetzen. Gegenüber den Jahreszahlen 2014 wäre das eine Steigerung um rund 60%.

Fazit: Nach erfolgreichem Wandel folgt eine Neubewertung

Spätestens dann, wenn IBM den beschriebenen Wandel in 2 bis 3 Jahren erfolgreich und vollständig vollzogen haben wird, steht eine positive Neubewertung der IBM-Aktie an. Denn das derzeitige Bewertungsniveau spiegelt den erfolgreichen Wandel der vergangenen Jahre aus meiner Sicht nicht ausreichend wider.

Dies ist aber oft der Fall, wenn ein Unternehmen im Umbruch ist. So werden in diesen Fällen häufig die zwischenzeitlichen Fortschritte nicht ausreichend gewürdigt. Wenn Umsatz und Gewinn wieder steigen, ist die Aktie oft schon vorher angesprungen.

Daher kann eine Strategie bei IBM sein: Jetzt die erste Positionshälfte kaufen und dann aufstocken, wenn Umsatz und Gewinn wieder steigen.

21. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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