US-Vorwahlkampf: Joe Biden liegt vorne

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Joe Biden wird wahrscheinlich Präsidentschaftskandidat. Doch die Gefahr für Trump heißt nicht Biden oder Sanders – sondern Corona. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Das Bewerberfeld lichtet sich. Im Vorwahlkampf der US-Demokraten konnte der ehemalige Vizepräsident Joe Biden seinen Vorsprung gegenüber dem selbsternannten Sozialisten Bernie Sanders am Dienstag noch einmal ausbauen und liegt nun kaum einholbar vorne.

Vier der sechs Bundesstaaten, die am Dienstag abgestimmt haben, votierten mehrheitlich für Biden, der damit nun wieder als aussichtsreichster Herausforderer für Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November gilt.

Doch noch hat Sanders nicht aufgegeben. Im Juli küren die Demokraten ihren Kandidaten, und sie wären gut beraten, sich bis dahin nicht völlig in zwei Lager zu spalten, sondern sich allmählich hinter einem Repräsentanten zu versammeln.

Biden oder Sanders: Macht es einen Unterschied?

Aber ist Biden wirklich die bessere Wahl? Die Einschätzungen hierzu gehen auseinander. Einige Beobachter meinen, dass er – im Gegensatz zu Sanders – das Potenzial hat, enttäuschte ehemalige Demokratenwähler, die 2016 zum Trump-Lager übergelaufen waren, zurückzugewinnen. Zudem wird Sanders mitunter als „linke Version Trumps“, also als tendenziell populistisch wahrgenommen, der zwar von seinen glühenden Anhängern verehrt wird, aber kaum eine Mehrheit der US-amerikanischen Bevölkerung hinter sich versammeln könnte.

Kritisiert wird allerdings, dass mit Joe Biden nun ein Kandidat des verhassten politischen Establishments vorne liegt, das abzustrafen wohl eine der Hauptintentionen vieler Trump-Wähler war. Die Demokraten scheinen sich auf ein „weiter wie gehabt“ zu fokussieren, ihnen fehlen neue Ideen, vor allem aber junge, frische Köpfe.

Mit Biden und Sanders liefern sich zwei Männer Ende 70 das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Jüngere Kandidaten, wie etwa Pete Buttigieg, der bei den ersten Vorwahlen Überraschungserfolge für sich verbuchen konnte, sind weiterhin krasse Außenseiter.

Sehnsucht nach der guten, alten Zeit

Die Demokraten haben ein Nachwuchsproblem – und eine große Sehnsucht nach der vor-Trump-Ära. Doch ob sich die vergangenen Jahre seiner Präsidentschaft, die von Beginn an geprägt war von Skandalen, für die jeder andere Politiker hätte zurücktreten müssen, so einfach wegwischen lassen, bleibt zweifelhaft.

Immerhin: Biden setzt auf Verständigung, auf Versöhnung der verhärteten Fronten zwischen den gesellschaftlichen Lagern, die sich unter Trumps Präsidentschaft noch stärker gegeneinandergestellt haben als zuvor. Und Biden gilt als seriös, was für Sanders nicht uneingeschränkt bejaht wird.

Es scheint fast, als hätten die Demokraten Trump nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Doch die aktuellen Umstände rund um die Coronakrise könnten ihnen in die Hände spielen – weil sie das System Trump entlarven.

Größte Gefahr für Trump heißt Corona

Die Pandemie lässt sich nicht wegtwittern, die Einschätzungen der Experten weltweit sind einhellig. Dass Trump nun die Grenzen dichtmacht und für die kommenden 30 Tage keine Einreisen aus Europa dulden will, ist nichts als verzweifelter Aktionismus und hilflose Symbolpolitik.

Noch sind die USA nicht allzu stark betroffen von der Virusinfektion – doch einerseits ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Covid-19 auch die Vereinigten Staaten befällt, und andererseits werden zumindest die wirtschaftlichen Folgen auch in den USA deutlich zu spüren sein, wie sich bereits jetzt abzeichnet.

Trump scheint kein adäquates Konzept zu haben, um mit einer solchen Krise globalen Ausmaßes angemessen umzugehen. Und genau darin könnte im November die Chance der Demokraten liegen.

Am Ende könnte Trump nicht von Biden oder Sanders, sondern von Corona zu Fall gebracht werden.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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